Showmaster Rudi Carrell ist tot. Er starb am 7. Juli im Alter von 71 Jahren in einer Bremener Klinik. Carrell erlag einem Lungenkrebsleiden.
Carrell war fast 40 Jahre lang eine feste Größe im deutschen Fernsehen. Angefangen 1964 mit der deutschen Ausgabe seiner schon in den Niederlanden erfolgreichen "Rudi Carrell Show" gewinnt der Entertainer mit "Am laufenden Band" ab Mitte der 70er Jahre eine riesige Fangemeinde. Ende 2002 verkündete er seinen Rückzug aus dem Showgeschäft. 2006 bekam er die "Goldene Kamera".
Carrell wird am 19. Dezember 1934 in der niederländischen Stadt Alkmaar geboren. 1951 springt er als 17-Jähriger bei einem Gastspiel für seinen Vater ein und bleibt dann dem Showgeschäft als Entertainer, Zauberkünstler und Bauchredner treu.
Bereits acht Jahre später, 1959, wird im niederländischen Fernsehen die "Rudi-Carrell-Show" geboren. 1964 wird das deutsche Fernsehen auf ihn aufmerksam.
Ab 1965 schrieb er in Deutschland Fernsehgeschichte mit Shows wie "Am laufenden Band", "Rudis Tagesshow", "Rudi Carrell Show" und zuletzt "7 Tage, 7 Köpfe". Für seine Arbeit erhielt Rudi Carrell zahlreiche Auszeichnungen, darunter drei Mal die Goldene Kamera, vier Mal den Bambi sowie das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.
Auf über ein Dutzend Fernsehshows brachte er es - und produzierte keine Flops. Ob "Die Rudi Carrell Show", "Die Verflixte 7" oder "Lass dich überraschen" - immer wieder folgte ein Millionenpublikum dem Moderator. Seine Kuppelshow "Herzblatt" lief fast 20 Jahre lang, zuletzt mit dem siebten Moderator. Und "Rudis Tagesshow" wird immer wieder als Wiederholung in den dritten Programmen gezeigt.
Carrell war ein Multitalent, arbeitete als Produzent, Moderator, Sänger und Schauspieler. Er spielte Anfang der 70er Jahre in Streifen wie "Tante Trude aus Buxtehude" und "Wenn die tollen Tanten kommen".
Als Sänger gelang Carrell dagegen 1976 mit "Wann wird's mal wieder richtig Sommer?" sogar ein Evergreen, ebenfalls ein Klassiker wurde "Goethe war gut".
Februar 2001: Blitzhochzeit mit der 30-jährigen Simone Felischak. Sie war Carrells dritte Frau. Der Showmaster war Vater von drei Kindern und Großvater von vier Enkelkindern. Mit seiner ersten Frau hatte er die Töchter Annemieke und Carolin bekommen.
1974 hatte er die Bremerin Anke Bobbert geheiratet. 1977 kam Sohn Alexander zur Welt. Zuvor hatte die Familie in Syke bei Bremen einen ehemaligen Gutshof bezogen.
Als Höhepunkt seiner Karriere nannte Carrell die Show "Am laufenden Band", in der er 1975 mit vier Kandidaten eine halbe Stunde gegen Muhammad Ali geboxt hatte. Ein Tiefpunkt sei der Tonausfall beim Auftritt von Heinz Rühmann gewesen, um den er sich lange als Gast bemüht habe.
Ende 2002 verkündete er seinen Rückzug aus dem Showgeschäft.
Während seiner Karriere galt der Entertainer als eher unnahbar und war bei seinen Kollegen wegen seiner Wutausbrüche teilweise sogar gefürchtet. Am Ende war er jedoch mit sich im Reinen und auch Weggefährten zollten ihm Respekt.
Auf die Frage, ob er Galgenhumor habe, hatte er einmal gesagt: "Natürlich! Ich bleibe Profi - bis zum Schluss." Sein Gemütszustand sei sehr gelassen. In Erinnerung bleiben möchte er "als ein Mann, der sie (die Zuschauer) gut unterhalten hat". Das wird wohl gelingen; wurde er doch schon zu Lebzeiten vielfach gewürdigt. Hier nimmt Carrell beispielsweise im September 2003 den Ehrenpreis des "Deutschen Fernsehpreises" entgegen.
Im Frühjahr 2005 war bei Kettenraucher Carrell Lungenkrebs diagnostiziert worden. Seitdem lebte er zurückgezogen auf seinem Gutshof in Syke bei Bremen.
Carrell hatte es mit Fassung getragen und über den nahenden Tod gesprochen: "Ich werde noch lange als Wiederholung weiterleben" und verabschiedete sich mit rührenden Dankesworten: "Deutschland hat mir zehn Mal mehr gegeben, als ich mir je erhofft habe", sagte er. "Ich verdanke diesem wunderbaren Land mein Leben."
2. Februar 2006: Rudi Carrell erhält die Goldene Kamera für sein Lebenswerk. Bei seinem letzten großen Auftritt hatte Carrell die Zuschauer zu Tränen gerührt: "Es war eine Ehre, in diesem Land und vor diesem Publikum Fernsehen machen zu dürfen", sagte der bereits stark abgemagerte 71-Jährige mit heiserer Stimme, als er die Goldene Kamera der Zeitschrift "Hörzu" in Empfang nahm.
Die Trauerfeier für den Showmaster hat bereits im engsten Familienkreis stattfunden. Im Mai 2006 hatte Carrell in einem seiner letzten Interviews gesagt, er werde sich einäschern lassen, und dann sollten seine Kinder irgendwo einen Grabstein hinsetzen. Er überlege noch, ob seine Urne in einem gemeinsamen Grab mit seiner zweiten Frau Anke bestattet werden sollte.