Buchvorstellung: Sarah Palins unberechenbares Comeback
VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 22.11.2009 - 12:16Washington (RP). Nach ihrem überraschenden und rätselhaften Rücktritt als Gouverneurin von Alaska, meldet sich die US-Konservative Sarah Palin nun mit ihren Memoiren zurück. In "Going Rogue" rechnet sie unter anderem mit dem Wahlkampfteam von Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain ab.
Also warum? Warum Sarah Palin zurückgetreten ist vom Gouverneursamt in Alaska, will Oprah Winfrey wissen. "Sie sagten, Sie könnten Alaska besser dienen, wenn Sie nicht mehr Gouverneurin sind. Ich verstehe das nicht", sagt die Talkshow-Queen. Sie ziehe sich ja nicht zurück, sie lade nur nach, antwortet Palin, passend zu ihrem Image als Elchjägerin.
"Heißt das, dass Sie nachladen für (die Präsidentschaftswahl) 2012?" Darauf wüssten die Amerikaner gern eine Antwort. Und Sarah Palin, die vor Ehrgeiz brennt und von sich sagt, nur der Lippenstift unterscheide sie von einem Pitbull, versteht es, die Gerüchteküche am Kochen zu halten. Im Juli warf sie in Alaska das Handtuch. Ob sie die Provinzbühne nur verließ, um 2012, beim nächsten Duell ums Weiße Haus, gegen Barack Obama anzutreten? "Wenn die Leute mich haben wollen", werde sie bei der Präsidentschaftswahl 2012 eine Rolle spielen, sagte Palin gestern in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC. Die Entscheidung über eine Kandidatur stehe aber noch nicht an, fügte sie hinzu.
Wie im Akkord tingelt die Republikanerin durch die TV-Studios. Es folgt eine Lesetournee durch Kleinstadt-Amerika, auf der sie ihr Buch, "Going Rogue" vorstellt. Der Titel ist eine Anspielung auf ihren Spitznamen "Rogue" ("Einzelkämpferin"), den Journalisten der unberechenbaren Politikerin gegeben haben.
Auf dem rechten Flügel der Republikaner rollen sie der glaubensstrengen Christin den roten Teppich aus. "Die Zukunft liegt in ihren Händen, mehr als bei irgendwem sonst in unserer Partei", wirbt Newt Gingrich. Abtreibungsgegner feiern sie. Die Konservativen haben nicht viele Zugpferde wie Palin, aber sie gilt eben auch als inkompetent, seit sie sich im Wahlkampf bei mehreren Interviews blamierte. In ihrem Buch rächt sie sich dafür. Das Wahlkampfteam von Präsidentschaftskandidat John McCain habe sie nicht ausreichend vorbereitet – etwa auf Fragen nach ihren Lesegewohnheiten. Ähnlich sei es auf dem Wahlparteitag gewesen, als sie mit unpassend gekleidet erschien.
Pikant an den Bildern von früher ist, dass damals einer zum engsten Familienkreis gehörte, der heute im Dauerclinch mit der Politikerin liegt: Levi Johnston, der Beinahe-Schwiegersohn, Vater von Palins Enkelkind Tripp, seinerzeit Verlobter ihrer Tochter Bristol. Im Magazin "Vanity Fair" beschreibt er die Ehe der Palins als Farce. Der Vater sei nie da, Bristol schmeiße den Laden, weil die Mutter zu faul sei. Als man Sarah einmal ihren kleinen, behinderten Sohn reichte, habe sie nach dem anderen Baby verlangt, nach Enkel Tripp, dem Gesunden, berichtet Levi.
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