Michelle Obama: Glanzvoller Einstand der First Lady
VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 22.01.2009 - 07:22Washington (RP). Auf den zehn Bällen in Washington am Tag der Amtseinführung ihres Mannes zog Michelle Obama die Blicke auf sich – nicht nur wegen ihrer Robe. Am "Day One" begannen die Mühen des Regierungs-Alltags, zuvor hatte die neue Regierung etliche Eilverordnungen George W. Bushs außer Kraft gesetzt.
Die wichtigste Frage zuerst. "Wie gut sieht meine Frau aus?", wollte Barack Obama von seinen Washingtoner Nachbarn wissen, und natürlich war es eine rhetorische Frage. In ihrem bodenlangen, elfenbeinfarbenen Kleid zog Michelle Obama ohnehin alle Blicke auf sich: groß wie ein Model, durchtrainiert wie eine Schwimmerin, eine Mischung aus Glamour, Durchsetzungsvermögen und Bodenständigkeit. Vielleicht ist das nicht die Wunsch-First-Lady der Hochglanzkataloge, wohl aber eine, mit sich der Amerika identifizieren kann.
Nur als die beiden zu tanzen begannen zur Galapremiere beim "Neighbourhood Ball", dem Ball fürs normale Hauptstadtvolk, da schieden sich die Geister. Zu langsam, zu statisch, zu langweilig, mäkelten die Kritiker. Andere fanden, dass es sehr präsidial aussah, nur sei das schöne Kleid doch ein wenig zu lang gewesen und habe sich für den neuen Präsidenten als Stolperfalle erwiesen.
Michelle Obamas Mode-Geschmack verrate Abenteuerlust, einen Sinn für Humor und zugleich Normalität, urteilte die "New York Times" über das Ballkleid. Das andere Kleid, das zitronengrasfarbene, das die First Lady beim Amtseid ihres Gatten trug, regte Kenner dagegen zu einem ziemlich kontroversen Diskurs an. "Trug sie Sofastoff spazieren?", fragt Bonnie Fuller, Ex-Chefin des Magazins "Glamour". Booth Moore, Kritikerin der "Los Angeles Times", hält dagegen für bewundernswert avantgardistisch, wie Frau Obama den traditionellen Bastionen US-amerikanischer Mode den Rücken kehrte. Isabel Toledo, die Designerin des zitronengrasfarbenen Kleides, stammt aus Kuba.
Die Musik auf den Bällen hielt auch der schärfsten Kritik stand. Beyoncé sang gefühlvoll "At Last", zum Schluss mit feuchten Augen ob der historischen Stunde. Dann Stevie Wonder, "Signed, Sealed, Delivered", begleitet von Stars wie Shakira und Mariah Carey.
Zehn Bälle hatten die Obamas zu bestreiten, von abends halb neun bis weit nach Mitternacht. Genauer gesagt: zehn Kurzauftritte bei zehn verschiedenen Tanzveranstaltungen. Nach den Bällen und einer kurzen Nacht begann "Day One", der erste richtige Arbeitstag der Obama-Administration. Nach dem Lampenlicht im Weißen Haus zu urteilen, müssen die ersten Beamten um fünf Uhr an ihren Schreibtischen gesessen haben.
Rahm Emanuel, der neue Stabschef, hatte bereits auf Weisung Obamas auf Eis gelegt, was George W. Bush zuletzt an Direktiven erlassen hatte. "Mitternachtsnovellen", Erlasse, die der Texaner buchstäblich fünf vor zwölf noch durchdrücken wollte. So sollten bestimmte Naturschutzgebiete zur Öl- und Gasförderung freigegeben, sollten Auflagen zum Schutz von Arbeitern vor giftigen Chemikalien gelockert werden. Diejenigen Novellen, die noch keine Gesetzeskraft haben, konnte die neue Riege im Eilverfahren stoppen.
Für das Präsidentenpaar begann "Day One" mit einem Gebet. Mit den Bidens, Joe und Jill, und den Clintons, Bill und Hillary, saßen die Obamas in der ersten Reihe der National Cathedral, der größten Kirche, die Washington zu bieten hat. Und zum ersten Mal war es eine Frau, die bei der traditionellen Zeremonie die Predigt hielt.
Auf seinem Schreibtisch im Oval Office stapelten sich unterdessen die ersten Papiere, die es zu signieren galt. Als Nächstes stand ein Treffen Obamas mit seinen wichtigsten Wirtschaftsberatern an. Die Runde wollte beraten, wie sich das angepeilte Konjunkturpaket (825 Milliarden Dollar) am besten im Kongress durchsetzen lässt. Schließlich besprach Obama mit der Militärführung die Strategie im Irak und in Afghanistan.
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