Cordula Stratmann: Von Natur aus witzig
VON ISABELLE DE BORTOLI - zuletzt aktualisiert: 07.01.2007 - 16:03Düsseldorf (RP). Cordula Stratmann gehört zu den gefragtesten Komikerinnen Deutschlands. In der "Schillerstraße" spielt die gebürtige Düsseldorferin eine kinderlose Single-Frau. Privat lebt sie den Alltag einer berufstätigen Mutter.
"Cordula - du findest, der Mann am Nebentisch hat eine fürchterliche Frisur" - so oder so ähnlich könnte eine Anweisung lauten, die Cordula Stratmann in der "Schillerstraße" ins Ohr geflüstert bekommt. Beim Interview im schicken "Kap am Südkai" in Köln zeigt sich, woher die Komikerin die Spontanität bezieht, um solche Anweisungen aus dem Stegreif umzusetzen: nämlich aus dem wahren Leben.
Mit Vorliebe beobachtet sie andere Menschen und natürlich lästert sie auch gerne: "Schauen Sie sich mal um, am Nebentisch sitzt ein Herr mit einer unfassbaren Frisur", sagt Cordula Stratmann mitten im Interview. Solch ein Anblick brenne sich in ihr Gedächtnis ein, und irgendwann biete sich dann die Gelegenheit, ihn wieder auszugraben. Apropos Frisur: Auch die Entertainerin selbst hat einen neuen Look. Die blonden Haare trägt sie jetzt kurz, mit fransigem Pony.
Cordula Stratmann kommt mit dem Fahrrad zum Interview. "Ich wohne auch gleich in der Nähe", sagt die Komikerin mit leicht rheinischem Dialekt. Sie lebt als Düsseldorferin in Köln, vor mehr als 20 Jahren tauschte sie die rechte Rheinseite gegen die linke. "Ich habe zu dem Thema schon alles gehört. Ich mache dann ein kurzes Nickerchen, während die Leute ihre Dummheiten erzählen."
Im April vergangenen Jahres hat sich das Leben der 43-Jährigen grundlegend geändert. Ihr Sohn kam zur Welt. "Und seitdem lebe ich den Alltag einer jeden Mutter." Frühes und nächtliches Aufstehen gehören ebenso dazu wie das Stillen des Kindes. "Ich habe dadurch so einen Hunger, dass die Menschen auf der Straße echt froh sein können, dass ich sie nicht anfalle." Die Diskussion um das Problem von Kind und Beruf und der mangelnden Kinderbetreuung kann Cordula Stratmann nicht nachvollziehen: "Deutschland scheint ein vaterloses Land zu sein. Ich habe vor allem deshalb keine Probleme, weil mein Mann und ich uns die Betreuung des Kleinen teilen. Bin ich nicht da, ist er da."
"Nicht da" ist Cordula Stratmann vor allem dann, wenn neue Folgen der "Schillerstraße" aufgenommen werden. Seit 2004 spielt die Komikerin die Hauptrolle in der Improvisations-Comedyserie. "Die Dreharbeiten finden unregelmäßig statt, mal einmal pro Woche, mal dreimal - je nachdem, wie oft vier Leute zusammen Zeit haben." Aufgezeichnet wird immer eine Folge -"mehr geht auch nicht, man fühlt sich danach wie nach einem Hochschleudergang", findet Stratmann.
Obwohl die Comedians in der Serie so heißen wie auch im echten Leben, spielen sie sich doch nicht selbst. Und so schlüpft Cordula Stratmann für jede Folge in die Rolle der Cordula: "Uns unterscheidet ja auch sehr viel: Sie ist Single, kinderlos und hat Freunde, die ihr die Bude versauen. Das alles trifft auf mich nicht zu."
In ihrer Art zu spielen unterscheide sie sich von ihren Kollegen: "Ich haue nicht schnell mit Pointen um mich, sondern lasse mir Zeit und setze viele Pausen. Ich hasse Hast und Eile." Richtig befreundet sei sie mit den Schillerstraßen-Kollegen nicht: "Man arbeitet eben gut zusammen." Nur mit Annette Frier habe sie auch privat Kontakt.
Das Angebot, die Rolle in der Schillerstraße zu spielen, habe sie übrigens sofort angenommen. "Die Schillerstraße passte wie sonst noch nie irgendetwas zuvor. Dieses unvorbereitete Reingehen in den Moment, das macht für mich den großen Reiz aus."
Gerade das Scheitern, also das Nicht-Erfüllen-Können von Anweisungen, sei besonders komisch für die Schauspieler und das Publikum. Dass sie sehr direkt ist, das braucht Cordula Stratmann eigentlich gar nicht zu erwähnen: So fragt sie ihr Gegenüber, was es denkt, wenn es sinnend aus dem Fenster schaut, und hat auch kein Problem damit, über schweißtreibende Suppen zu philosophieren. Oder eben über die Menschen am Nebentisch: "Die haben richtig Spaß!"
Auch im "Kap am Südkai" wirft man Cordula Stratmann verstohlene Blicke zu: "Seit ich in der Schillerstraße spiele, erkennt man mich natürlich viel öfter", sagt die 43-Jährige. Zuvor war Stratmann besonders durch ihre Rolle als neugierig-schrullige Nachbarin Annemie Hülchrath in "Zimmer Frei" (WDR) bekannt, wo sie bis heute mehrmals im Jahr zu sehen ist. Dabei führte sie bis zu einem Casting vor zehn Jahren eigentlich ein ganz "bürgerliches" Leben. Cordula Stratmann wuchs mit zwei großen Brüdern in Düsseldorf auf - "das hat mir aber nicht geschadet". Es war eine humorig Familie.
Als Kind wollte die Komödiantin Friseurin werden. "Ich ging sehr gerne zum Friseur und war natürlich auch an meinen eigenen Puppen tätig - und nicht zu deren Nachteil, liebe Hersteller." Nach dem Abitur wählte sie dann aber doch die Uni: Cordula Stratmann studierte Sozialarbeit, arbeitete einige Jahre in diesem Beruf und bildete sich nebenbei zur Familientherapeutin weiter.
"In die Familientherapie würde ich sofort zurückkehren. Ich würde Praxisräume anmieten und loslegen", schwärmt die 43-Jährige. "Wenn man etwas einmal mit Leidenschaft getan hat, verliert man das auch nicht." Den Schritt aus dem Beruf in die Comedyszene bereut Cordula Stratmann trotzdem nicht: "Wenn man eine Veränderung angeboten bekommt, sollte man diese annehmen." Die Rheinländerin entscheidet jedes Jahr neu, ob sie weitermachen möchte wie bisher. "Und ich bin super gerne dort, wo ich jetzt bin."
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