Das immergleiche Blödeln: "Wetten, dass..?" zelebriert das Otto–Ritual
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 15.06.2009 - 18:25Düsseldorf (RPO). "Ein uralter Moderator, ein uralter Komiker, uralte Witze", stöhnte ein Leser in einem Kommentar zur Mallorca-Ausgabe von "Wetten, dass..?". "Der heimliche Star des Abends", urteilte ein anderer Kritiker. Beiden ging es um den Auftritt von Otto Waalkes. Und beide haben recht. Denn der ewige Blödelbarde ist für die Deutschen mindestens ebenso unverzichtbar wie Thomas Gottschalk.
In den 70er Jahren war Otto Waalkes so etwas wie Humor-Revolution im vermieften deutschen Fernsehen. Mit seinen Kalauern, abstrus dämlichen Wortspielen und einer bis dahin nie gesehenen Mimik war Otto etwas ganz anderes. Viele Kinder der 70er und 80er können seine Sprüche heute noch auswendig aufsagen, begleitet von der komisch-kehlig verstellten Blödelstimme des selbst ernannten Blödelbarden. Das ziegenhafte Otto-Meckern vor irgendwo unten aus der Kehle ist eins seiner Markenzeichen geworden.
Und er pflegt es heute noch. Auch die Scherze, die der Ostfriese mit der immer gleichen, strähnigen Frisur macht, haben sich nicht verändert. Der 60-jährige Otto und seine Komik sind gewissermaßen ein Fels in der Brandung, fest verankert inmitten einer sich immer schneller drehenden Unterhaltungswelt. Insoweit steht der berufslustige Ostfriese genauso als Dinosaurier da, wie der letzte TV-Gigant "Wetten, dass..?", moderiert von dem dem 59-jährigen Thomas Gottschalk.
Das Otto-Ritual funktioniert immer
Dass das bei der großen Sause auf Mallorca vortrefflich funktionierte, war von daher keine große Überraschung. Otto, Gottschalk, die Zuschauer in der Stierkampfarena, das passte. Vor allem, weil jeder im Rund genau wusste, was er zu tun hatte. Das Otto-Ritual.
Nach dem Einzug in die Arena hatte der das Publikum umgehend im griff und avancierte beim ein oder anderen Kritiker dadurch zum Star des Abends. Ottos debiler Begrüßungsjodler „Holladahietiii“ wurde freudig erwidert, ebenso wie der gemeinsam zelebrierte Hallo-Scherz, bei dem Otto mit der berühmten Knödel-Stimme zunächst "Hallo Palma" ins Publikum ruft, und das dann mit „Hallo Otto“ antwortet.
Auch Mr. Universum ist ein Otto-Jünger
Auch den anzüglichen Abschlussscherz ließ Otto in der Begrüßungszeremonie nicht aus, der Mann weiß was sich gehört. Er fragt, ob alle Väter da sind, die rufen Ja, und Otto fragt – Schelm wie er ist – ob denn alle sicher seien, auch wirklich der Vater zu sein. Die Kamera kann anschließend tatsächlich sich vor Lachen biegende Männer zeigen.
Gottschalk bittet Otto daraufhin auf die Couch, zusammen winken sie in die Runde, Waalkes zeigt kurz seinen Blödelbardengang, bei dem er verlässlich die Arme anzieht, die Hände zu Klauen geformt und dabei abwechselnd die Knie hochzieht. Otto ist eine verlässliche Marke. „Mit wem bist du so aufgewachsen – comedymäßig?“ fragt Gottschalk den Bodybuilder Ralf Möller, der schon auf der Couch sitzt. "Mit Otto Waalkes", antwortet der.
Schenkelklopfer fürs Volk
Als Dankeschön gibt Otto gleich noch was mit der Gitarre zum Besten. "Ich kannte ein Mädchen aus Grunewald, da wurd' mir die Harpune kalt." Gottschalk lacht, Publikum lacht, das passt. Ebenso wie die Idee, Michelle Hunziker mit Oma-Badehaube ins Wasser zu schubsen oder Otto später auf einem Esel reiten zu lassen. Höhepunkt der Otto-Festspiele ist später die nicht enden wollende La-Ola-Welle der 9000 Zuschauer im Rund, provoziert durch einen aggressiv gut gelaunten Otto-Fanclub.
Das Ausland versteht seinen Humor nicht. In Deutschland sind Otto-Scherze ganz offensichtlich Kult. Seine Tonträger sind immer noch Bestseller, sein erster Film "Otto- der Film" gilt immer noch als erfolgreichste deutsche Kino-Produktion, seitdem systematisch die Zuschauerzahlen erfasst werden. Otto – immer noch ist er ein Zuschauermagnet. Ab September wird er in Berlin im Admiralspalast voraussichtlich wieder vor vollem Haus spielen.
All die, die immer noch über die übermütige Mallorca-Ausgabe von „Wetten Dass..?“ schimpfen, müssen sich sagen lassen, dass sie ganz offensichtlich das falsche Programm gewählt haben. Wer nach 28 Jahren ("Wetten, dass..?") beziehungsweise 36 Jahren (Otto schaffte 1973 seinen Durchbruch mit der Otto Show) immer noch nicht gemerkt hat, dass bei diesen beiden nichts Neues zu erwarten ist, dem ist wohl auch nicht mehr zu helfen.
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