Köln (RP). Hat Martin Sonneborn den Bogen überspannt? Der WDR verbannt die "Zimmer frei"-Folge mit dem ehemaligen Chef des Satire-Magazins "Titanic" ins Archiv. Über die Gründe wird jetzt spekuliert.
Die "Zimmer frei"-Folge, in der Martin Sonneborn zu Gast war, wird nicht ausgestrahlt. Foto: AP
Das Satiremagazin nahm es mit dem ihm eigenen Humor: "Der WDR hat sich entschieden, die Sendung "Zimmer frei" mit Martin Sonneborn und Gastauftritten von Oliver Maria Schmitt, Thomas Hintner und Friedrich Nowottny, die für den 4. Oktober angekündigt war, aus Gründen lieber nicht auszustrahlen", teilte "Titanic" auf seiner Internetseite zum Wochenende mit.
Welche Gründe dazu führten, dass für den früheren "Titanic"-Chefredakteur Sonneborn beim WDR weder ein Zimmer noch ein Sendeplatz frei waren, schrieb das Magazin freilich nicht. Aus WDR-Sicht war Sonneborn schlicht zu schlecht, um gesendet zu werden.
"Inhaltlich genügte die Sendung unseren Maßstäben nicht", so WDR-Sprecherin Kristina Bausch auf Anfrage unserer Redaktion. Und so bekamen die WDR-Zuschauer am Sonntagabend statt Sonneborn die Schauspielerin und Sängerin Dorkas Kiefer als Gast von Christine Westermann und Götz Alsmann zu sehen, die nach dem WDR-Plan eigentlich erst am 22. November dran gewesen wäre. Was hatte Sonneborn bloß angerichtet?
Die Redaktion habe Sonneborn bereits im Vorfeld der Sendung darauf hingewiesen, dass sie es für schwierig halte, wenn Sonneborn während der ganzen Sendung in die Rolle des Vorsitzenden der Satire-Partei "Die Partei" schlüpfe, so WDR-Sprecherin Bausch. Mit der "Partei" hatte der frühere "Titanic"-Chef ernsthaft bei der Bundestagswahl antreten wollen, war jedoch vom Bundeswahlleiter nicht zugelassen worden.
Um für "Die Partei" zu werben, hatte Sonneborn wenige Wochen vor der Wahl in Berlin bereits die Bühne der Pressekonferenz zum Horst Schlämmer-Film von Hape Kerkeling an sich gerissen und war von Sicherheitsmitarbeitern freundlich aus dem Saal gebeten worden. Die "Zimmer frei"-Redaktion ging wohl davon aus, Sonneborn überzeugt zu haben, doch der entschied sich während der Aufzeichnung der Sendung Anfang September dann wohl doch in Bocklemünd den Bockigen zu machen.
Aus Berichten des Studio-Publikums heißt es, Sonneborn habe die Interview-Parts der Sendung mehr oder weniger ins Leere laufen lassen. Aus den Musikern einer Feuerwehr-Kapelle wurde ein menschliches Xylophon gebildet, jedem Musiker und seinem Instrument wurde ein bestimmter Ton zugeordnet.
Daraus hätte Sonneborn die Nationalhymne erkennen sollen, was ihm wohl nicht gelang. Man schätze Sonneborn sehr, so Bausch, die Redaktion sei nach der Aufzeichnung jedoch zu dem Ergebnis gekommen: "Es hat einfach nicht funktioniert."
Die ungesendete Sonneborn-Sendung ist nicht die erste "Zimmer frei"-Folge, die nicht über den Sender ging. 2003 wurde eine Sendung mit dem Fotografen Jim Rakete aufgezeichnet, die - ohne Angabe von Gründen - bis heute nicht ausgestrahlt wurde.
Eine Ausgabe mit dem Moderator Cherno Jobatey aus dem Jahr 1999 sendete der WDR erst 2003. Christine Westermann und Götz Alsmann hatten Jobatey so sehr geärgert, dass dieser vorübergehend das Studio verließ. "Zimmer frei" gehört zu den erfolgreichsten TV-Formaten des WDR-Fernsehens und wird seit 1996 wöchentlich sonntags ausgestrahlt. Am 11. Oktober gibt's die 500. Folge zu sehen.
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