SS-Runen auf die Stirn geschmiert: Mitschülerinnen quälten 13-Jährige monatelang
zuletzt aktualisiert: 01.10.2004 - 17:50Grimma (rpo). Im westsächsischen Muldentalkreis ist ein neuer Fall von Schülergewalt bekannt geworden. Zwei Schülerinnen im Alter von 14 und 15 Jahren haben in Bennewitz ein 13-jähriges Mädchen monatelang grausam gequält und gedemütigt.
Wie der Leiter der Polizeidirektion Grimma, Bernd Merbitz, am Freitag vor Journalisten berichtete, wurde das Opfer immer wieder geschlagen. Zuletzt wurde es von den beiden verprügelt. Sie schmierten ihm SS-Runen auf die Stirn und schrieben ihm die Worte "Bin eine Verräterin" ins Gesicht.
Der Bürgermeister von Bennewitz, Werner Moser (PDS), zeigte sich erschüttert von den Ereignissen an der Mittelschule seines Ortes. Die Mutter des Mädchens habe sich ihm Anfang September anvertraut, berichtete er. Dabei sei deutlich geworden, dass der letzte Übergriff nur das Ende einer Spirale von Gewalt und Demütigungen gewesen sei, die im Dezember 2003 in Gang kam.
Laut Moser hatten die beiden älteren Mädchen die 13-Jährige immer wieder geschlagen und mit Zigaretten Löcher in ihre Kleidung gebrannt. Einmal sei dem Kind das Fahrrad entrissen und in einen Bach geworfen worden. Der Sprecher des Regionalschulamtes Leipzig, Roman Schulz, sagte, die Schule habe zunächst versucht, das Problem selbst zu lösen. Es habe zahlreiche Gespräche und Ermahnungen gegeben, jedoch sei es nicht gelungen, die Gewaltspirale zu stoppen. Inzwischen seien die beiden vom Schulbesuch ausgeschlossen.
Merbitz, der frühere Chef der sächsischen Sonderkommission Rechtsextremismus (Soko Rex), äußerte, es habe ihn fassungslos gemacht, dass solche Dinge bereits unter so jungen Menschen passierten. "Selbst wenn die beiden Mädchen noch nicht wirklich dem rechten Spektrum angehören sollten, so zeigt das, was sie äußerten, dass sie auf dem besten Wege dorthin sind."
"Brauner Virus"
Den rechtsextremistischen Hintergrund bewertete er auch im Zusammenhang mit dem Erfolg der NPD bei der Landtagswahl in Sachsen. Er warnte vor einem "braunen Virus", der sich in den Köpfen breit mache, und sagte: "Wir alle müssen uns fragen, was wir dagegen tun." Es gehe im konkreten Fall nicht allein darum, die Straftaten aufzuklären, sondern auch die gesamte Vorgeschichte zu erhellen. "Da werden sich auch einige Eltern und Lehrer Fragen gefallen lassen müssen", sagte Merbitz.
Schulz erklärte, das Regionalschulamt werde alles tun, um die Vorfälle aufzuklären. Dies sei auch für das Opfer wichtig. "Es wird hier keine Hilfe für das Mädchen geben, wenn nicht über die eigenen Fehler gesprochen wird."
Moser sagte, er werde darauf achten, dass das Regionalschulamt seinen Pflichten gegenüber der Schule nachkomme. Mit Blick auf Lehrer und Schulleitung äußerte er, er hätte erwartet, dass er von ihnen früher unterrichtet würde. Nun müsse sichergestellt sein, dass sich alle Lehrer des Problems annähmen. Die Gemeinde werde für die 13-Jährige eine Art Patenschaft übernehmen, damit sie einigermaßen wieder in ihrer Klasse integriert werden könne. "Sie wollte ja schon gar nicht mehr in die Schule gehen", sagte der Bürgermeister.
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