Neues Projekt in Leverkusen soll Gewalt unter Schülern verhindern: Hilfs-Sheriffs sorgen für Ruhe in Bussen
zuletzt aktualisiert: 11.05.2004 - 12:36Leverkusen (rpo). "Fahr Fair" heißt das Projekt der Kraftverkehr Wupper-Sieg AG. Seit Anfang März sind an Bord der städtischen Busse in Leverkusen junge "Hilfs-Sheriffs" unterwegs. Diese Jungen und Mädchen der Gesamtschule Schlebusch sind von Polizei und Verkehrsbetrieben ausgebildet und sollen gefährliche Situationen erkennen, deaskalieren und notfalls Hilfe holen.
"Dieses Proekt geht aktiv gegen Straftaten an, wie sie in Hildesheim geschahen", sagt Schulleiterin Margret Roos. Der Fall in Hildesheim hatte über Wochen deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt. Ein 17-Jähriger war von seinen Mitschülern immer wieder schwer misshandelt worden. "Viele wussten das, und haben weggeguckt. Indem wir nun die Anonymität aufbrechen, wollen wir auch verhindern, dass sich soetwas in Leverkusen wiederholt."
Fahr Fair, so heißt das beispielhafte Projekt aus dem Kölner Umland. Ursprünglich initiiert wurde es von der Kraftverkehr Wupper-Sieg AG, mit deren Bussen viele Kinder in die Schule fahren. " Wir wollen die Reise sicherer machen und gleichzeitig durch die erhöhte Aufmerksamkeit in den Fahrzeugen etwas gegen den zunehmenden Vandalismus tun", sagt Angie Erhard, Pressesprecherin des Unternehmens. Stadt, Verkehrswacht und Polizei sind bei diesem Vorhaben mit an Bord. Gemeinsam begannen sie Ende 2003 mit der Ausbildung von 17 Schülern aus den Klassen 8 und 9 der Gesamtschule Schlebusch.
In Rollenspielen haben die jungen Leute gelernt, sich bei Konflikten ohne Gewalt und Provokation einzumischen. Ziel: Auseinandersetzungen schlichten und zwischen Streitenden vermitteln. Wird die Situation zu brenzlig, dann sollen die jungen Busbegleiter bei Erwachsenen Hilfe holen. Den Ausbildern ist dabei nach eigenen Angaben durchaus bewusst, dass sie den Jugendlichen beibringen müssen, sich nicht selbst zu überschätzen. Eingriffe in Konflikte zwischen Erwachsenen sind beispielsweise ein absolutes Tabu.
Eine andere Herausforderung sei der Umgang mit Mißerfolgen. Die gebe es, und trotzdem dürften sich die Jungen und Mädchen nicht entmutigen lassen. "Dabei hilft sicherlich ein zweistündiges Gruppentreffen in jeder Woche", sagt Margret Roos. "Hier können sich die beteiligten Schüler austauschen und wieder neue Motivation schöpfen".
Seit ein paar Wochen sind die jungen Busbegleiter nun schon im Einsatz. Sie tragen einen gut sichtbaren Ausweis mit Passfoto. Einige hatten bereits erste Erfolgserlebnisse. Während ein Junge den Streit zwischen zwei Schülern schlichtete, vermittelte ein anderer bei einer Auseinandersetzung zwischen einem Busfahrer und einem Schüler. Angie Erhard ist sich sicher, dass es nur wenige Wochen nach dem Start des Projektes in den Leverkusener Bussen bereits ruhiger geworden ist.
Dass das Konzept in der Tat erfolgsversprechend ist, beweist auch ein ähnliches Projekt in Bergisch-Gladbach - ebenfalls im Einzugsgebiet der Kraftverkehr Wupper-Sieg AG. Am dortigen Schulzentrum Herkenrath sind jetzt schon zum zweiten Mal jugendlichen Busbegleiter ausgebildet worden. Erst Dank des Erfolgs in Bergisch-Gladbach hat das Projekt im wahrsten Sinne des Wortes Schule gemacht. Nach Angaben der Kraftverkehr Wupper-Sieg AG gibt es Gespräche mit weiteren Schulen, die sich an "Fahr Fair" beteiligen wollen.
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