Bergsteiger-Legende: Messner – ein Fußgänger wird 65
VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 17.09.2009 - 17:49Meran (RP). Reinhold Messner hat in seinem Leben alle 14 Achttausender-Gipfel, die Antarktis und zwei Wüsten ohne moderne Hilfsmittel bezwungen. An diesem Donnerstag erreicht er das Rentenalter. Langsam fühlt er sich zu alt für abenteuerliche Bergtouren. Er hat teuer für sein aufregendes Leben bezahlt.
Ob am vergangenen Montag in Goch oder morgen im Luis-Trenker-Kulturhaus Gröden, den besten Witz über Reinhold Messner erzählt Reinhold Messner bei seinen Vortragsveranstaltungen am liebsten selbst: "Treffen sich zwei Yetis im Himalaya. Sagt der eine: Du, ich habe gestern den Messner getroffen. Fragt der andere: Gibt's den wirklich?"
Nicht erst mit dem heutigen 65. Geburtstag ist Reinhold Messner längst häufiger in gut gefüllten Hallen als in schwindelnden Höhen unterwegs. Dem Abenteurer, der alle 14 Achttausender ohne Sauerstoff bestiegen und die Antarktis, Grönland, Tibet sowie die Wüsten Gobi und Takla Makan durchquert hat, werden langsam die Füße müde – oder was von ihnen noch übrig ist.
Sieben abgefrorene Zehen
Messner hat viel an den Berg verloren. Sieben abgefrorene Zehen mussten ihm 1970 nach der Besteigung des Nanga Parbat (8125 Meter) teilamputiert werden, dazu drei Fingerkuppen der rechten Hand. Schwerer wog der Verlust seines Bruders Günther, der bei der Expedition unter nie ganz geklärten Umständen ums Leben kam. Messner und die übrigen Expeditionsteilnehmer beschuldigten sich später gegenseitig, für den Tod des damals 23-Jährigen mitverantwortlich zu sein, dessen sterbliche Überreste 2005 auf der Diamirseite des Berges gefunden wurden. Seit Juli dreht Messner zusammen mit dem Regisseur Joseph Vilsmaier (Herbstmilch, Stalingrad) einen Spielfilm über die Expedition, der im Januar 2010 unter dem Titel "Nanga Parbat" in die Kinos kommen soll.
Die größte öffentliche Aufmerksamkeit erreichte der begabte Selbstvermarkter, der mehrere Dutzend Bücher und Filme über seine Abenteuer produzierte, am 8. Mai 1978, als er gemeinsam mit Peter Habeler ohne Atemgeräte den 8850 Meter hohen Gipfel des Mount Everest bei minus 40 Grad und Sturmböen mehr auf Knien als auf den Füßen erreichte – damals eine Revolution des Bergsteigens, mit der Messner einen regelrechten Run auf den Gipfel auslöste.
Mount Everest - inzwischen ein Rummelplatz
Seitdem ist der Mount Everest fast 4000-mal bestiegen worden, meist allerdings mit Sauerstoff. Bei all seinen extremen Expeditionen blieb Messner stets ein puristischer Fußgänger: keine Bohrhaken, kein Sauerstoff, kein Satellitentelefon. Das sei zwar ein Anachronismus, so Messner, aber gerade der bewahre der Wildnis ein unerschöpfliches Erfahrungspotential: "Ich will das Abenteuer so haben, wie es um die Jahrhundertwende war."
Weniger erfolgreich als auf den Gipfeln der Berge war Messner in den Niederungen der Politik. Von 1999 bis 2004 saß er als parteiloser Abgeordneter für die italienischen Grünen im Europa-Parlament. Dort wäre er anschließend gern als Kandidat der bayerischen Grünen geblieben, doch die taten sich mit Messners Alleingängen schwer; schließlich verzichtete Messner und wandte sich eigenen Projekten zu. Seine Messner Mountain Foundation kümmert sich um bedrohte Bergvölker, auf Burg Sigmundskron am Stadtrand von Bozen gründete er das Messner Mountain Museum, das inzwischen fünf Standorte hat.
Er sei insgesamt weniger durch seine Erfolge der geworden, der er heute sei, als vielmehr durch sein häufiges Scheitern, so Messner. Zuhörern seines Vortrags "Passion for Limits" eröffnete der 65-Jährige am Montagabend im niederrheinischen Goch unumwunden, für abenteuerliche Bergtouren sei er inzwischen zu alt. Am 31. Juli hatte Messner nach 25 Jahren seine Lebensgefährtin Sabine Stehle (46) geheiratet, mit der er drei gemeinsame Kinder hat. Für Messner zählte die Hochzeit als weiterer Gipfel: Sabine Stehle hatte seine Heiratsanträge jahrelang abgelehnt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







