Das norwegische Stimmwunder: Wencke Myhre feiert 60. Geburtstag
VON JÖRG ISRINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 15.02.2007 - 08:47Düsseldorf (RPO). Wenn Wencke Myhre durchatmen muss, ist sie reif für den Fjord. Nur ein paar Kilometer von Oslo entfernt, in der Gemeinde Asker, steht ihr Haus. Dort sitzt sie gerade vor einer Tasse Kaffee, schaut aus dem Fenster und genießt den Winter. Für Unkundige: Das ist die Jahreszeit mit Schnee und Frost. „Minus neun Grad haben wir hier“, erzählt sie gut gelaunt am Telefon. Die richtige Stimmung, um zurückzuschauen. Auf ein Leben, das die Norwegerin am Ende des Gesprächs als Fest bezeichnen wird. Da fällt die Feier zu Myhres 60.Geburtstag heute kaum auf.
„Wenn ich das Etikett Schlagersängerin höre, werde ich wahnsinnig“, echauffiert sich die Jubilarin. Zu Recht. Hits wie „Er steht im Tor“ oder „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ spiegeln nur eine Seite der Künstlerin, die deutsche. In Norwegen kennt das Publikum sie auch als Jazz-Interpretin, als Kabarettistin, als Swing-Sängerin. „Entertainerin wäre wohl der richtige Begriff dafür“, schlägt sie vor. Oder Tausendsassa. Wie schafft man es da, sich nicht zu verzetteln, immer das richtige Thema zu erspüren? „Man muss auf sich hören, sich selbst treu bleiben“, sagt Myhre, „und immer dem Wencke-Trend folgen.“
Dieses Motto beherzigt sie von Kindesbeinen an. Mit drei turnte sie hinter einer Bühne herum; mit sieben debütierte sie selbst, mit 13 hatte sie einen Plattenvertrag in der Tasche. Als 16-Jährige eroberte sie Deutschland. „Ich hatte keine Ahnung, was da passiert, habe nur mit großen Augen auf diese wunderbare Welt geschaut.“ Eine Welt, die ihr einen Charts-Erfolg nach dem anderen schenkte. Ihr 1968 einen 6.Platz beim Schlager-Grand-Prix bescherte. Und die ihr schon mehr als 50 Jahre im Rampenlicht gönnt.
Privat lief es nicht ganz so gut. Wencke Myhres zweiter Mann, der deutsche Regisseur Michael Pfleghar, nahm sich 1991 das Leben. Ein Schicksalsschlag, den die Norwegerin dank ihres positiven Wesens aber bewältigte - auch ein Grund, weshalb sie eine Zeitlang Motivationsseminare gab. Selbst motivieren muss sich die Mutter von vier Kindern eher selten. Ihre gemeinsame Show mit Gitte Haenning und Siw Malmquist läuft ausgezeichnet. Und vor zwei Jahren erhielt sie aus der Hand des norwegischen Königs den Ritterorden 1. Klasse. „Wenn der König einem einen Klaps gibt und sagt ,Gut, Mädel!’, das ist was Besonderes“, sagt sie. Gibt’s gar nichts Negatives? „Doch. Um die Ordensschleife tragen zu können, müsste ich öfter auf Bälle gehen.“
Info „Gitte, Wencke, Siw - die Show“, 13. bis 18. März, Capitol-Theater Düsseldorf; das Trio tritt beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest am 8. März auf.
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