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Entertainer starb im Alter von 71 Jahren: Rudi Carrell ist "friedlich eingeschlafen"

zuletzt aktualisiert: 10.07.2006 - 13:47

Bremen (rpo). Rudi Carrell ist tot. Der Entertainer starb am Freitag im Alter von 71 Jahren. Carrell war Kettenraucher, Anfang 2005 war Lungenkrebs bei ihm festgestellt worden. Carrells Schwiegersohn Dieter Klar sagte, der Entertainer sei "friedlich eingeschlafen".

Von seinen Zuschauern hatte sich Rudi Carrell auf die ihm eigene Art verabschiedet: offen, gelassen, mit Humor und Selbstironie - selbst als er von seiner schweren Krankheit sprach. "Es war eine Ehre, in diesem Land und vor diesem Publikum Fernsehen machen zu dürfen", sagte Rudi Carrell, als er im Februar die Goldene Kamera für sein Lebenswerk entgegennahm.

Mit seinen Worten, die er mit angeschlagener Stimme sprach, rührte er Millionen Menschen. Im Alter von 71 ist der große Showmaster am Freitag seinem schweren Lungenkrebsleiden erlegen. Ein Teil der Familie sei bei ihm im Krankenhaus gewesen. Die Trauerfeier hat bereits im  kleinen Kreis in Syke bei Bremen und dann im Haus Carrells im Syker Ortsteil Wachendorf stattgefunden. Nur Kinder, Enkelkinder, Verwandte aus Holland und enge Freunde kamen, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.

"Ich habe so ein tolles Leben gehabt"

Auf seinen letzten großen TV-Auftritt im Februar hatte er sich genau vorbereitet: "Ich dachte mir: Mach es witzig. Mach es so, wie du bist, wie sie dich kennen. Mein Publikum soll mich nicht als Sterbenden in Erinnerung behalten", betonte er im März im Interview mit dem Magazin der "Süddeutschen Zeitung". Mit seinem Tod hatte er sich zu diesem Zeitpunkt bereits abgefunden: "Ich muss dankbar sein. Ich habe so ein tolles Leben gehabt", sagte er.

Seine Lungenkrebsdiagnose Anfang des Jahres 2005 hatte Kettenraucher Carrell mit Fassung getragen. In Interviews bereitete er seine Fans auf seinen Tod vor: "Ich werde noch lange als Wiederholung weiterleben." Der Holländer und Wahl-Deutsche sprach rührendende Dankesworte: "Deutschland hat mir zehn Mal mehr gegeben, als ich mir je erhofft habe. Ich verdanke diesem wunderbaren Land mein Leben."

Jahrzehntelang zählte Carrell zu den erfolgreichsten Entertainern im deutschen Showgeschäft. Er fesselte die ganze Familie am Samstagabend vor dem Bildschirm. Sendungen wie "Am laufenden Band", "Rudis Tagesshow" oder "Die Rudi-Carrell-Show" schrieben Fernsehgeschichte. Sein unverwechselbarer Akzent wurde Generationen vertraut.

Das Talent war ihm in die Wiege gelegt. Sowohl Vater als auch Großvater waren im Showgeschäft tätig. Rudolf Wijbrand Kesselaar, wie Carrell mit bürgerlichem Namen hieß, kam am 19. Dezember 1934 im niederländischen Alkmaar zur Welt. Schon mit 18 Jahren tingelte er von Bühne zu Bühne, arbeitete als Entertainer, Zauberkünstler oder Bauchredner.

1959 machte ihn ein Fernsehauftritt über Nacht berühmt, und er bekam seine erste eigene Sendung im niederländischen TV. Als er 1964 die Goldene Rose von Montreux gewann, wurde auch das deutsche Fernsehen auf das große Talent des ebenso frechen wie charmanten Niederländers aufmerksam. Seinen Wechsel ins Nachbarland hat Carrell nie bereut, im Gegenteil: "Deutschland hat mir zehnmal mehr gegeben, als ich mir je erhofft habe", sagte er.

