Promis, Pralinen und eine gut gelaunte Kanzlerin: Wenn der Präsident zur Gartenparty lädt
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 21.06.2008 - 23:45Berlin (RP). 3000 Gäste aus Politik, Sport, Kultur und Gesellschaft feiern im Park von Schloss Bellevue das traditionelle Sommerfest des Bundespräsidenten. Der Hausherr präsentiert sich als gut gelaunter Gastgeber und Walzer-Tänzer.
Am Ende eines Sommerabends lässt der Präsident einen ungewohnten Einblick in seine Gefühlswelt zu. Es ist 23.35 Uhr und Horst Köhler steht mit Ehefrau Eva-Luise auf der Veranda seines Dienstsitzes, dem Schloss Bellevue. Knapp einhundert Gäste verirren sich noch zwischen schneeweiß gedeckten Biertischen im Park. Köhler lächelt, schüttelt viele Hände. Es ist Zeit, Abschied zu nehmen.
„Das Sommerfest 2008 war so schön", sagt er melancholisch. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich in Zukunft auf weitere Sommerfeste verzichten kann." Köhler grinst. Die Botschaft ist angekommen. Die nächste Gartenparty des Staatsoberhaupts findet im Juni 2009 statt, einen Monat nach der Wahl des neuen Bundespräsidenten. Und Köhler, der sonst mit keiner Silbe das Duell gegen die SPD-Kandidatin Gesine Schwan erwähnt, lässt in diesem Moment keinen Zweifel daran, dass er auch 2009 Gastgeber sein will.
Regenschirm als Souvenir
Zu Fröhlichkeit hat der Hausherr an diesem Tag ausreichend Anlass. Zum ersten Mal seit Jahren kann der Präsident halten, was seine Einladung verspricht: ein Sommerfest. Der Regen bleibt aus. Die eigens dafür eingekauften Schirme sind bei den 3000 Gästen aus Politik, Kultur und Gesellschaft nur als Souvenir gefragt.
Bis nach Mitternacht stapfen die Besucher, darunter Hunderte ehrenamtlich tätige Bürger, trocken über den Rasen, genießen in weißen Lounge-Sesseln die Finger-Food-Kreationen der 70 Spitzenköche und naschen Pralinen und Schwarwälder Torte in den zahlreichen Pavillons. Zur Unterhaltung holte Köhler 300 Künstler, von den Schuhplattlern des Deutschen Trachtenverbands bis zu Hamburger Jungrappern, in seinen Garten.
Als Jazz-Sängerin Jocelyn B. Smith gegen 20.30 Uhr auf der Hauptbühne ihre Stimme erhebt, klicken am Eingangsportal des Schlosses plötzlich dutzende Kameras. Die Kanzlerin ist da. Charmant („Es ist ein schönes Fest, aber sie bringen noch mehr Glanz") lotsen Horst und Eva-Luise Köhler die Regierungschefin durch den Park bis sie wie alte Freunde an einen kleinen Tisch im Grünen Platz nehmen.
Merkel scherzt, die Köhlers lachen
Scheinbar ungestört von Kameras und den neugierigen Gästen plaudern die drei bei Rotwein und Kartoffelsalat über die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Merkel scherzt, die Köhlers lachen. Als sie für ein paar Minuten den Platz räumen, um einer jungen Theatergruppe Hallo zu sagen, nutzt ein älteres Paar nichts ahnend die Gunst der Sitzgelegenheit. Die Kanzlerin, auf dem Weg zurück, nimmt's mit Humor. „Ich hoffe, Sie haben mir noch Kartoffelsalat übrig gelassen." Bei so viel guter Laune will selbst Johannes Kahrs, einer der SPD-Bundestagsabgeordneten der früh für Gesine Schwan als Präsidentin geworben hat, nicht stören und umschmeichelt betont freundlich Köhler und die Kanzlerin.
Prominente Sozialdemokraten sind an den Tischen im Schlosspark ohnehin kaum zu finden. Dafür sind die Liberalen stark vertreten. Ein FDP-Bundestagsabgeordneter scherzt: „Westerwelle hat uns aber aufgetragen nicht ständig in der Nähe von Köhler zu sitzen". Der Präsident hat ohnedies anderes im Sinn. Als die Kanzlerin schon auf dem Weg nach Hause ist, zieht Horst Köhler seine Frau gekonnt auf die Tanzfläche. Ein präsidialer Walzer beschließt das sonnige Sommerfest.
Unter den Gästen auch gesehen: die Minister Annette Schavan, Brigitte Zypries und Thomas de Maiziere, Umweltexperte Klaus Töpfer, Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin, die Gattin des verstorbenen, früheren Bundespräsidenten Johannes Rau, Christine Rau, Schauspieler Ulrich Matthes („der Untergang") und Musiker Peter Maffay.
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