Justus Frantz feiert seinen Geburtstag mit dem Orchester: Ruhelos von Konzert zu Konzert
zuletzt aktualisiert: 18.05.2004 - 06:31Hamburg (rpo). Justus Frantz kann wählen: zwischen einer schönen Wohnung in Hamburg oder einem noch schöneren Haus auf Gran Canaria. Aber wenn man ihn fragt, wo er zuhause ist, sagt er: "Ich bin dort zuhause, wo mein Orchester ist". Am Dienstag, 18. Mai, feiert der Dirigent seinen 60. Geburtstag.
Sein Orchester, die Philharmonie der Nationen, ist überall auf der Welt unterwegs, gab 1.000 Konzerte in den letzten Jahren. Zum Ehrentag des Dirigenten und Pianisten gibt die Philharmonie ein Konzert in Berlin.
Der weltweite Erfolg war Frantz nicht in die Wiege gelegt: Er wurde im heutigen Polen geboren und wuchs in Schleswig-Holstein auf, wohin seine Mutter mit ihm und vier Geschwistern geflohen war. Nach dem Abitur begann er Jura zu studieren. Er wandte sich bald unter dem Einfluss eines musikbegeisterten Onkels dem Klavier zu und wechselte an die Hamburger Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Mit 23 machte er als Preisträger beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD erstmals auf sich aufmerksam.
Durchbruch unter Karajan
Der Durchbruch gelang unter Stardirigent Herbert von Karajan, der Frantz 1970 in London verpflichtete. In New York debütierte Frantz im April 1975 mit sechs Konzerten der New Yorker Philharmoniker unter Leitung von Leonard Bernstein. Zusammen mit Christoph Eschenbach bildete er zeitweise eines der berühmtesten deutschen Klavier-Duos.
Ein besonderer Erfolg wurde eine 1981 aufgenommene Schallplatte mit Mozarts C-Dur Tripelkonzert, bei dem neben Frantz und Eschenbach auch Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt einen Part übernahm.
1986 gründete Frantz das "Schleswig-Holstein Musik Festival" (SHMF). Als Intendant holte er jährlich für zwei Monate internationale Stars der Musikwelt auf das Podium, förderte junge Begabungen und trug mit dazu bei, vergessene Werke aufzufrischen. Mit über 100 Konzerten an mehr als 30 Spielstätten galt das SHMF als eines der größten Musikfestivals der Welt.
Als Musikmanager stieß der Pianist nicht nur auf Anerkennung. So wurde in der Presse kritisiert, dass er den Aufgaben einer Professur an der Hamburger Musikhochschule offenbar "nur unvollkommen" nachgehe. Wegen eines 10.000-DM-Ausfluges, den Frantz zu Lasten des SHMF-Etats für ein Geburtstagsständchen bei Bernstein in New York unternahm, warf ihm die damalige schleswig-holsteinische Finanzministerin Heide Simonis Verschwendung von Steuergeldern vor.
1995 Rücktritt als Intendant
Kritisch vermerkt wurden auch die zahlreichen Konzerte, die der SHMF-Intendant Frantz dem Pianisten Frantz bewilligte. 1994 trat Frantz im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen um das aufgedeckte Finanzdefizit von 3,75 Millionen Mark als Intendant zurück.
1995 gründete er mit der "Philharmonie der Nationen" ein neues Orchester mit internationalen Nachwuchskünstlern, und im Mai 1997 wurde er als neuer Chefdirigent der Philharmonia Hungarica verpflichtet. Mit seinem Orchester reist Frantz seitdem ruhelos von Konzert zu Konzert, auch beim Festival in Schleswig-Holstein ist er als Musiker weiter dabei.
Jüngste Idee des geschäftstüchtigen Frantz: Im Sommer veranstaltet er ein Festival auf Gran Canaria mit dem Namen "Finca Festival Frantz & Friends".
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