Berlin (rpo). Der Poker um die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga ab 2006 ist eröffnet: Uli Hoeneß fordert, dass ARD und Premiere mehr Geld an die Deutsche Fußball Liga (DFL) zahlen müssen. Der Bayern-Manager rät der ARD dringend zu einer Gebührenerhöhung.
"Die ARD verdient doch gutes Geld an der Bundesliga. Sie macht einen Gewinn." Foto: AP
"Wir müssen die Fernseheinnahmen beim nächsten Vertragsabschluss auf mindestens 500 Millionen Euro bringen. ARD und Premiere müssen in Zukunft mehr Geld bezahlen, da geht kein Weg dran vorbei", erklärte der Manager des deutschen Rekordmeisters Bayern München in einem Interview mit der "Welt am Sonntag".
Zur Finanzierung seiner Forderung rät Hoeneß besonders der ARD als derzeitiger Inhaberin der Free-TV-Rechte, die momentan zusammen mit dem Pay-TV-Sender Premiere rund 300 Millionen Euro pro Saison an die Deutsche Fußball Liga (DFL) überweist, zu einer Gebührenerhöhung: "Wir müssen den Zuschauer etwas belasten, der zuhause vor dem Fernsehschirm sitzt und die Bundesliga verfolgt. Wenn zehn Cent mehr Gebühren bezahlt werden müssen - was ist denn schon dabei? Alle wollen künftig besseren Fußball und bessere Spieler sehen, dann muss aber auch etwas passieren, dass dies finanziert werden kann."
Der Weltmeister von 1974 begründet seine Ansprüche mit dem internationalen Marktwert der Ware Fußball. "In allen anderen Ländern steigen die Fernsehhonorare extrem. Es kann nicht sein, dass ein viel kleineres Land wie Frankreich 500 Millionen Euro an die Liga bezahlt. Ganz zu schweigen von den Zahlen in Italien oder England. Dort kassieren die Ligen jeweils eine Milliarde und noch höhere Beträge", erläuterte Hoeneß seine Sichtweise und verwies auf die Quoten-Entwicklung bei der ARD-Sportschau: "Die ARD verdient doch gutes Geld an der Bundesliga. Sie macht einen Gewinn. Die Werbeeinnahmen sind gekoppelt mit der Quote, da ist noch Luft nach oben."
"Das ist ein Witz"
Von höheren TV-Einnahmen erwartet Hoeneß eine generelle Verbesserung der Finanzlage bei den Klubs. "Das Loch in unseren Büchern entsteht durch das Fernsehen. Das ist ein Witz", meinte der Bayern-Manager.
Derzeit seien hohe Bilanzgewinne nicht möglich: "Unser Ziel ist es ja nicht, als Verein mit einem Gewinn pro Geschäftsjahr von einer halben Million Euro herumzugurken. Wir wollen Substanz schaffen. Und das schafft man nur, wenn pro Geschäftsjahr ein Gewinn von fünf bis zehn Millionen Euro erzielt wird. Doch das ist kaum noch zu schaffen, wir müssen immer an unsere Grenzen gehen."
Hoeneß' Angaben zufolge werden die Bayern unter den gegebenen Umständen weiterhin besonders bei den Personalkosten entschlossen auf Sparkurs steuern: "Wir müssen bei den Spieler-Gehältern noch mehr mit spitzem Bleistift rechnen. Generell glaube ich, dass es in den nächsten Jahren keine Gehaltserhöhungen für einen Spieler mehr gibt. Im Gegenteil: Es muss weitere Reduktionen geben, sonst kommen wir auf keinen grünen Zweig mehr."
Quelle: sid