Debatte über TV-Qualität: ZDF schimpft über Heidenreich
zuletzt aktualisiert: 16.10.2008 - 21:41München (RPO). ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut nimmt Elke Heidenreich die Angriffe auf Thomas Gottschalk übel. Er stellt indirekt infrage, ob sie ihre Sendung "Lesen!" weitermachen kann. Heidenreich hatte gesagt, sie schäme sich, in so einem Sender zu arbeiten.
Bellut sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Ich frage jetzt aber mal Frau Heidenreich: Können Sie denn überhaupt noch für einen Sender arbeiten, den Sie so schrecklich finden?"
Der Programmchef legte sich nicht fest: "Wie sich das mit Frau Heidenreich weiterentwickelt, kann ich nicht sagen. Der ZDF-Intendant (Markus Schächter) hat ihr einen Brief geschrieben", erklärte er.
Heidenreich, die seit fünf Jahren Bücher in ihrer Sendung vorstellt und empfiehlt, hatte nach der spektakulären Brandrede des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki beim Deutschen Fernsehpreis in einem Zeitungsbeitrag geschrieben, sie schäme sich, beim ZDF zu arbeiten. Sie bot an: "Von mir aus schmeißt mich doch raus."
Außerdem attackierte sie in ihrem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" Thomas Gottschalk, der die Fernsehpreis-Laudatio auf Reich-Ranicki halten durfte. Sie sei mit Reich-Ranicki einig gewesen, dass sie diese halten sollte, schrieb sie. Gottschalk habe "ein paar lächerliche, banale und demütigende Sätze" über Reich-Ranicki gesagt. Der 88-Jährige hatte zwar den Ehrenpreis abgelehnt, aber Thomas Gottschalk gelobt und ihm das Du angeboten.
Bellut sagte zu Heidenreich, er könne nicht zulassen, dass ein Kollege wie Gottschalk so ungerecht angegriffen werde. "Über das Verhalten und die Worte von Frau Heidenreich bin ich auch persönlich enttäuscht." Sie hatte Programmdirektoren und Intendanten als "verknöcherte Bürokarrieristen" bezeichnet.
Heidenreichs Vertrag mit dem ZDF endet nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" im Dezember, für ihre letzte Sendung habe sie kurioserweise Thomas Gottschalk eingeladen. Er habe inzwischen absagen lassen, hieß es.
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