Reaktion auf Medienbericht: Müntefering verurteilt angebliche Beschattung
zuletzt aktualisiert: 25.02.2010 - 21:36Berlin (RPO). Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat die angebliche Beschattung seiner Person im Auftrag der Zeitschrift "Bunte" scharf verurteilt. Er sei gespannt, wann die Verantwortlichen der "Bunten" sich ihm und anderen Betroffenen gegenüber erklärten oder ob sie "die abgewandten Methoden für normal und gerechtfertigt halten", erklärte der Politiker in einem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Schreiben.
Er sei "neugierig, ob es in der Medienwelt unseres Landes einen Ehrenkodex gibt, der zu einer öffentlich nachvollziehbaren Behandlung des Vorgangs und vielleicht sogar zu Konsequenzen für zukünftiges Verhalten führt".
Die "Bunte"-Chefredaktion erwiderte, sich "selbstverständlich an den Ehrenkodex des Deutschen Presserats" zu halten.
Spitzenpolitiker wie Müntefering hätten Vorbildfunktion. Ihr Privatleben sei für die Öffentlichkeit von Bedeutung,"weil sie Leitfiguren unseres Wertesystems sind", heißt es in der Antwort der Zeischrift. Ihr privates Verhalten habe daher Auswirkungen auf die Moral der Gesellschaft und damit unter Umständen auch auf politische Entscheidungsprozesse.
Laut einem "Stern"-Artikel hat das Blatt über eine Recherchefirma das Privatleben von Spitzenpolitikern ausspionieren lassen. Betroffen seien neben Müntefering auch Linksparteichef Oskar Lafontaine und CSU-Chef Horst Seehofer. Bei der Beschattung habe die beauftragte Berliner Firma CMK unlautere Recherchemethoden angewandt.
Der Bunte Entertainment Verlag bereitet nach den Vorwürfen eine Unterlassungsklage vor. Der Unternehmenssprecher der Bunte-Konzernmutter Hubert Burda Media, Nikolaus von der Decken, sagte am Donnerstag in München, der Verlag werde möglicherweise auch eine Klage auf Schadenersatz einreichen. Das sei aber noch offen. Die Zeitschrift hatte sich bereits am Mittwoch massiv gegen die Anschuldigung gewehrt, den "Versuch der Verleumdung eines erfolgreichen Mitbewerbers" moniert und juristische Schritte angekündigt. "Wir sehen das gelassen", hatte "Stern"-Chefredakteur Thomas Osterkorn gesagt. Es gebe nichts zu korrigieren, die Geschichte sei sauber recherchiert.
Der Sprecher der Linke-Fraktion, Hendrik Thalheim, sagte, diese Praktiken kommentierten sich von selbst. "Ein Verlag, der sich ihrer bedient, hat mit seriösem Journalismus nichts zu tun." Lafontaine ließ aber laut der Zeitung "Die Welt" mitteilen, er wolle nicht klagen.
Seehofer sagte am Donnerstag, er müsse sich zunächst informieren, "was da stattgefunden hat" und "checken, was der Anlass ist". Danach werde man sehen, ob es etwas zu veranlassen gebe oder nicht. "Sie alle wissen, dass ich meinen eigenen Erfahrungshorizont habe", fügte der CSU-Chef hinzu. Die Justiziarin der SPD-Fraktion und Ex-Bundesjustizministerin, Brigitte Zypries, hatte bereits am Mittwoch mitgeteilt: "Wenn die ,Bunte' Privatdetektive mit der Beschattung des Privatlebens von Politikern beauftragt, ist das schlicht rechtswidrig."
Die CMK distanzierte sich unterdessen "von unlauteren oder sogar widerrechtlichen Arbeitsmethoden". "Wir fühlen uns den presse- und standesrechtlichen – ethischen und rechtlichen – Grundsätzen voll und ganz verpflichtet", sagte Stefan Kiessling von der CMK Images Presseagentur GmbH.
Die in dem Artikel unterstellten und von zwei ehemaligen freischaffenden Mitarbeitern offensichtlich selber durchgeführten, äußerst fragwürdigen Recherchemethoden missbillige die Agentur ausdrücklich. Die Firma habe die Zusammenarbeit mit den beiden im April 2009 von sich aus aufgekündigt. Man habe festgestellt, "dass die Arbeitsmethoden der beiden Freischaffenden mit den professionellen Grundsätzen der CMK Images nicht vereinbar waren".
Der "Stern" berief sich auf interne Unterlagen der CMK sowie auf Aussagen ehemaliger Mitarbeiter der Firma. Im Fall Müntefering observierten CMK-Leute dem Bericht zufolge Ende 2008 über Monate dessen damaligen Berliner Wohnsitz, um Details über die Beziehung zu Michelle Schumann in Erfahrung zu bringen, mit der Müntefering inzwischen verheiratet ist. Auch Schumanns Briefkasten sei präpariert worden.
Nach Angaben der Hubert Burda Media hat die "Bunte" in den drei vom "Stern" genannten Fällen die Agentur um "eine journalistische Fotorecherche" gebeten. Über "unseriöse Recherchemethoden" sei der Zeitschrift nichts bekannt.
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