Abschiedstour gastiert in Chemnitz: Katarina Witt und ihr letzter Tanz
zuletzt aktualisiert: 20.02.2008 - 08:47Chemnitz (RPO). Zu Chemnitz hat Katarina Witt ein ganz besonderes Verhältnis. Schließlich begann dort ihr Aufstieg in den Olymp der Eiskunstlaufwelt. Jetzt schloss sich der Kreis und sie kehrte während ihrer Abschiedstournee dorthin zurück - und niemand wusste vorab Bescheid? Keineswegs. Zwar wies kein einziges Plakat in der Stadt auf die ganz besondere Veranstaltung hin, doch die Karten waren trotzdem ruck-zuck ausverkauft.
"Die Arena war innerhalb von drei Tagen ausverkauft", sagt eine Sprecherin der Veranstaltungsagentur. Die Sportlerin genieße durchaus einen Ostbonus, denn auch in Riesa und Magdeburg seien die Karten schnell weg gewesen.
5500 Plätze in einer eissportverrückten Stadt wie Chemnitz sind nicht viel. Bis mancher mitbekommen hatte, dass es die letzte Gelegenheit ist, die Eisprinzessin live zu erleben, war es zu spät. Eine zweite Show passte nicht in den engen Zeitplan.
Zwar ist sie in Staaken bei Berlin geboren, doch gehören Katarina Witt und Chemnitz auf besondere Weise zusammen. Als die Stadt noch Karl-Marx-Stadt hieß, arbeitete das talentierte Mädchen im Stadion im Küchwald zusammen mit seiner Trainerin Jutta Müller an einer beispiellosen Erfolgskarriere mit zwei Olympiasiegen, vier Welt- und sechs Europameistertiteln. Und nachdem Kati ins Showgeschäft eingestiegen war, trug sie den Namen Chemnitz über den großen Teich.
"Mit unserer Partnerstadt Akron in Ohio verbinden uns zahlreiche Aktivitäten, aber so richtig weiß dort kaum jemand, wo Chemnitz liegt und was die Stadt ausmacht", erinnert sich ein ehemaliger Fernsehjournalist. Erwähne man in den USA jedoch, dass Katarina Witt aus Chemnitz komme, dann wüssten die Amerikaner Bescheid.
Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) jedenfalls würde sich "freuen, wenn sie als Ehrenbürgerin ab und an nach Chemnitz kommen würde und wir vielleicht gemeinsam Veranstaltungen organisieren könnten".
Immerhin sei Katarina Witt "nach wie vor ein Riesenvorbild für die jungen Sportler in der Stadt". Das Stadtoberhaupt wird wegen eines Urlaubs die Eisgala nicht sehen können. Sportbürgermeisterin Heidemarie Lüth (Linke) wird die Stadt vertreten "und sicherlich auch ein Geschenk überreichen", wie es aus dem Rathaus hieß.
"Ein bisschen bescheiden als Abschiedsfeier", meint Günter Weisflog. Der Chemnitzer Lehrer und Bildreporter hat Kati über viele Jahre mit der Kamera begleitet - bei ihren ersten Schritten in der Trainingsgruppe von Peter Meyer ebenso wie beim Empfang der lokalen SED-Parteiführung für Olympia-Asse in den 80ern. In Weisflogs Alben findet sich Kati, wie sie im Trainingsanzug des Sportclubs Karl-Marx-Stadt am 1. Mai demonstriert und wie sie mit strahlendem Gesicht und in eleganter Pose das Schaulaufpublikum begeistert.
"Sie war ein hübsches Mädchen und immer nett angezogen", erinnert sich der Fotograf an die frühen Jahre. Eines seiner letzten Bilder zeigt Witt neben Jan Hoffmann, Gaby Seifert, Sonja Morgenstern, Anett Pötzsch und anderen: Gratulation der Meisterläufer zum 70. Geburtstag von Jutta Müller.
Selbstverständlich freut sich die Grande Dame der Chemnitzer Eislaufschule auf das Wiedersehen mit Kati, ist aber ebenso gespannt, was Altmeister Brian Boitano noch drauf hat. "Ich schau schon mal beim Training zu", verrät Müller.
Dass ihre erfolgreichste Schülerin nun die Schlittschuhe an den Nagel hängt, nimmt die Trainerin gelassen: "Meine Zeit mit Kati war ja schon 1988 vorbei. Alles, was sie weiter gemacht hat, fand ich wunderbar, vor allem, dass es ihr vergönnt war, aus ihrem Sport einen Beruf zu machen. Doch Show ist was anderes als der Sport, zu dem ich meinen Teil beigetragen habe."
Eigentlich seien ihr alle Sportler gleich wichtig, betont Müller, und insbesondere der internationale Durchbruch mit ihrer Tochter Gaby Seyfert sei hart erkämpft gewesen. Doch dann kommt doch noch Stolz auf Kati auf: "Wie sie mit meiner Hilfe das Läuferische, unterstützt durch Musik und Kostüme, umgesetzt hat, und dass das so vom Publikum angenommen wurde, das war etwas Besonderes." Der Weg dazu sei weit und anstrengend und in Deutschland keine Nachfolgerin in Sicht, sagt die Meistermacherin.
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