Paris Hilton in Wien angereist: Opernball: Geldadel statt feiner Gesellschaft
VON JÖRG ISRINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 15.02.2007 - 13:39Wien (RP). Paris Hilton tanzt heute beim Wiener Opernball. Ihren Auftritt sehen Kritiker als Indiz dafür, dass es der Gala an Glamour mangelt. Noch vor dem Eröffnungswalzer am heutigen Abend gerät der Ball ins Straucheln. Während ein Zeremonienmeister peinlich genau auf die Kleider-Etikette der Debütanten achtet, bröckelt der Lack am österreichischen Gala-Exporthit. Hintergrund: der angebliche Niveauverfall auf der Gästeliste.
Vor allem alteingesessene Vortänzer bemängeln, dass der Geldadel die feine Gesellschaft verdrängt. „Falls das so weitergeht, haben wir nur noch die russische Mafia auf den Rängen sitzen“, zitiert eine Zeitung Lotte Tobisch-Labortyn, Ex-Organisatorin des Balls. Auch in den Logen tummeln sich statt Weltstars längst Provinz-Sternchen: Für den Promi-Faktor sorgt diesmal Paris Hilton. Ausgerechnet.
So wetterte Staatsoperndirektor Ioan Holender kürzlich heftig über Geldgeber, die den Geist des Balls verrieten. Gemeint ist vor allem Bauunternehmer Richard „Mörtel“ Lugner, der es seit Jahren geschickt versteht, illustre Gäste in seine Loge zu locken und dies so zu vermarkten, dass der Ball wie eine gigantische Lugner-Show wirkt. Der 75 Jahre alte Baumeister zählt zu den so genannten Donatoren, den Förderern der schönen Künste. Für 36.800 Euro erkaufen die sich, neben einigen anderen Privilegien, das Recht auf eine der 112 großen Logen.
Regulär kostet eine dieser Logen, in denen bis zwölf Personen Platz finden, 16.000 Euro – wer auf Nummer Sicher gehen will, zahlt mehr. Lugner drohte deshalb an, demnächst lieber daheim zu bleiben, Holender entgegnete, er könne auf ihn verzichten.
Ohne das Original Lugner aber fehlte dem Opernball wohl das gewisse Etwas. Als Tanzpartner aquirierte er stets große Namen, darunter Claudia Cardinale, Raquel Welch und Faye Dunaway. Das kostet. Paris Hilton etwa reist mit Familie, Manager und Bodyguards an. Kein Fall für die Portokasse. Und für Direktor Holender eine willkommene Vorlage. „Die einzigen, die beim Ball nicht gratis auftreten, sind das Pferd und Paris Hilton.“
Ach ja, das Pferd. Es zieht einen Fiaker mit Opernsängerin Anna Netrebeko in den Ballsaal, quasi als Appetitanreger wie die Frau aus der Torte. Auch das Pferd passt Holender nicht, er wittert Zirkusluft, Tierschützer befürchten Stresssymptome. Unklar ist noch, ob der Vierbeiner einen Auffangbeutel trägt oder Souvenirs verteilt. Die wiederum könnten die minutiös einstudierte Quadrille aus 180 Paaren ins Rutschen bringen – der Opernball bewegt sich auf glattem Parkett.
Paris Hilton aber fühlt sich erst dann richtig wohl, wie man weiß. Sie werde ein „Lollipop-Kleid“ tragen, verkündete Lugner. Was immer das heißen mag – viel Lollipop, wenig Kleid wahrscheinlich. Wer Hilton erleben will, muss tief in die Tasche greifen. Eine Karte für den Opernball kostet 215 Euro, ein Tischplatz 150 Euro extra. Dass sich Klasse nicht erkaufen lässt, hätte man wissen müssen. Holender hat trotzdem für nächstes Jahr höhere Logenpreise versprochen. Irgendeiner wird’s schon bezahlen.
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