Zu viel Reklame in Bücher-Show: Reich-Ranicki attackiert Heidenreich
zuletzt aktualisiert: 19.11.2008 - 18:57Frankfurt/Main (RPO). Nachdem sich die Wogen im Streit um das Niveau im deutschen Fernsehen etwas geglättet haben, legt Marcel Reich-Ranicki jetzt nach. Ausgerechnet der ehemaligen ZDF-Bücher-Lady Elke Heidenreich macht Reich-Ranicki schwere Vorwürfe.
"Die Methode der Elke Heidenreich gefällt zwar vielen Zuschauern, aber ich kann es nicht ertragen, wenn jemand sagt: Kauft dieses Buch! Nicht morgen, besser heute noch!", wird Reich-Ranicki im Politikmagazin "Cicero" zitiert. Heidenreich hatte bis vor kurzem die Sendung "Lesen!" für den Mainzer Sender moderiert.
Diese Reklame für Bücher erscheine ihm etwas billig, sagte der 88-Jährige. "Das, was wir damals im 'Literarischen Quartett' gemacht haben, fand auf einem anderen intellektuellen Niveau statt als die Heidenreich-Sendung", die "halt eine Sendung für Frauen" gewesen sei.
Heidenreich hatte Reich-Ranickis Partei ergriffen, als dieser den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk abgelehnt hatte. Dabei hatte sie auch das ZDF angegriffen und war daraufhin entlassen worden.
Reich-Ranicki bekräftigte im "Cicero" seine grundsätzliche TV-Kritik: "Die Intellektuellen werden vom Fernsehen ignoriert, bagatellisiert, vernachlässigt, deshalb ist das Programm so schlecht."
Auch die Fernsehkritik befinde sich auf unterstem Niveau, da sie kein rechtes Echo habe. Das habe dazu geführt, "dass die Fernsehkritik immer häufiger von Hospitanten und Volontären verfasst wird", sagte er den Angaben zufolge.
Er rief Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich einzuschalten. Die "außerordentlich kluge Politikerin" Merkel habe zwar Sorgen genug: "Aber es wäre gut, wenn sie sich auch über das Fernsehen äußern würde", wird Reich-Ranicki zitiert.
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