Bundespresseball in Berlin: Köhler tanzt, Merkel fehlt
zuletzt aktualisiert: 27.11.2009 - 21:33Berlin (RPO). Zum ersten Mal durfte er die Frau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz, Ursula Gößling, zum Tanz bitten. Und gemeinsam mit ihr hat Bundespräsident Horst Köhler am Freitagabend mit einem Walzer den 58. Bundespresseball in Berlin eröffnet.
Partystimmung nach einem turbulenten politischen Tag: Nur wenige Stunden nach dem Rücktritt von Arbeitsminister Franz Josef Jung feierten rund 2.500 Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft und Medien in Berlin. Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich erneut als Ballmuffel. Dafür kamen sechs gut gelaunte Minister, an ihrer Spitze Merkels Vize Guido Westerwelle. Weiteres Spitzenthema war die kurz zuvor beschlossene Ablösung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender.
Bundespräsident Horst Köhler eröffnete das gesellschaftliche Großereignis im Hotel Intercontinental traditionell mit einem Walzer. Zum ersten Tanz führte er die Frau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz, Ursula Gößling, auf das Parkett. Seine Frau Eva Luise, in langem dunklem Kleid, tanzte mit Werner Gößling. Der Ball stieg zum elften Mal in der Hauptstadt.
Guttenberg sagte kurzfristig ab
Zu den Gästen des Balls, der in diesem Jahr unter dem Motto "Krisenfest" stand und deutlich weniger glanzvoll ausgestattet war als in den Vorjahren, zählten unter anderem die Minister Philipp Rösler (FDP), Thomas de Maizière (CDU), Ilse Aigner (CSU), Peter Ramsauer (CSU) und Norbert Röttgen (CDU). Zudem schwangen der ehemalige Außenminister und jetzige SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, Grünen-Chefin Claudia Roth und DGB-Chef Michael Sommer das Tanzbein.
Kurzfristig abgesagt hatte dagegen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg: Er hatte wohl wegen der Vertuschungsaffäre nach dem Angriff auf Tanklaster in Afghanistan andere Sorgen. Für den Glanz- und Glamour-Faktor waren unter anderem die Schauspielerin Veronica Ferres und die Designerin Jette Joop zuständig. Zudem kam Christina Rau.
Köhler mag Niedecken
Köhler zeigte sich gut gelaunt. "Der Ball lebt, es gibt genug Anlass zu feiern", sagte er. Besonders freue er sich auf den kurz nach Mitternacht geplanten Auftritt der Kölner Band BAP. Deren Sänger Wolfgang Niedecken kenne er gut: "Er hat mich schon öfters nach Afrika begleitet. Ein prima Mensch." Zum Fall Brender, der seinen Posten nach einer Entscheidung des ZDF-Verwaltungsrats räumen muss, wollte sich der Präsident an diesem Abend nicht äußern.
Das taten andere für ihn. "Das sind Vorgänge, die politisch skandalös sind", zürnte Steinmeier. Roth, im grünen Kleid, erklärte: "Es ist eine obszöne Strategie, in Personalentscheidungen einzugreifen." Sommer erklärte, dies sei ein Anschlag auf das politische System. Man überlege, mit rechtlichen Mitteln dagegen vorzugehen.
Westerwelle macht den Fischer
Ein Mann, der in den vergangenen Jahren gar nicht genug vom roten Teppich bekommen konnte und sich von einem Interview zum anderen stürzte, zeigte sich dieses Mal wortkarg. Außenminister Guido Westerwelle meinte nur staatsmännisch kurz angebunden: "Heute abend geht es nicht um Politik" - und erinnerte so schon ein wenig an die legendär muffligen Auftritte eines seiner Vorgänger auf dem Ball - Joschka Fischer.
Innenminister de Maizière wirkte etwas erschöpft. "Das war eine turbulente Woche", sagte er. "Es ist ein durchwachsenes Gefühl, aber hoffentlich können wir uns heute entspannen."
Insgesamt sorgten 140 Köche für erlesene Speisen. Sie verarbeiteten unter anderem 250 Kilogramm Kalbsscherzel, 80 Kilo Havelländer Apfelschwein, 110 Kilo Steinpilze, 500 Liter Sahne und 4.500 Eier. Der vom Verein der Hauptstadtjournalisten organisierte Ball zählt zu den Höhepunkten der Ballsaison. Die Eintrittskarten zum Preis zwischen 350 und 590 Euro waren seit Ende September ausverkauft. Der Etat für den Ball beträgt erneut rund eine Million Euro.
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