Benefizkonzert: Queen setzt Zeichen der Versöhnung
zuletzt aktualisiert: 04.11.2004 - 07:12Berlin/Düsseldorf (rpo). Mit einem Benefizkonzert eines britischen Orchesters hat Königin Elizabeth II. am gestrigen Abend in der Berliner Philharmonie ein Zeichen der Versöhnung gesetzt. Geladen waren rund 2.000 Gäste. Ihre Spenden sollen der Dresdner Frauenkirche zu Gute kommen, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs im britischen Bombenhagel zerstört worden war. Heute reist die Queen zum Abschluss ihres dreitägigen Staatsbesuchs nach Düsseldorf weiter.
Zusammen mit ihrem Mann Prinz Philip wird die Queen gegen Mittag aus Berlin kommend auf dem Düsseldorfer Flughafen landen und dort von Ministerpräsident Steinbrück und seiner Frau Gertrud empfangen. Es ist der erste Besuch der Queen in Nordrhein-Westfalen seit 1965 und ihr insgesamt vierter Staatsbesuch in Deutschland.
Stationen des rund fünfstündigen Aufenthalts in der Landeshauptstadt sind der Landtag, das Ständehaus und die Düsseldorfer Universitätsklinik. Im Landtag wird sich das Königspaar zwei Ausstellungen über die historischen Verbindungen zwischen Nordrhein-Westfalen und Großbritannien sowie über britische Investoren in dem Bundesland anschauen. Im Plenarsaal wird die Queen dann eine kurze Rede halten. Die Abreise nach London ist für den späten Nachmittag geplant.
Versöhnung
Bei dem gestrigen Benefizkonzert spielte das Kammerorchester Northern Sinfonia unter Leitung von Thomas Zehetmair. Auf dem Programm standen Werke von Benjamin Britten, Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven. Die Königin war mit ihrem Gemahl Prinz Philip erschienen, Bundespräsident Horst Köhler nahm zusammen mit seiner Frau Eva teil. Unter den Gästen waren auch mehrere Bundesminister sowie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.
Bei einem Aufenthalt in Potsdam betonte die 78-jährige Monarchin am Mittwoch die Notwendigkeit weiterer Reformen in Deutschland und Großbritannien. "Unsere beiden Länder stehen vor der Notwendigkeit, den Prozess der Wirtschaftsreform fortzuführen, was nie einfach ist", sagte sie in ihrer Tischrede im Schloss Cecilienhof, wo Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck zum Mittagessen geladen hatte.
Darüber hinaus lobte sie die Aufbauleistung der neuen Bundesländer. Zugleich erklärte sie aber, dass es immer noch Herausforderungen gebe. Nach ihrem ersten Besuch in Potsdam 1992 wolle sie den Menschen jetzt Anerkennung für das Erreichte aussprechen. "Mehrparteiendemokratie und Rechtsstaatlichkeit sind wieder fest verankert, ebenso die freie Marktwirtschaft."
Die Tischrede war der zweite Höhepunkt des vierten Staatsbesuchs in Deutschland, den die Königin und Prinz Philip am Dienstag begonnen hatten. Bei einem Staatsbankett im Berliner Zeughaus bescheinigte die Monarchin Deutschland und Großbritannien noch am Dienstagabend eine "reife und dauerhafte Freundschaft".
Eröffnung einer Klimaschutzkonferenz
Am Mittwochmorgen eröffnete die Königin eine Klimaschutzkonferenz in der britischen Botschaft in Berlin. Diese soll Empfehlungen für Premierminister Tony Blair ausarbeiten, der den Klimawandel zum Hauptthema des britischen G-8-Vorsitzes nächstes Jahr machen will. Danach besuchte die Monarchin die Berliner Museumsinsel, wo sie von Wowereit empfangen wurde.
Wowereit äußerte sich vorher verwundert über die Debatte, ob sich die Queen für die britischen Bombenangriffe auf deutsche Städte entschuldigen müsse. Das Verhältnis beider Staaten sei hervorragend, betonte Wowereit im ZDF.
Am Dienstag hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder die von britischen Boulevardmedien losgetretene Diskussion als "absurd" bezeichnet. Die Königin ging in ihren Reden nicht darauf ein. Im Zeughaus rief sie beide Seiten dazu auf, über Klischees hinauszublicken: "Stereotypen verblühen, wenn menschliche Kontakte aufblühen."
Am Mittag fuhren die Queen und ihr Gemahl mit dem Panoramazug der Berliner S-Bahn nach Potsdam. Vor Schloss Cecilienhof wurden sie - wie schon in Berlin - von mehreren hundert Schaulustigen begeistert empfangen. Die Queen, die einen königsblauen Mantel und einen passenden Hut trug, gab sich aber sehr zurückhaltend. Fans, die auf einen Händedruck gehofft hatten, reagierten enttäuscht.
Auf dem Krongut Bornstedt traf Elizabeth II. am Nachmittag Mitarbeiter des Triebwerksherstellers Rolls-Royce. Danach besuchte sie den britischen Militärfriedhof Stahnsdorf.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







