Haftbefehl von 1978 vollstreckt: Roman Polanski in der Schweiz festgenommen
zuletzt aktualisiert: 27.09.2009 - 17:40Zürich (RPO). Statt auf dem roten Teppich ist Star-Regisseur Roman Polanski auf dem Weg zum 5. Zürcher Filmfestival in einer Gefängniszelle gelandet. Der 76-Jährige wurde am Samstag im Flughafen Zürich-Kloten überraschend aufgrund eines mehr als 30 Jahre alten US-Haftbefehls festgenommen und in Auslieferungshaft gesetzt. Ihm wurde damals die Vergewaltigung einer 13-Jährigen vorgeworfen.
Der 76-Jährige werde nicht vor Abschluss des Auslieferungsverfahrens in die USA geschickt, teilte das Schweizer Justizministerium am Sonntag weiter mit. Polanski, der die französische Staatsangehörigkeit besitzt, kann gegen seine Verhaftung und eine mögliche Auslieferungsentscheidung gerichtlich vorgehen.
Nach Angaben des Justizministeriums fahnden die USA seit Ende 2005 weltweit nach Polanski. Die Frage, weshalb Polanski erst jetzt verhaftet wurde, ließ Ministeriumssprecher Guido Balmer offen. Medienberichten zufolge war Polanski seit 1978 immer wieder in der Schweiz, so soll er häufiger in Gstaad zum Skifahren gewesen sein.
Der französische Kulturminister Frederic Mitterrand reagierte empört auf die Festnahme. Er sei "wie vom Donner gerührt", sagte Mitterrand. Er bedauere es sehr, dass "jemandem eine neue Prüfung auferlegt wird, der schon so viele davon hat tragen müssen." Er stehe mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy in Kontakt, erklärte der Minister. Gemeinsam hoffe man, dass die "Situation schnell bereinigt werden kann". Der Verband der Schweizer Filmer und Filmerinnen protestierte scharf gegen die Festnahme und sprach von einer Justizposse.
Im Februar 1978 war Polanski, der seit 1975 französischer Staatsbürger ist, aus den USA geflohen. Dort war ein Prozess gegen ihn anhängig, nachdem er 1977 den sexuellen Missbrauch eines 13-jährigen Mädchens gestanden hatte. Polanski flüchtete, nachdem der Richter ihn mit einer höheren Gefängnisstrafe bedroht hatte als vereinbart.
Ein US-Richter hatte im vergangenen Mai den Antrag Polanskis abgewiesen, den Missbrauchsprozess einzustellen. Der Richter begründete dies damit, dass Polanski nicht selbst in die USA gereist war, um sein Anliegen vorzutragen. Polanski hätte bei der Einreise in die USA die Festnahme riskiert.
"Oscar" für Holocaust-Drama
Seit 1978 lebte Polanski unbehelligt in Frankreich und reiste nie mehr in die USA - auch nicht im Jahr 2003, als er mit dem Oscar für die beste Regie im Holocaust-Drama "Der Pianist" ausgezeichnet wurde. Vor dem Großerfolg mit "Der Pianist" hatte Polanski bereits andere bekannte Kinofilme gedreht, so etwa "Ekel" (1965 mit der noch jungen Catherine Deneuve), "Tanz der Vampire" (1967), "Rosemary's Baby" (1968) bis hin zu "Chinatown" (1974) und "Frantic" (1988).
1933 als Sohn jüdischer Eltern in Paris geboren, zog er mit diesen 1936 ins polnische Krakau. Die Mutter verlor Polanski in Auschwitz, er überlebte im Versteck bei Kleinbauern. Ausgebildet wurde Polanski an der Filmhochschule in Lodz. Schon sein 1961 noch in Polen produziertes Kinodebüt "Das Messer im Wasser" war eine Sensation und ebnete ihm den Weg in den Westen.
Zunächst arbeitete der Regisseur in England, dann in Hollywood. Sharon Tate, Hauptdarstellerin der Horror-Komödie "Tanz der Vampire", wurde 1968 dort Polanskis zweite Frau. Hochschwanger wurde Tate im folgenden Jahr von Anhängern des Sektenführers Charles Manson ermordet.
Polanski hätte am Sonntagabend am fünften Zürcher Filmfestival das "Goldene Auge" für sein Regie-Lebenswerk erhalten sollen. Die Festivalleitung verschob die Preisverleihung bis auf weiteres, beschloss aber gleichzeitig, die angesetzte Retrospektive mit ausgewählten Polanski-Werken am Sonntagabend programmgemäß aufzuführen.
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