Scheidungsdrama: Vatikan weist Berlusconi zurecht
zuletzt aktualisiert: 06.05.2009 - 16:21Düsseldorf (RPO). Silvio Berlusconi hat wegen seines Ehestreits mit Frau Veronica Lario Ärger mit der Kirche. Ein deutscher Kardinal-Vatikan macht beim italienischen Regierungschef einen Mangel an Ernsthaftigkeit im Umgang mit der Ehe aus. Schon zuvor hatte die italienische Kirche bei Berlusconi mehr Selbstdisziplin angemahnt.
Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper bewertete den Scheidungskrieg zwischen Berlusconi und seiner Frau als Stilbruch und schlechtes Beispiel. "Eine Scheidung ist kein Schauspiel, das man unter Scheinwerfern inszenieren und austragen sollte", sagte Kasper im Interview der Turiner Tageszeitung "La Stampa". Er sei verwundert über das Verhalten des Politikers in einer Situation, die eher Nüchternheit und Zurückhaltung erfordere.
Wenn ein Schauspieler oder ein Sänger seinen Rosenkrieg öffentlich über die Medien verbreite, sei das schlimm genug, meinte der vatikanische Ökumene-Minister. Bei einem Regierungschef sei das schlechte Beispiel gerade für die junge Generation noch überraschender. Eine Scheidung sei ein persönliches Desaster, das private und intime Gründe habe. Diese sollte man vertraulich behandeln. Kasper weiter: "Mir scheint es absolut unpassend, dass das private Unglück einer ganzen Familie über die Medien wie ein Film oder ein öffentliches Ereignis zur Unterhaltung angeboten wird."
Ausdrücklich stellte sich der Kardinal hinter einen Kommentar der Italienischen Bischofskonferenz. Diese riet dem Regierungschef über einen Leitartikel in ihrer Zeitung "Avvenire" zu mehr Nüchternheit und Verantwortungsbewusstsein. "Wir hegen weiterhin die Hoffnung auf einen Ministerpräsidenten, der es mit Nüchternheit versteht, ein möglichst wenig verzerrender Spiegel der Seele des Landes zu sein", hieß es am Berlusconis Wahl mehrerer junger Frauen als Kandidatinnen für die Europawahl sei "höchst fragwürdig". Das Blatt kritisierte die Schwäche des Regierungschefs für "die Jugend von Schauspielerinnen in der Blüte ihrer Jahre".
Der so gescholtene Ministerpräsident kann die Kritik nicht nachvollziehen. Er befürchte nicht, die Sympathie der Katholiken zu verlieren, heißt es in den italienischen Medien. Auch die würden erkennen, dass die Vorwürfe gegen ihn unbegründet seien.
Berlusconi – das Unschuldslamm
Im italienischen Fernsehen wies er die Berichte über eine Affäre mit dem 18-jährigen Model Noemi Letizia als Lüge zurück. Berlusconi hatte die blonde Schönheit auf deren Geburtstagsparty besucht und ihr eine goldene Halskette mit diamantenem Einsatz zum Geschenk gemacht.
Bei seiner Frau Veronica Lario brachte dieser Besuch das Fass zum Überlaufen. Auf den Geburtstagen seiner eigenen Kinder habe sich Silvio nie blicken lassen, obwohl er eingeladen war. Ich kann nicht bei einem Mann bleiben, der mit Minderjährigen verkehrt", soll die 52-Jährige laut Zeitungen zu einer Freundin gesagt haben. Ein unzweideutiger Wink mit dem Zaunpfahl, dass sie in der Bekanntschaft Silvio Berlusconi – Noemi Letizia mehr sieht als eine eine Tochter-trifft-den-netten-Onkel-von-neben-an-Beziehung. Es sei nicht akzeptabel, dass sie in den Medien darüber lesen müsse, wie ihr Mann die junge Blondine in Rom und Mailand getroffen habe und wie diese ihn zärtlich "Opa" nenne.
Berlusconis Version des verhängnisvollen Partybesuchs in Neapel sieht anders aus. Er sei als Gast von Letizias Vater Benedetto gekommen, einem alten Freund. Er habe sich an dem Abend doch offen vor allen Kameras gezeigt, es gebe nichts zu verbergen. In den Vorwürfe gegen ihn erkennt er einen falschen Moralismus, mutmaßlich vorangetrieben durch die italienische Linke.
Der Ärger von Veronica Lario kommt nicht von ungefähr. Ihr 72-jähriger Noch-Ehemann hat sich in seiner Biographie mit Hingabe das Image eines Gigolos und unverbesserlichen Chauvinisten erworben. Kurz vor der Affäre hatte Berlusconi noch mit der Nominierungen von politisch leichtgewichtigen, aber dafür umso attraktiveren Kandidatinnen für die Europawahl Spott provoziert. Die Ehe Berlusconi-Lario liegt nun als Scheidungsfall auf den Schreibtischen der Anwälte.
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