Nach dem Tod des beliebten Showmasters: Rudi Carrells Abschiedsbrief
zuletzt aktualisiert: 13.07.2006 - 15:35Düsseldorf (rpo). Rudi Carrell hatte es immer gewusst: Das konnte nicht gut gehen. Genau so schreibt er es in seinem Abschiedsbrief. Bis zu sechzig Zigaretten hatte der beliebte Showmaster am Tag geraucht, vor Auftritten oft Tage lang nicht gegessen. Am vergangenen Freitag starb der Entertainer an Krebs. Wir dokumentieren Auszüge aus seinem Abschiedsbrief.
Der Text stammt aus dem Buch "Ich wollte mein Leben zurück" von Bärbel Schäfer und Monika Schuck, das im September erscheint. In dem Buch zieht Carrell die Bilanz seines Lebens und erzählt, wie er mit der Krebsdiagnose umging. Der "Stern" veröffentlichte einen Vorabdruck.
Die Diagnose an sich, Anfang 2005, sei für ihn kein Schock gewesen. "Ich wusste immer, das kann nicht gut gehen. Er habe sich gedacht: "Das hast du verdient, du hast immer zuviel geraucht, zuviel gearbeitet." Schlimmer sei für ihn gewesen, dass man ihn nicht mehr operieren konnte.
Dennoch nahm Carrell die Chemotherapie so locker wie möglich. "Ich war ein lustiger Patient, immer optimistisch, habe Witze gemacht und viel gelacht." Das sei für das Klinikpersonal zunächst ungewöhnlich gewesen. "Das kommt wohl nicht so häufig vor", schrieb Carrell. Aber als Entertainer hatte er eben ein ganz besonderes Verhältnis zum Humor und zum Lachen: "Der Humor hilft mir, das war schon immer so." Hoffnung auf Heilung habe er aber nicht gehabt, schreibt er.
Gleich nach dem Krebsbefund hatte er mit seiner Familie gesprochen, so Carrell in seinem Brief: "Ich bin froh, dass meine Familie und ich über ein Jahr Zeit hatten, Abschied voneinander zu nehmen. Wir haben uns gemeinsam darauf vorbereitet. Das hilft sehr." Seine Frau Simone ist 34 Jahre jünger als er. Daher hätten sie sich beide früh darauf eingestellt, dass er wegen des großen Altersunterschiedes "früher gehen werde". Carrell: "Ich hoffe, dass ich meiner Familie genug hinterlassen habe."
"Will nicht öffentlich aufgebahrt werden"
Dafür, dass er keine öffentliche Beerdigung haben möchte, nennt Carrell in seinem Abschiedsbrief einen klaren Grund: "Ich möchte nicht aufgebahrt und von Heuchlern und Neugierigen angeschaut werden." Auch Mitleid sei für ihn ein Gräuel gewesen. Jedoch: "Als bekannt wurde, dass ich Krebs habe, war ich erstaunt, wie nett die Leute reagierten. Viele waren sehr betroffen, aber sie haben versucht, mir Mut zu machen. Das war klasse."
Wichtig war für ihn auch zu wissen, was er in seinem Leben erreicht hat, was er erreichen wollte: "Das empfinde ich als wahnsinniges Glück. Ich habe 45 Jahre Fernsehen gemacht. Bei der Samstagabendshow schaute mir ein ganzes Land zu. Das war schön. Das gibt es nie wieder." Er sei am Ende zum ersten Mal in seinem Leben Privatmann gewesen: "Das ist sehr entspannend, ich habe keinen Druck mehr, keine Pläne, keine Wünsche. Ich hatte so viel Glück im Leben."
Sein letzter Satz schließlich versöhnt seine Anhänger vielleicht ein wenig mit dem Tod des Entertainers: "Ich habe mein Leben gelebt", schrieb Carrell, "ich kann jetzt ohne Angst gehen."
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