Eklat bei ZDF-Debüt: Pilawa feiert Comeback mit Licht und Schatten
zuletzt aktualisiert: 15.10.2010 - 22:00Düsseldorf (RPO). Es war ein Comeback mit Licht und Schatten: Am Mittwoch kehrte Showmaster Jörg Pilawa nach zehnmonatiger Abstinenz zurück auf die Mattscheibe. Stattliche sechs Millionen Zuschauer schalteten bei seinem neuen Quizformat "Rette die Million" ein. Doch nach der Show kam es im Studio zu einem Eklat. Pilawas Strahlemann-Image kann das sicherlich nichts anhaben.
Es hätte alles so schon sein können. Jörg Pilawa hatte dem deutschen Fernsehen zehn Monate lang den Rücken gekehrt. Am Mittwochabend wollte er ein makelloses Comeback im "ZDF" hinlegen, was allerdings nur teilweise gelang. Am Mittwochabend schalteten durchschnittlich 6,06 Millionen Zuschauer ein, wie der Sender mitteilte. Das war ein Marktanteil von 19,8 Prozent.
Der Einstand war gelungen, auf dem für Quiz-Sendungen ungewohnten Sendeplatz hatte Pilawa gepunktet. Der 45-Jährige war gerade erst von der ARD zum Zweiten gewechselt. Ein neuer Start mit einer neuen Frisur, die Haare trägt Pilawa jetzt ein Stückchen länger.
Auch das Konzept der Quizshow war neu: Die Kandidaten müssen in Zweierteams in mehreren Fragerunden ihr Startkapital von einer Million Euro verteidigen, was in der ersten Show keiner schaffte. Die drei Teams gewannen 100.000 Euro, 75.000 Euro und 250.000 Euro. Das kleine Experiment war angesichts der Quoten gelungen, ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut zeigte sich erfreut über den "gelungenen Start".
Pilawa hat damit seinen Platz in der Showlandschaft nahtlos wieder eingenommen. Bereits seit 1994 arbeitet der Hamburger beim Fernsehen. Ab 1996 moderierte er u. a. bei "Sat.1" die Sportsendung "ran". Später folgte "Herzblatt" auf der "ARD" und "Das Quiz mit Jörg Pilawa". Zwischendurch war der Moderator, der zweimal das Studium abbrach, immer wieder Gastgeber größerer Abendsendungen.
Dabei hat Pilawa nicht nur Fans. Fernsehkritiker kritisieren ihn manchmal als langweilig und austauschbar. Das glatte Schwiegersohn-Image des TV-Strahlemanns spricht nicht jeden Zuschauer an. Auch privat scheint Pilawa ein Mann aus dem Bilderbuch zu sein: Mit seiner Frau hat er zwei Kinder, das Ehepaar engagiert sich für die Welthungerhilfe. Pilawa ist zudem Teilhaber eines Herrenausstatters und Geschäftsführer einer TV-Produktionsfirma. Doch seine Leidenschaft scheint vor der Kamera zu sein. Anfang des Jahres legte er eine Pause ein, am Mittwoch folgte das mit Spannung erwartete Comeback.
Pannen bei der Sendung
Doch in der Sendung bzw. danach lief nicht alles glatt. Panne eins ereignete sich bei der 200.000-Euro-Frage. Pilawa hatte nach der Bedeutung der Telefon-Kurzwahl 124 gefragt - der international einheitlichen Zentralnotrufnummer für Seenotfälle über Handy- oder Festnetz. Daraufhin blockierten hunderte neugierige Zuschauer bis zum frühen Morgen die Leitungen im deutschen Maritime Rescue Coordination Center (MRCC) in Bremen, wie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) am Donnerstag in der Hansestadt mitteilte.
Eine reibungslose Abwicklung von Notfällen sei während dieser Zeit nicht mehr gewährleistet gewesen. Es sei "nicht auszudenken", was passiert wäre, wenn sich in dieser Zeit ein Unfall auf See ereignet hätte, hieß es. Nach Angaben der DGzRS versprach das ZDF, aus Sicherheitsgründen künftig auf derartige Fragen zu verzichten. Schon während der Sendung hatte Pilawa die Zuschauer vergeblich dazu aufgerufen, von Anrufen unter der gesuchten Nummer abzusehen.
Panne zwei war das "Nachspiel" der aufgezeichneten Sendung, die Pilawa zudem um rund 45 Minuten überzog. Die etwa 350 Besucher mussten sieben lange Stunden im Studio ausharren. "Wir bekamen nicht ein Wasser zu trinken, wir durften nicht zur Toilette gehen", erklärte eine Besucherin der "WAZ-Mediengruppe". "Das ist Freiheitsberaubung", habe das Publikum lautstark gerufen. Selbst als die Show abgedreht war, die letzten Kandidaten mit ihren 200.000 Euro die Bühne verlassen hatten, durften die Zuschauer noch lange nicht nach Hause. "Sie haben Bodyguards an den Ausgängen postiert und zunächst die in der Show ausgesetzte Million Euro gezählt".
Zuschauer festgehalten
Endemol habe das Prozedere der Versicherung zugesagt, erklärten ZDF-Pressesprecher Peter Gruhne und eine Endemol-Sprecherin unisono. "Auf Grund des hohen Sicherheitsstandards und der vielfältigen Sicherheitsauflagen, deren Einhaltung wir als Produzent dem Versicherungsunternehmen angesichts eines siebenstelligen Bargeldbetrags garantieren müssen, ist es für die Studio-Zuschauer bei der Premiere von "Rette die Million!" zu langen Wartezeiten gekommen", erläuterte eine Endemol-Sprecherin.
Die Million Euro, die die Kandidaten in den langwierigen Runden hin- und herschleppen mussten, wurden von einer Münchener Firma versichert. Die Unannehmlichkeiten seien der Premiere geschuldet, erklärte ZDF-Pressesprecher Gruhne.
Eine Entschuldigung kam am Donnerstagabend doch noch. Von Jörg Pilawa: "Es tut mir extrem leid", erklärte der Moderator. "Wir werden die Abläufe komplett neu gestalten. So etwas wird nie wieder passieren." Auch das ZDF bat "um Nachsicht". Die nächste Ausgabe von "Rette die Million!" wird am 10. November ausgestrahlt. Danach soll es in diesem Jahr noch eine Folge im Dezember geben – mit Jörg Pilawa als Gastgeber.
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