Gutes Gespür für gute Shows

Zu Carrells Erfolgsgeheimnissen zählte vor allem sein gutes Gespür dafür, welche Shows beim Publikum gut ankamen. Aufmerksam beobachtete er, was in anderen Ländern im Bereich Entertainment angesagt war. Er entwickelte Spiele und Formate, die das deutsche Publikum bis dahin nicht gesehen hatte - ab 1975 auch das Familien-Quiz "Am laufenden Band", das Einschaltquoten von bis zu 65 Prozent erreichte.

So gelassen und locker der Niederländer mit dem Sunnyboy-Image vor die Kamera trat, so diszipliniert und perfektionistisch bereitete er seine Shows vor: "Ich habe im Akkord gearbeitet. Bevor ich keinen Gag hatte, kein gutes Spiel, habe ich nicht gegessen", erinnerte er sich. Mehr als 50 Jahre rauchte Carrell dafür zwei bis drei Päckchen Zigaretten am Tag. Die Diagnose Lungenkrebs sei für ihn nicht überraschend gekommen, räumte er ein.

Nicht nur als Showmaster war Carrell in den 70ern aktiv, er trat auch als Schauspieler auf, meist in Klamotten wie "Tante Trude aus Buxtehude", und er landete als Sänger Hits wie "Wann wird's mal wieder richtig Sommer". Im Showbusiness müsse man "alles können", war er überzeugt. "Klamotte machen, Drama, singen, tanzen, schreiben, zaubern - alles." Mit Kritik an Kollegen und dem TV-Geschäft der jüngeren Zeit war er nicht zimperlich. "Ich sage einfach, was ich denke", kommentierte er.

1987 sorgte Carrell mit einem Sketch in seiner Satire-Sendung "Rudis Tagesshow" für diplomatische Verwicklungen auf höchster Ebene, als er Ayatollah Khomeini mittels Montage mit Büstenhaltern bewerfen ließ. Die iranische Regierung schloss das Goethe-Institut in Teheran, wies zwei deutsche Diplomaten aus, Carrell entschuldigte sich.

Riesen-Erfolg mit "Herzblatt"

Im selben Jahr startete er mit großem Erfolg die ARD-Flirtshow "Herzblatt" und verkuppelte seine Kandidaten sechs Jahre lang. Ab 1988 erfüllte er ihnen unter dem Motto "Lass dich überraschen" in der neuen "Rudi Carrell Show" ihre Herzenswünsche. Am meisten Spaß machte Carrell nach eigenen Worten allerdings seine letzte Show, das RTL-Format "7 Tage - 7 Köpfe", in dem er von 1996 bis 2002 vor der Kamera saß und später dahinter die Fäden zog. Selten habe er so viel gelacht und so entspannt arbeiten können, sagte er.

Mit seiner dritten Frau Simone lebte der Vater der erwachsenen Kinder Annemieke, Carolin und Alexander auf einem Gutshof im kleinen Ort Wachendorf bei Bremen. Dort arbeitete er zuletzt noch an seiner Biografie, und dort hat die Familie schon am Sonntag in aller Stille Abschied genommen. Eine öffentliche Trauerfeier wird es nicht geben. "Aus Angst vor den Jacob Sisters! Mit ihren komischen Pudeln zerstören die doch jede Atmosphäre", begründete Carrell seinen Wunsch - auf die ihm eigene Art.

Der Beisetzungstermin steht noch nicht fest. Man warte noch die Ankunft des Carrell-Sohns Alexander aus Australien ab. Die Beerdigung werde aber in jedem Fall nicht öffentlich sein, wie dies der Showmaster selbst gewünscht habe. "Er wollte es so unauffällig wie möglich", sagte Schwiegersohn Klar.  "Wir wussten seit eineinhalb Jahren von der Krankheit, und wir waren auf den Abschied vorbereitet."

Quelle: ap

 
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