Jubiläum: Zeitumstellung am Wochenende
zuletzt aktualisiert: 26.03.2005 - 20:31Bonn (rpo). In der Nacht von Samstag auf Ostersonntag ist es wieder soweit und die Uhren werden eine Stunde vorgestellt. Dies geschieht nun schon seit 25 Jahren und seit 25 Jahren wird auch über die Sommerzeit gestritten.
Das ursprüngliche Ziel Ende der 70er Jahre, dadurch Energie zu sparen, wurde bekannterweise nicht erreicht. Und so haben Befürworter und Gegner wenigstens einmal im Jahr die Möglichkeit, sich über den Sinn oder Unsinn der Umstellung auszulassen - und darüber nachzugrübeln, ob die Uhr nun vor- oder zurückgestellt wird.
"Summertime - and the living is easy." Die Sommerzeit verleiht dem Leben Leichtigkeit. So jedenfalls sieht es der weltberühmte Song von George Gershwin. Diese Bedeutung verbindet hier zu Lande nicht jeder mit dem Begriff Sommerzeit.
Wenn in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag die Zeit wieder umgestellt wird, setzen die alljährlich wiederkehrenden Mutmaßungen wieder ein: Ist die Uhr nun eine Stunde vor- oder im Gegenteil zurückzustellen? Die Zweifel sind nicht auszurotten, obwohl die Sommerzeit die Bürger der Bundesrepublik Deutschland nun schon 25 Jahre lang begleitet, seit dem 6. April 1980.
Genau genommen reicht die Geschichte der Sommerzeit bis ins Jahr 1783 zurück, als der amerikanische Universalgelehrte Benjamin Franklin empfahl, durch eine Zeitumstellung Kerzenlicht einzusparen - ein Vorschlag, der zunächst über 130 Jahre unberücksichtigt blieb.
Erst im Jahr 1916 wurde im Deutschen Reich die weltweit erste Sommerzeit eingeführt, die dann aber bereits nach drei Jahren wieder abgeschafft wurde. Zwischen 1940 und 1949 gab es in Deutschland dann noch eine kriegsbedingte Sommerzeit, die in der "Hochsommerzeit" des Jahres 1947 ihren Höhepunkt erreichte, als die Uhren zwischen dem 11. Mai und dem 29. Juni sogar um zwei Stunden vorgestellt wurden.
Bei all diesen Maßnahmen hatten volkswirtschaftliche Interessen eine wichtige Rolle gespielt. Und sie waren es auch, die Ende der 70er Jahre die Wiedereinführung der Sommerzeit bestimmten.
Die Ölkrise und das damit verbundene Bewusstsein der Begrenztheit der weltweiten Energiereserven waren in dieser Zeit ein vorrangiges Thema der Politik. Neben der erhofften Energiespareffekte war für Deutschland aber auch die Anpassung an die Nachbarländer ein vorrangiges Ziel der Zeitumstellung, welche 1978 gesetzlich festgelegt wurde.
Schon wenige Jahre nach der Einführung konnte nachgewiesen werden, dass das mit der Sommerzeit verfolgte Ziel der Energieeinsparung nicht erreicht wurde. Zwar wird erwartungsgemäß an der Abendbeleuchtung gespart, zugleich aber steigen die Aufwendungen für die morgendliche Beheizung der Wohnungen, so dass die Energiebilanz der Reform eher negativ ausfällt. Trotzdem stößt die Sommerzeit bei der Mehrheit der Bevölkerung auf Akzeptanz. Man genießt einfach die längere Helligkeit an Sommerabenden.
Unumstritten war die alljährliche Zeitumstellung jedoch nie, und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Ihre Gegner führen ins Feld, die Anpassung an den neuen Tagesrhythmus dauere mehrere Tage, sei gesundheitsschädlich und verringere die Produktivität. Sie verweisen darauf, dass sich in der Zeit kurz nach der Zeitumstellung regelmäßig mehr Autounfälle als sonst ereignen. Auch werde die Landwirtschaft nachhaltig geschädigt: Die Milchkühe nämlich benötigten jeweils ein bis zwei Wochen, um sich auf die neuen Melkzeiten einzustellen.
Allein in Deutschland gab es bisher drei verschiedene Initiativen von Sommerzeitgegnern, die der Zeitumstellung als einem "als Wohltat maskierten Übel" den Kampf angesagt haben und dabei auch vor harten persönlichen Konsequenzen nicht zurückschreckten. So schickte eine Mutter im Allgäu ihre Kinder zur selben tatsächlichen Zeit in die Schule wie vor der Umstellung - wie tolerant die Schulleitung auf die regelmäßigen Zu-spät-Kommer reagierte, ist nicht bekannt.
Derartige Initiativen dürften jedoch in Zukunft weniger denn je von Erfolg gekrönt sein, ist die Durchführung der Sommerzeit mittlerweile doch längst europaweit geregelt: Im Jahr 1994 wurden die in der Europäischen Union bis dahin geltenden unterschiedlichen Sommerzeitregelungen vereinheitlicht, was für Deutschland zur Folge hatte, dass die Sommerzeit seit 1996 nicht bereits Ende September, sondern erst am letzten Sonntag im Oktober endet. Diese Regelungen gelten für unbestimmte Zeit. So widersinnig es also - rein jahreszeitlich betrachtet - klingen mag: Ein Ende der Sommerzeit ist nicht abzusehen!
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