Wegen Scientology: Jung: Keine Drehgenehmigung für Cruise
zuletzt aktualisiert: 22.06.2007 - 18:08München (RPO). Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) will Tom Cruise keine Drehgenehmigung erteilten. Grund ist dessen Mitgliedschaft bei Scientology. Cruise soll in einem Film den Hitler-Attentäter Graf Stauffenberg spielen. Dazu sollte auch im Berliner Bendlerblock gedreht werden, wo Stauffenberg erschossen worden war.
Einen entsprechenden Bericht der Berliner Tageszeitung "B.Z." (Samstagausgabe) bestätigte am Freitag ein Sprecher des Ministers. Ein Antrag auf Drehgenehmigung liege aber nicht vor, sagte er. Cruise will den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielen. Wegen seiner Mitgliedschaft in der Scientology-Sekte stößt dies in Deutschland auf Kritik.
Laut "B.Z." sprach die Sektenexpertin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Antje Blumenthal, den Minister am Freitag darauf an, dass Cruise auf dem Gelände eines Bundesgebäudes drehen wolle. Darauf habe Jung angeordnet: "Mein Ministerium wird für diesen Film keine Drehgenehmigung im Berliner Bendlerblock geben." Dort war Stauffenberg nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Hitler 1944 erschossen worden.
Die Dreharbeiten für den Film "Valkyrie" sollen im Juli beginnen. Tom Cruise hat sich vor wenigen Tagen in Berlin aufgehalten. Ursprünglich war der deutsche Hollywood-Schauspieler Thomas Kretschmann nach eigenen Angaben für die Hauptrolle vorgesehen. Nachdem die von Cruise geleitete Produktionsfirma United Artists das Projekt übernommen habe, hatte er die Absage erhalten.
Der älteste Sohn des Widerstandskämpfers, Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, forderte in der "Süddeutschen Zeitung", Tom Cruise "soll seine Finger von meinem Vater lassen. Er soll einen Berg besteigen oder in der Karibik surfen gehen. Es ist mir wurscht, solange er sich da raushält." Er sage nicht, dass Cruise ein schlechter Schauspieler sei. Es sei ihm aber unsympathisch, dass ein bekennender Scientologe seinen Vater verkörpere. Zudem befürchte er, "dass da ein grauenvoller Kitsch rauskommt".
Juristische Schritte plane er aber nicht, sagte der pensionierte Generalmajor der Bundeswehr. Sein Vater sei nun einmal eine Person der Zeitgeschichte: "Verhindern kann ich diesen Film ohnehin nicht."
Zugleich kritisierte Stauffenberg den Umgang mit der NS-Zeit in Deutschland. "Wir Deutsche sind nicht dazu in der Lage, mit unserer Geschichte angemessen umzugehen. Entweder wir treten als arrogante Herrenmenschen auf oder als devote und servile Bücklinge", sagte der 72-Jährige. "Früher durfte nur gesagt werden: Wir waren alle böse." Nun schlage das Pendel vielleicht ein bisschen zu weit in die andere Richtung aus, sagte Stauffenberg. "Plötzlich ist sogar Grass dabei gewesen. Da wird man ja direkt zynisch."
Am Mittwoch hatte bereits der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Uwe Benneter kritisiert, wenn Cruise Stauffenberg spiele, wäre dies "ein Schlag ins Gesicht aller aufrechten Demokraten, aller Widerstandskämpfer im Dritten Reich, aller Opfer der Scientology-Sekte". Stauffenberg sei bereit gewesen, im Kampf gegen Unterdrückung und autoritäre Herrschaft sein Leben zu lassen. "Ausgerechnet er soll nun von einem Schauspieler dargestellt werden, dessen Sekte mit dubiosen Methoden versucht, Menschen zu ködern und gefügig zu machen."
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