Barbara Rudnik stirbt mit 50 Jahren: Sie hatte noch Pläne für den Herbst
zuletzt aktualisiert: 23.05.2009 - 20:13Frankfurt/Main (RPO). Barbara Rudnik ist gestorben. Sie erlag einem langen Krebsleiden. Dass sie gegen die Krankheit auf Dauer keine Chance haben würde, war ihr bewusst. Dennoch verfolgte die ebenso anerkannte wie beliebte Schauspielerin noch ehrgeizige Ziele für den Herbst.
Es gebe keine Heilung, sagte die Schauspielerin noch im vergangenen Jahr über ihre Krebserkrankung. Man könne nur versuchen, die Krankheit unter Kontrolle zu bekommen. Jetzt hat die 50-Jährige ihren Kampf verloren. Sie starb mehreren übereinstimmenden Medienberichten zufolge am Samstag, begleitet von ihrer Familie und Freunden.
Bis zum Schluss war die charismatische Fernsehschauspielerin voller Tatendrang. Erst Ende März kündigte sie an, sich verstärkt der Jugendarbeit zu widmen und ab Herbst regelmäßig in eine Münchner Hauptschule zu gehen, um den Schülern die Schauspielerei näherzubringen.
Und trotz ihrer Brustkrebserkrankung stand Rudnik immer wieder vor der Kamera, etwa im vergangenen Jahr zur ARD-Reihe "Commissario Laurenti" mit Henry Hübchen. Dabei musste sie eine blonde Perücke tragen. Dem Kinopublikum zeigte sie sich zuletzt in "Keinohrhasen" an der Seite von Nora Tschirner, Matthias Schweighöfer und Til Schweiger. Darin spielte sie die überaus verständnisvolle Mutter Lilli, die ihren quengeligen Sohn Lollo nach vielen Rauswürfen in einem neuen Kindergarten unterbringen will.
Obwohl eine Komödie, wirkte die blonde Rudnik auch in diesem Film wie so oft in ihrer Karriere: kühl, selbstsicher und auch etwas geheimnisvoll. Auf ihre Schönheit wollte sie sich nach ihren eigenen Worten aber nicht verlassen, "weil die auch nicht immer da ist". Sie finde es sehr unangenehm, beim Drehen "jeden Morgen um sieben eine Stunde in den blöden Spiegel sehen zu müssen", sagte sie einmal.
Mehr Mut von Regisseuren gefordert
Rudnik wünschte sich, dass Regisseure bei der Besetzung mutiger gewesen wären. Die Rollen seien immer so nah an ihr dran, sagte sie etwa "Welt Online". Das schränke sie auch ein. Reizen würden sie Figuren wie die Chefredakteurin in "Der Teufel trägt Prada". Meryl Streep verkörpere auf witzige Weise etwas ganz Spezielles. Sie zog aber auch eine klare Grenze: "In einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung sehe ich mich nicht."
Ihren Beruf wählte sie, weil sie nicht "40 Jahre am selben Tisch sitzen" wollte. Ein Auftritt als Statistin am Stadttheater in Kassel weckte ihren Ehrgeiz, Schauspielerin zu werden. Geboren wurde sie 1958 im Dorf Wehbach an der Sieg als jüngste von drei Töchtern eines Drehers und einer Näherin.
Nach der Realschule arbeitete sie zunächst im Buchhandel. Mit 19 Jahren kam sie nach München, wo sie seither lebt. 1978 begann sie eine Schauspielausbildung. Beim Jobben in einer Eisdiele wurde sie von einem Studenten der Hochschule für Film und Fernsehen angesprochen und für seine Abschlussarbeit engagiert. Auch in der Münchner Off-Theaterszene durfte sie ihr Talent erproben.
Mit ihrem Spielfilmdebüt in der Rolle einer Kinokartenverkäuferin in "Kopfschuss" erreichte sie gleich ein internationales Publikum, denn der Film wurde 1982 bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt. Danach bekam sie auch Rollenangebote aus Frankreich. In Deutschland profilierte sie sich immer mehr zur gereiften Charakterdarstellerin. Sie spielte etwa 100 TV-Rollen und 20 Kinofiguren.
Offener Umgang mit Krankheit
Mit der Diagnose Krebs musste Rudnik ab Ende 2005 leben. Sie ging mit ihrer Krankheit offen um und ließ sich etwa im vergangenen Jahr auf dem "Bunte"-Titelbild mit extrem kurzen grauen Haaren zeigen, die nach der Chemotherapie gerade nachgewachsen waren.
"Ich will mich nicht länger verstecken", erklärte sie damals. "Ich möchte mich erhobenen Hauptes mit meinen kurzen, ungefärbten Haaren zeigen und sagen: 'Das bin ich jetzt'." Sie gewann der Krankheit sogar Positives ab: Sie lebe bewusster und glücklicher als vor drei Jahren, weil sie jeden Tag genieße.
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