Komiker auf Platz eins der Kino-Charts: Warum Mario Barth so erfolgreich ist
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 25.03.2009 - 18:57Düsseldorf (RPO). Mario Barth ist ein Phänomen. Die Kritiker verprügeln ihn als Garant für Geschmacklosigkeiten und "Kollateralschaden der Demokratie". Seinen Fans ist das herzlich egal. Jüngster Höhepunkt der "Mario-Mania": Mit seinem harmlosen Film "Männersache" steht Mario Barth auf Platz eins der Kino-Charts. Wir nennen zehn Gründe für seinen Erfolg.
Mario Barth ist überall. In jedem deutschen Kino sind derzeit seine Witze zu hören, in jeder Zeitung, jedem Programm und nahezu jeder Internetseite lassen sich Leute über den Berliner Komiker aus und sein ach so unterirdisches Niveau.
Mario Bart ist Fachmann im Genre der Geschlechterwitze. Was Frauen über Männer denken, was Männer über Frauen denken, alles in die Klischeekiste getunkt und dann ab damit auf die Bühne. Im erzählfreudig aufgeregtem Schnodderton ("Weisste? Verstehste?") kalauert es dann, was die Schenkel hergeben. Mit seinem Programm "Männer sind primitiv, aber glücklich" war Barth gefühlte Jahrzehnte unterwegs. Egal. Seine Fans sprechen die Texte mittlerweile mit. Kult nennt man das wohl.
Mario Barths Themen kennt jeder. Sie entstammen der Alltagswelt. Ob man Pipi-Witze komisch finden muss, ist eine andere Sache. Frauen gehen immer nur zu zweit aufs Klo. Frauen finden sich zu dick und befassen sich sonst bevorzugt mit Schuhen, Telefonieren und Handtaschen. Männer sind mundfaul, kratzen sich und hängen vor der Glotze. "Wir Männer sind 'n bisschen asi", sagt Barth dazu. Einer der Höhepunkte in seiner Show: Lippenfurzen.
Sein Film "Männersache" bietet in dieser Hinsicht nichts Neues. Er erzählt die Geschichte von Mario Barth. Nur heißt er auf der Leinwand anders. Mario heißt jetzt Paul. Tagsüber jobbt er in einer Zoohandlung und arbeitet abends an einer Komikerlaufbahn. Als Paul sich dazu entschließt, Witze über das Liebesleben seines besten Freundes zu erzählen, nimmt die Karriere prompt Fahrt auf. Nicht mehr als eine Vorlage für die Barth-Gags, wie man sie schon von der Bühne kennt.
Die Kritiker sind sich einig. Was Barth da macht, ist abgrundtief schlecht. Die "Süddeutsche Zeitung" lästert über Barth als "Paris Hilton des deutschen Humors", der "Spiegel" sieht in ihm eine "durchschnittliche Dauerwurst", der "Stern" schreibt "Barth ist Bierzelt." Außerdem ist noch von Sexismus, Dummheit, Spießertum und Barth als Zeremonienmeister des Prekariats die Rede.
Den Fans ist das egal. Sie interessieren sich nicht für die Meinung deutscher Feuilletonisten. Sie freuen sich lieber an und mit Mario Barth. Zu seiner Stadionshow im Sommer vergangenen Jahres kamen 70.000. Wohlgemerkt: Ohne U2 oder die Stones im Hauptprogramm. Die Leute kauften ihr Ticket wegen Mario Barth.
Auch der Film kommt an. Am ersten Wochenende spielte er mit 610.000 Besuchern an den Kinokassen überragende Zahlen ein. Platz eins in den Charts, weit vor dem achtfachen Oscar-Gewinner "Slumdog Millionaire". "Der absolute Hammer!", schreibt ihm nach dem Kinobesuch einer ins Gästebuch. "Wir kamen aus dem Lachen gar nicht mehr raus, sehr geiler Film." "Absolut geil, was du machst", schreibt ein anderer.
Die Gründe für seinen Erfolg sind vielen schleierhaft. Manches erinnert an die scheinheilige Blöd-TV-Debatte nach der Reich-Ranicki-Schelte bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. Denn was ist so schlimm daran, wenn einer mitten aus dem Leben in Deutschland erzählt und damit ein breites Publikum anspricht? Massengeschmack hat noch nie Jubelstürme im Feuilleton ausgelöst. Fakt ist: In der Humorbranche geht es oft weniger um intellektuellen Feingeist als vielmehr um das wahre Leben. Es gibt genügend gute und plausible Gründe, warum die Fans so einen wie Mario Barth lieben. Zehn davon finden Sie >>hier.
Wir fragen auch Sie, unsere Leser: Was halten Sie von Mario Barth? Sind Sie ein Fan oder fühlen Sie sich bei den Kritikern besser aufgehoben? Erzählen Sie uns, was Sie an Mario Barth mögen und was nicht. Geben Sie >>>hier kurz gesagt Ihre Meinung ab.
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