Prominenz im Blut: Wie Kinder von Stars ins Rampenlicht treten
VON DÉSIRÉE LINDE - zuletzt aktualisiert: 14.01.2011 - 21:23Los Angeles/Berlin (RP). Der Nachwuchs von Stars wie Madonna, Til Schweiger und Will Smith tritt oft schon im Kindergartenalter in die Fußstapfen der Eltern. Die sind stolz und versichern, dass die Sprösslinge selbst ins Rampenlicht gedrängt hätten.
Willow Smith hat ein Statement abgegeben, das aus dem Mund einer Neunjährigen ungewöhnlich klingt: „Niemand darf einem sagen, was richtig und was falsch ist. Man soll keine Angst haben, seinen eigenen Weg zu gehen.“ Gesagt hat das die Tochter von Schauspieler Will Smith über die Botschaft ihrer ersten Single, die vor kurzem erschienen ist.
In „Whip my hair“ (Schleudere mein Haar) taucht sie ihre Zöpfe in Farbe, marschiert in ein tristes Klassenzimmer und wirbelt solange den Haarschopf bis alles bunt ist. Professionelles Video, Botschaft für all die Neunjährigen da draußen, die sich noch von ihren Eltern sagen lassen, was sie zu tun haben, fachmännisch geschminkt und zurechtgemacht: Willow wird zum kleinen Star gemacht.
Bruder Jaden (12) ist es längst. In sechs Filmen hat er schon mitgespielt, meist an der Seite seines Vaters, wie etwa in seinem ersten Streifen „Men in Black II“. Da war er gerade mal vier Jahre alt. Die Ausnahme sind die Smiths nicht: Immer mehr Stars und Sternchen wollen ihren Nachwuchs auf dem Laufsteg, hinter dem Mikro oder der Kamera sehen.
Ganz nebenbei bessern die Promis so die ohnehin schon gut gefüllten Familienkassen mit dem Geld auf, das sich der Nachwuchs erspielt, -singt und -designt. Madonnas Tochter Lourdes (13) etwa brachte eine eigene Modereihe auf den Markt und lieh sich passenderweise dafür den Titel eines der Lieder der Mama: „Material Girl“.
Victoria und David Beckhams Sohn Romeo entwirft mit acht Jahren bereits eigene Sonnenbrillen. Meist bleiben die Star-Sprösslinge aber in der Branche ihrer berühmten Eltern, wie auch Til Schweigers jüngste Tochter Emma Tiger. Sie stand als Fünfjährige in „Keinohrhasen“ erstmals vor der Kamera.
Jimi Blue Ochsenknecht, Sohn von Uwe Ochsenknecht, war da mit knapp acht Jahren schon fast ein Spätzünder, als er im Doris Dörrie-Film „Erleuchtung garantiert“ erstmals auftrat. US-Schauspielerin Tori Spelling („Beverly Hills 90210“) gewährt dem Zuschauer mit Ehemann Dean McDermott, Sohn Liam (3) und Tochter Stella (2) sogar den ganz privaten Blick in den Familienalltag mit einer eigenen Reality-Serie.
In dieser täglichen Intensität wie bei Familie Spelling wäre das Filmen in Deutschland für den Nachwuchs schwer. Wenn Kinder arbeiten, greift hierzulande ein strenger Jugendarbeitsschutz. So müssen etwa Stellungnahmen von Arzt, Schule und Jugendamt vorliegen. Erst dann darf die Bezirksregierung die Kinderarbeit genehmigen. Tut sie das nicht, darf der Nachwuchs noch nicht einmal an Castings teilnehmen.
In NRW muss bei Dreharbeiten, die länger als 30 Tage dauern, sogar eine „medienpädagogische Fachkraft“ das Kind betreuen. Das Landesarbeitsministerium wirbt dafür, diese Regelung bundesweit einzuführen. Der Düsseldorfer Arbeitsrechtler Joachim Piezynski sieht aber immer noch einen großen Ermessensspielraum bei den Eltern. Manchmal zu groß, denn „die Eltern schießen manchmal übers Ziel hinaus“, sagt der Fachmann.
Das sah die Bezirksregierung Düsseldorf im Fall von Anna Ermakowa (10) so. Vor drei Jahren gab es deshalb Ärger für eine Kosmetikfirma, die die Tochter von Boris Becker und Angela Ermakova auf der Kosmetikmesse in Düsseldorf Nagellack für Kinder präsentieren ließ. Dafür flatterte dem Unternehmen ein Bußgeldbescheid wegen illegaler Kinderarbeit ins Haus.
Vater Boris ließ mitteilen, ihn störe die Vermarktung seiner Tochter und schaltete einen Anwalt ein. Da ist der Ex-Tennisstar die Ausnahme. Denn weder vermarktende Eltern noch vermarktete Kinder werden müde, zu betonen, dass der Nachwuchs ja selbst so gern ins Blitzlichtgewitter gewollt habe und zu überhaupt nichts gedrängt würde.
Auch nicht zu den mehreren Stunden hartem Trainings, das Jaden Smith vor dem Dreh zu seinem Film „Karate Kid“ absolvieren musste. Jaden hätte „unglaubliche Energie“ und wolle gute Filme drehen, verriet stolz Vater Will Smith. Der Lohn: ein stählernes Sixpack im Alter von zwölf Jahren und umgerechnet 130 Millionen Euro, die der Film allein in den USA einspielte.
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