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Orden für Götz George: Schimanski – Duisburgs ungeliebter Held

VON HILDEGARD CHUDOBBA UND ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 15.03.2010 - 21:14

Köln/Duisburg (RP). Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat dem Schauspieler Götz George am Montagabend den Rheinlandtaler für das Verdienst verliehen, in seiner Rolle als Duisburger „Tatort”-Kommissar Horst Schimanski das „rheinische Ruhrgebiet” populär gemacht zu haben. In Duisburg feiert das niemand.

Immerhin, die Kulisse passt. Fleckiger Teppich, halb kaputte Raumteiler, das Bild des Bundespräsidenten etwas lieblos auf die Holzvertäfelung genagelt. Sieht aus, wie man sich in München Duisburg vorstellt. Ist aber die gute Stube des Landschaftsverbands in Köln-Deutz, wo der LVR am Montagabend Götz George (71) seinen Kulturpreis Rheinlandtaler für seine Leistungen als Horst Schimanski verleiht. George, gerüht, geschmeichelt und fertig vom Drehtag seines aktuellen Schimanskis dankt artig und widmet den Preis seinem verstorbenen „Tatort-Partner Eberhard Feik, der als Thanner neben Schimanski durch Ruhrort und Rheinhausen stiefelte: „Das Ruhrgebiet hat ihn wie mich aufgenommen”, sagt George. Und das glaubt auch der LVR: Kein anderer Schauspieler habe das „rheinische Ruhrgebiet” so populär gemacht wie George in der Schimanski-Rolle.

Nicht einmal die Erfindung eines „rheinischen Ruhrgebiets” hätte den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) gestern Abend nach Köln locken können. Sauerland saß statt an der Seite des Phantom-Duisburgers dort, wo Duisburgs Herz wirklich schlägt: in der MSV-Arena, in der die Zebras im Aufstiegskampf gegen 1860 München antraten. Allerdings regt sich in Duisburg über den fiktiven Mitbürger Horst Schimanski heute auch niemand mehr auf.

Das war 1981 noch ganz anders, als die ARD am 28. Juni den ersten Schimanski-Tatort mit dem Titel „Duisburg-Ruhrort” ausstrahlte. Schimanskis erstes Wort: „Scheiße.” Das Ruhrgebiet erlebte einen Kommissar, der soff, sich prügelte, halbfertige Sätze stammelte und von es dem es sich kollektiv beleidigt fühlte. „Bei mir dürfte dieser Mann nicht mal Fahrrad-Diebstähle bearbeiten”, schäumte der damalige Leiter der Duisburger Mordkommission.

Was Zuschauer außerhalb von NRW als „Ruhrpott” vorgeführt bekamen, war für die Duisburger zunächst keine Identifikations-Figur, sondern ein Berliner Schauspieler, der darstellte, wie Münchner Filmleute sich die Menschen an der Ruhr vorstellten. Noch 1998 beantragte die Duisburger CDU, den Namen ihrer Stadt nicht mehr im Abspann der Schimanski-Filme zu nennen. Das ist auch deshalb Schnee von gestern, weil längst der überwiegende Teil der Filmaufnahmen in Köln gedreht wird, weshalb der Landschaftsverband auch gar nicht erst den Versuch unternahm, die Rheinlandtaler-Verleihung an George in Duisburg zu vollziehen.

Selbst dann, wenn es darum geht, mal wieder so richtig tief in die Gosse zu packen, zieht es das Fernsehteam eher in Kölner-Vorstädte als nach Ruhrort,  Bruckhausen oder in irgendeinen anderen Duisburger Stadtteil. Vergangene Woche stand George, der gerade wieder eine Schimanski-Folge dreht, in seiner unverzichtbaren grauen M65-Feldjacke der US-Armee nicht in Neudorf, sondern in Nippes vor der Kamera.

Duisburgs Oberbürgermeister sieht das alles gelassen. „Die Tatort-Krimis schaue ich mir sehr gerne im Fernsehen an. Und auch die Schimanski-Filme mag ich”, sagt Sauerland und fügt lachend hinzu, „aber die haben ja auch nichts mit unserer Stadt zu tun.” Denn das Schmuddelimage, dass Götz Georg dereinst als vulgär fluchender Kriminalkommissar aus Ruhrort in die bundesdeutschen Wohnzimmer trug, „das traf damals schon und erst recht heute nicht mehr auf uns zu.”

Viel Hoffnung darauf, dass in den kommenden Schimanski-Folgen mal vor Duisburgs Visitenkarten gedreht wird, die hat Adolf Sauerland allerdings kaum: „Ich setze einfach mal darauf, dass die Zuschauer heute zu unterscheiden wissen zwischen der Wirklichkeit und den Kulissen, die ein solcher Krimi braucht.” Denn wer wolle bespielsweise schon sehen, wenn Schimi sich auf  Duisburgs schöner Königstraße einen Kaffee in der Sonne gönnt, im Innenhafen vorbei an hoch-modernen Immobilien spazieren geht, im Zoo am Kaiserberg Koalas streichelt, in der neuen MSV-Arena mit friedlichen Fans um den Aufstieg bangt oder vor Deutschlands größter Moschee ein intellektuell anspruchsvolles Gespräch über gelungene Integration von Migrantenführt? Dann lieber Nippes oder Deutz. Es sieht dort einfach mehr so aus, wie man sich in München oder Chemnitz den Ruhrpott vorstellt.


 
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