TV-Kritik zum Sonntagabend: Spannung aus der Schablone
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 07.06.2010 - 10:14Düsseldorf (RPO). Das Themenfeld Familie, Demenz, Altenheim gehört seit Jahren zum Standardrepertoire der ARD-Reihe "Tatort". Die Leipziger Version "Heimwärts" überzeugte durch ein gutes Drehbuch mit sensiblen Studien, nervte aber zwischenzeitlich mit Allgemeinplätzen und Ermittlern wie aus der Schablone gestanzt.
"Heimwärts" schilderte glaubhaft und einfühlsam einen Konflikt, in dem sich unzählige Familien in Deutschland befinden. Wie reagiert man, wenn die Eltern alt und krank werden – vergesslich, dement und nicht mehr in der Lage für sich selbst zu sorgen? Der Krimi erzählt die Geschichte einer Familie, die dauerhaft am Rande des Nervenzusammenbruchs balanciert.
Mann und Frau berufstätig, die pubertierende Tochter will zum Schüleraustausch, der kranke Großvater schreit und weint, Geld ist natürlich auch keins da. Als die Familie dann auch noch an einen betrügerischen Pflegedienst gerät, der erst den Großvater entmündigt und die Familie dann enterbt, ist die Katastrophe perfekt. Die Mutter tötet die Pflegerin, die Tochter schlägt den Pflegedienstleiter krankenhausreif.
Dem Film gelingt es glaubhaft und eindrucksvoll, die Konflikte der Familie fühlbar zu machen. Die Mischung aus Fürsorge, Verantwortungsgefühl und Hilflosigkeit, die im schlimmsten Fall in Wut und Aggression umschlägt.
Schade nur, dass das Ermittlerpaar Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) erneut blass bleibt. Wuttke muss den dauernörgelnden Griesgram mit Gelfrisur und Seltsam-Schnäuzer spielen. Cool soll das offenbar wirken. Schade, schließlich könnte der renommierte Theaterschauspieler Wuttke deutlich mehr zeigen.
Thomallas Darstellung reduziert sich erneut auf einen Gesichtsausdruck und zwei Tonfälle. In den kommenden Folgen sollte das eigentlich spannende Verhältnis beider Charaktere endlich weiterentwickelt werden. Dass sich die Kommissarin während des Falls auch um ihren eigene Mutter Sorgen machen muss, war voraussehbar, ein "Tatort"-Klischee.
"Heimwärts" war trotz dieser Schwächen ein sehenswerter Film. Lange rätselte man über den Mörder. Dem Zuschauer bleibt zudem die Hoffnung, dass die beiden Leipziger Hauptdarsteller künftig auch mal überraschen dürfen. Denn mehr als Schablone können beide.
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