Erinnerung an verstorbenen Schauspieler: Tom Cruise gedenkt Ulrich Mühe
zuletzt aktualisiert: 02.09.2007 - 13:29Berlin (RPO). Am Sonntag wurde bei einer Gedenkveranstaltung an den verstorbenen Schauspieler Ulriche Mühe erinnert. Die Feier fand in der Berliner Schaubühne statt. Als Überraschungsgast kam US-Superstar Tom Cruise zu der Veranstaltung.
Der Hollywoodstar kam am Sonntag in Begleitung von Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck zu der Gedenkveranstaltung für den am 22. Juli mit 54 Jahren an Krebs verstorbenen Mühe und sorgte für Aufsehen. Mehrere Passanten auf dem Kürfürstendamm sprachen ihn an. Begrüßt wurde Cruise durch Schaubühnendirektor Friedrich Barner. Rund zwei Stunden später verschwand der Darsteller wieder - durch den Hinterausgang.
Auch zahlreiche Kollegen und langjährige Weggefährten aus Deutschland erwiesen Mühe die letzte Ehre. Neben seiner Witwe Susanne Lothar war die ebenfalls als Schauspielerin agierende Tochter aus erster Ehe, Anna Maria, zugegegen. Dazu kamen die Kollegen Bruno Ganz, David Bennent und Otto Sander, Katja Riemann sowie Gesine Cukowski und Jörg Gudzuhn.
Die beiden letzteren waren in Begleitung des Drehteams der ZDF-Krimiserie "Der letzte Zeuge", in der Mühe seit 1998 als Gerichtsmediziner Robert Kolmaar eine feste Größe war. Nach Angaben von Regisseur Bernhard Stephan wird die Serie fortgesetzt. "Unklar ist noch, mit wem genau, da suchen wir gerade", sagte Stephan auf Anfrage.
Anwesend im überfüllten Schaubühnen-Saal waren auch Schriftsteller Christoph Hein, Anwalt und Kunstmäzen Peter Raue sowie CDU-Politiker Günter Nooke. Schaubühnen-Intendant Thomas Ostermeier eröffnete das Programm mit auf Mühes Wunsch "ausdrücklich kurzen Worten". Auch Form und Programm der Gedenkfeier waren laut Ostermeier von Mühe selbst zusammengestellt worden.
Ostermeier erinnerte an den Schauspieler, der zuletzt vor zweieinhalb Jahren in der Schaubühne aufgetreten war, "als eine Ausnahmerscheinung in der deutschen Theaterlandschaft". Mühes Stil habe eine ganz eigene Figurenaneignung gekennzeichnet. "Er war ein pyhsischer und sensibler Schauspieler", sagte Ostermeier.
Den filmischen Auftakt der Gedenkfeier bildete ein Kurzvideo der Schauspielerin Katharina Schüttler. Diese hatte als persönliche Widmung "Gott, Weihnachtsmann, Elfe, Zauberland" zusammengestellt - eine schlichte Hommage, die Mühe im November 2006 hinter den Kulissen seiner letzten Theaterarbeit in London zeigt.
Es folgte der Dokumentarfilm "Die Zeit aus den Fugen" aus dem Jahr 1990 von Christoph Rüter. Er zeigt Mühe und das Ensemble des Deutschen Theaters, darunter Gudzuhn, wie sie im Wendeherbst 1989 mit Heiner Müller "Hamlet" und Müllers "Hamletmaschine" proben. Ein Kraftakt besonderer Art, denn während sich die Schauspieler drinnen "wie hinter einer schwarzen Wand", so eine Kollegin im Film, über einen faulen dänischen Staat den Kopf zerbrechen, geht draußen das Volk auf die Straße. Und als die Inszenierung im März 1990 fertig war, hatte sich vieles im Land verändert.
Zu sehen ist ein grübelnder, bestürzter, politischer Mühe, der bemerkt, "dass wir, während draußen alles anders wurde, zum Teil aberwitzigen und albernen Zeilen nachgingen". Am 4. November 1989 war Mühe als einer der Redner bei der großen Demonstration auf dem Alexanderplatz vor rund einer halben Million Menschen aufgetreten.
Was Mühe als Schauspieler zu leisten vermochte, zeigte abschließend nicht Henckel von Donnersmarcks Oscar-prämiertes Stasi-Drama "Das Leben der Anderen", sondern der Psychothriller "Funny Games" (1997) des ebenfalls anwesenden Schweizer Regisseurs Michael Haneke.
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