Schon bald könnten die Bundesliga-Spiele bei der ARD laufen. Foto: Archiv
Premiere will keine Zugeständnisse machen: Fußball-Poker: DFB signalisiert Kompromiss-Bereitschaft
zuletzt aktualisiert: 18.06.2003 - 19:34München (rpo). Im TV-Poker um die Bundesliga-Rechte kündigt sich ein Lösungsweg an: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat hinsichtlich der Anstoßzeit am Sonntag Kompromissbereitschaft gezeigt. Indes will Premiere keine Zugeständnisse an die ARD machen.
"Wir sind mit der DFL im Gespräch. Allen Beteiligten ist klar, dass Gesprächsbedarf besteht", erklärte DFB-Pressechef Harald Stenger auf sid-Anfrage. Allerdings bedürfe es im Falle einer Vorziehung der Begegnungen von bisher 17.30 Uhr nach wie vor einer "Änderung des Grundlagenvertrags" zwischen dem Verband und der Deutschen Fußball Liga (DFL).
Der DFB befindet sich in einer Zwickmühle: Der Verband, der die Amateurspiele schützen möchte, will gleichzeitig den finanzknappen Profi-Klubs entgegenkommen - und ein Bundesliga-Engagement des ZDF nicht grundsätzlich blockieren. Am 26. Juni trifft sich das DFB-Präsidium auf seiner nächsten turnusmäßigen Sitzung. Dann könnte der DFB eventuell eine Entscheidung über die Änderung des Grundlagenvertrages treffen.
Der Pay-TV-Sender Premiere kündigte an, man werde keine Zugeständnisse an die ARD machen. Die Bedingung des öffentlich-rechtlichen Senders, Premiere solle auf seine Zusammenfassung "Alle Spiele, alle Tore" verzichten, werde sich kaum erfüllen lassen. Premiere-Chef Georg Kofler sagte Bild: "Wer das von uns verlangt, den werfe ich persönlich zur Tür raus. Ich bin empört, wie unsere Rechte in Frage gestellt werden."
Die ARD, die nach eigenen Angaben kurz vor dem Erwerb der Erstverwertungsrechte für die Samstagspartien steht und den Vertrag noch in dieser Woche perfekt machen möchte, würde aus politischen Gründen gerne das ZDF an seiner Seite haben. Um aber von den Begegnungen in der Sportreportage berichten zu können, müssten die Anstoßzeiten auf 16.30 Uhr oder sogar 15.30 Uhr vorverlegt werden. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hatte gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärt, ein "Fußball-Schwerpunkt von 17.30 Uhr bis 19 Uhr wäre für uns ein schöner Sport-Nachmittag am Sonntag". Neben den beiden Erstliga-Begegnungen am Sonntag wolle das ZDF dort dann auch umfangreicher als bisher aus der Zweiten Liga berichten, schreibt die SZ weiter.
Fraglich ist aber, inwieweit dies überhaupt möglich ist. Schließlich besitzt das DSF, das selbst immer noch an Erstliga-Spielen am Sonntag interessiert ist, einen unterschriebenen Vertrag über die Erstverwertungsrechte an der Zweiten Liga und will sonntags weiter ab 17.30 Uhr Ausschnitte vom Fußball-Unterhaus präsentieren. Und selbst wenn sich das ZDF auf die Erste Liga am Sonntag beschränken würde, gäbe es sicherlich großen Ärger, sollte sich der Sendetermin mit der DSF-Berichterstattung zeitlich überschneiden. Denn wer will im DSF noch Zweite Liga sehen, wenn er die Erste im ZDF verfolgen kann?
In der ARD gibt es derweil Diskussionen, ob Köln der Standort der Sportschau bleibt. Im Gespräch sind auch München und Hamburg. In der Präsentation der Sendung, die von 18.10 Uhr bis 19.45 Uhr laufen wird, soll jedenfalls der Sport und nicht die Show im Vordergrund stehen. Wie die Werbung in die Sportschau eingebettet wird, ist noch nicht endgültig geklärt. Diskutiert wird derzeit, zu Beginn und zum Ende der Sendung einen Block zu bringen.
Die sieben Begegnungen sollen kompakt präsentiert werden - und möglicherweise nur einmal von Werbung unterbrochen werden. Für die Moderation gelten Gerhard Delling und Reinhold Beckmann als die heißesten Kandidaten.
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