Whitney Houston als umjubelter Gast des Abends: Women's World Award: Fragezeichen und Absagen
zuletzt aktualisiert: 10.06.2004 - 11:52Hamburg (rpo). Einen Handkuss für Iris Berben, ein Küsschen auch für Bianca Jagger: Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow übereichte am Mittwochabend zum ersten Mal den Women's World Award. Viele Promis kamen, doch es hagelte auch Absagen. Und so manche Dame fragte sich, warum sie den Preis überhaupt bekommen hat.
Bis zuletzt gezittert wurde um das Erscheinen von Whitney Houston. Doch die Sängerin erschien nach einigen Wirrungen um die Landeerlaubnis ihres Privatjets gemeinsam mit Tochter und Ehemann Bobby Brown. Ebenso wie ihre Tante Dionne Warwick nahm sie die 45 Zentimeter große Kristallstatue für ihr Lebenswerk entgegen. Houston bedankte sich artig, verzichtete auf die Pressekonferenz und verschwand.
Hätte es einen Preis für das skurrilste Outfit gegeben, er hätte der Designerin Vivienne Westwood gebührt. Mit frechem feuerroten Zopf, riesigen Ohrringen und einem Patchwork-Kleid erschien die 63-Jährige im Pippi-Langstrumpf-Look und machte ihrem Namen als "Enfant terrible" der Modeszene alle Ehre: Fragen der Presse mochte sie nicht beantworten, stattdessen nutzte sie die Statue für einige obszöne Posen.
Nena: "Das ausgerechnet ich dabei bin"
Zu den glücklichsten Menschen des Abends zählte fraglos Schauspielerin Diane Kruger ("Troja"), die für ihren kometenhaften Aufstieg in Hollywood geehrt wurde und ihr Glück kaum fassen konnte. "Meine wildesten Träume werden wahr", gestand Kruger. Es bedeute ihr viel, in Deutschland anerkannt zu sein, erklärte die 27-Jährige, die in Hildesheim geboren wurde und seit zehn Jahren in Frankreich lebt.
Auch Sängerin Nena strahlte. "Dass ausgerechnet ich dabei bin, macht mich echt glücklich, Leute", sagte die 44-Jährige, die den Preis in Fetzenjeans und T-Shirt übernahm. "Ich werde in dieser Nacht mal drüber nachdenken, wofür ich ihn bekommen habe", erklärte sie.
Topmodel und Schauspielerin Nadja Auermann fühlte sich unter den vielen sozial engagierten Persönlichkeiten wohl etwas verloren. "Mit Stil und Eleganz kann man nicht viel verändern", erklärte sie. Naomi Campbell wurde für ihre Karriere als erstes schwarzes Topmodel geehrt. "Ich fühle mich als Großmutter meines Berufs", gestand sie und nutzte die Gelegenheit, für ihr neues Parfüm Reklame zu machen.
Zum ersten Mal Women's World Awards verliehen
Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow hatte zum ersten Mal zur Verleihung der Women's World Awards geladen, nachdem Männer, die sich für Frieden und Toleranz eingesetzt und "die Welt ein wenig besser gemacht haben", bereits seit vier Jahren geehrt werden. "Ohne die Liebe und das Engagement der Frauen wäre die Welt heute nicht dort, wo sie ist", lobte der ehemalige russische Staatschef.
Und so gingen die ersten Women's Awards unter anderem an Menschenrechtlerin Bianca Jagger für ihr weltweites Engagement, Schauspielerin Iris Berben für ihre Arbeit zur jüdisch-deutschen Aussöhnung und die somalische Schriftstellerin Waris Dirie für ihren Einsatz gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen in Afrika.
Bianca Jagger, die schöne Ex-Frau von "Rolling Stone" Mick Jagger, widmete ihren Preis, die 41 Zentimeter hohe Kristallglasstatue, "allen unterdrückten Frauen der Welt" und fiel durch eine besonders politische und kämpferische Rede auf. Auch Iris Berben mahnte das Publikum, "nicht nur auf die schönen Kleider zu achten, sondern auch auf die Inhalte dieses Abends".
Es gab eine Reihe von Absagen
Doch es gab auch eine Reihe von Absagen, die das Publikum verschmerzen musste. Sängerin Cher hatte erst zwei Stunden vor der Gala wegen privater Probleme, angeblich mit ihrer Tochter, ihre Zusage zurückgezogen. So erhielt sie die Auszeichnung in Abwesenheit für ihre außergewöhnliche Karriere als eine der erfolgreichsten Sängerin aller Zeiten. Auch die amerikanische Talkshow-Ikone Oprah Winfrey kam nicht nach Hamburg, denn die Aufzeichnung ihrer Sendungen ging vor. Dafür bedankte sie sich per Videoschaltung für die Ehrung. Ebenfalls per Video meldete sich CNN-Kriegsreporterin Christiane Amanpour. Sie musste ihr Erscheinen in der Hansestadt absagen, weil ihr Sender sie erst vor wenigen Tagen wieder in den Irak beordert hatte.
So mussten die tatsächlich Erschienenen für Glanz sorgen: Das taten Supermodel Naomi Campbell, die junge deutsche Schauspielerin Diane Kruger, die derzeit an der Seite von Brad Pitt in dem Hollywoodfilm "Troja" zu sehen ist, Sängerin Nena, Model und Schauspielerin Nadja Auermann und Charity-Lady Ute-Henriette Ohoven, die alle für das Besondere, das sie auf ihrem Gebiet geleistet haben, eine 2,5 Kilogramm schwere Kristallstatue in Empfang nahmen. Die britische Designerin Vivienne Westwood, gestylt wie eine Kreuzung aus Wilma Feuerstein und Pippi Langstrumpf, setzte einen temperamentvollen Lichtpunkt zwischen den ansonsten superelegant gekleideten schönen Frauen.
Die World Awards erlebten 2000 ihre Premiere, als Gorbatschow erstmals in Wien Auszeichnungen an Männer verlieh, die sich für Frieden und Toleranz eingesetzt hatten. Zu den Preisträgern, die seither jährlich ermittelt werden, gehörten unter anderem Michael Douglas, Christopher Reeve, Paul McCartney, Morgan Freeman und Papst Johannes Paul II. Seit 2002 plante die World Awards Organization einen eigenen Weltpreis nur für Frauen, der jetzt erstmals vergeben wurden. Auch künftig werde diese Trennung zwischen Männer- und Frauenpreisen beibehalten, sagte Gorbatschow.
Bescheidene Zuschauerresonaz
Trotz des monatelangen PR-Rummels war die Resonanz beim Publikum recht bescheiden. Bei Preisen bis zu 500 Euro pro Eintrittskarte blieben viele Reihen leer. Vor dem CCH versammelten sich nur rund 100 Fans, viele von ihnen Frauen in orangen T-Shirts, die mit Schildern wie "Shame on Hamburg" gegen die Schließung des Frauenhauses protestierten. Prominente Unterstützung erhielten sie von Preisträgerin Bianca Jagger. "So etwas sollte nicht passieren", erklärte die 54-Jährige, die für ihr soziales Engagement geehrt wurde, in ihrer Dankesrede.
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