Biographien als Lieblingslektüre: Harald Schmidt sucht Rechtfertigungen für "eigene Defekte"
zuletzt aktualisiert: 16.03.2005 - 07:50Hamburg (rpo). Harald Schmidt liest am liebsten Biographien. Er hofft, darin Gründe für "eigene Defekte" zu finden. Schmidt hat manchmal erhebliche Schwierigkeiten, Bücher zu Ende zu lesen. In einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern aus Anlaß der Leipziger Buchmesse sagte Schmidt: "'Der Schwarm' von Frank Schätzing? Erstes Kapitel - Schluss! 'Vienna' von Eva Menasse? 25 Seiten - Feierabend! Das Tolle an Büchern ist auch, dass man so wahnsinnig gnadenlos sein kann."
Er lese derzeit lieber Biografien, um "Rechtfertigungen für eigene Defekte bei Leuten aus der ersten Liga, die gesellschaftlich gebongt sind" zu finden. "Sich morgens schon die Kante geben und 20 Jahre nicht mit den Kindern geredet? Hat doch Bismarck auch gemacht! Man selbst glaubt, man wäre so ein kleiner perverser Asozialer, der nicht in der Lage ist, mit seinem Partner zurechtzukommen... und dann greift man ins Bücherregal, und es stellt sich heraus: Unsere Besten waren ja noch viel schlimmer! Und das schon vor 100 Jahren! Das ist unglaublich befreiend."
Über Marcel Reich-Ranicki, von dem es heißt, er lese aus Respekt vor der Literatur nur im Anzug, sagte Schmidt dem stern: "Ich bin überzeugt, dass der in voll gekleckerten Pullis in der Küche liest. Wenn man Giganten zu Hause besucht, kriegt man ja Depressionen. Keiner hält das Bild durch, das er von sich aufgebaut hat."
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