Papier mit besonderen Kennzeichen: Große Aufregung um den biometrischen Reisepass
zuletzt aktualisiert: 11.02.2005 - 09:19Berlin (rpo). Schon lange vor seinem ersten öffnetlichen Auftritt sorgt der neue biometrische Reisepass für eine Menge Aufregung. Besonders beim Preis für das Dokument schießen die Spekulationen ins Kraut: Sind es 70 Euro, vielleicht 130 oder gar 300? Und was machen USA-Reisende im Herbst, wenn sie das gute Stück noch nicht ihr Eigen nennen?
Alle Zahlen seien aus der Luft gegriffen, heißt es dazu im Bundesinnenministerium in Berlin. Fest steht nur, dass an der Neuerung bis zur letzten Minute mit heißer Nadel gestrickt werden wird.
Wer gegen Ende des Jahres einen USA-Urlaub plant, braucht sich dennoch nicht zu beunruhigen: Entgegen anders lautender Berichte können Bundesbürger wohl auch nach dem 26. Oktober ohne Visum mit ihrem alten Reisepass in die USA einreisen.
Die USA verlangen lediglich, dass Länder, die weiterhin am Programm für visafreies Reisen teilnehmen wollen, bis zum 26. Oktober mit der Ausgabe biometrischer Pässe begonnen haben müssen.
"Theoretisch kann man mit dem alten, bloß maschinenlesbaren Pass noch bis zu zehn Jahre ohne Visum einreisen", sagt eine Sprecherin der US-Botschaft in Berlin. Der neue Reisepass startet im Herbst zunächst mit biometrischer Gesichtserkennung auf Grundlage des Passfotos.
Wenn in Deutschland vom Reisepass gesprochen wird, ist bisher der 1988 eingeführte, bordeauxrote EU-Pass gemeint. Er ist 32 Seiten dick, maschinenlesbar und für Antragsteller ab 26 Jahren zehn Jahre gültig, für jüngere Menschen sind es fünf Jahre. Diese Frist steht allerdings buchstäblich nur auf dem Papier, wenn das Zielland zum Einreisezeitpunkt mindestens sechs Monate Gültigkeit vorschreibt. So halten es etliche Staaten.
Neben dem 26 Euro teuren Basismodell gibt es Sonderformen des Reisepasses. So wurden vor anderthalb Jahren eine 48 Seiten dicke Variante für Vielreisende sowie der so genannte Expresspass eingeführt. Dieser gleicht dem Standardpass, wird aber dank eines digitalen Antragsverfahrens innerhalb von drei Tagen ausgeliefert. Sonst sind elf Tage üblich. Die Gebühr erhöht sich durch diese Beschleunigung auf 58 Euro oder 80 Euro bei der dickeren Variante.
Was nach der Einführung des biometrischen Reisepasses aus dem "Expresspass" wird, ist beim Bundesinnenministerium in Berlin noch nicht in Erfahrung zu bringen. Keine Änderungen über die Einführung biometrischer Merkmale hinaus dürfte es dagegen beim Zweitpass geben, denn dabei handelt es sich, dem Namen entsprechend, schlicht um einen zweiten Reisepass.
Jeder Passinhaber hat Anspruch auf die Ausstellung eines weiteren Reisepasses, wenn er ein berechtigtes Interesse daran nachweist, wie es im Juristendeutsch heißt. Solch ein Interesse liegt etwa vor, wenn absehbar ist, dass es wegen Stempeln bestimmter Staaten im Erstpass zu Problemen beim Versuch der Einreise in andere Staaten kommt.
Der Fall, der damit angesprochen ist, betrifft Israel und die islamischen Länder. Ein Sichtvermerk Israels kann an den Grenzen Syriens, Saudi-Arabiens, Libyens, Pakistans, des Jemen, des Iran, der Vereinigten Arabischen Emirate und des Libanon zu Problemen bis zur Abweisung führen.
Keine Schwierigkeiten gebe es dagegen mit Stempeln vermeintlicher "Schurkenstaaten" bei der Einreise in die USA, so die US-Botschaft. Auch dem Auswärtigen Amt sind keine entsprechenden Fälle bekannt.
Über die Einreisebestimmungen weltweit informiert das Auswärtige Amt (Tel.: 030/50 00 20 00).
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