(RP) Vor 100 Jahren erhielt der Deutsche Karl Ludwig Nessler das Patent für eine Dauerwellen-Apparatur. Sie erfüllte jeder Frau den Wunsch nach einer Lockenmähne. Das Friseur-Handwerk hat ihre Renaissance ausgerufen. Viele Stars und Promis setzen schon seit langem auf den Locken-Look.
Katharina Laible hat ihren Kopf hingehalten aus Liebe. Sie war die Ehefrau und erste Testperson des Friseurs Karl Ludwig Nessler. Der Schwarzwälder suchte Anfang des 20. Jahrhunderts mit Hilfe von heißen Drähten und ätzenden Lösungen nach dem Geheimnis haltbarer Locken. Eine erste Haarsträhne auf Katharina Laibles Schopf löste sich direkt von der Haut, eine zweite verschwand unter einer üppigen Brandblase.
Erst die dritte blieb selbst nach mehrfachem Waschen geringelt. Die Dauerwelle und die „Permanent Wave Machine”, die Nessler in London im Februar 1910 als sein Patent anerkennen ließ, war erfunden – eine Idee, die ihre Akzeptanz allerdings schon längst wieder verloren hat.
Denn für die meisten Menschen steht die Dauerwelle für eine Zeit, in der man Friseur noch mit „ö” schrieb und man im Salon Stunden im Chemiedunst unter einer monströsen Trocknungs-Apparatur verbrachte. Sie ist verpönt, weil Frauen (zum Beispiel Popsängerin Madonna) sie besonders in den 80er Jahren mit einem auftoupiertem Pony oder einem seltsam hochstehenden Zöpfchen Modell „Bergheimer Palme” kombinierten. Die Männer (wie die Rocker von „Europe” oder „Bon Jovi”) beschränkten sich auf lange Locken und enge Jeans, gerne aber in Verbindung mit Oberlippenbart und Luftgitarre.
Volumen war das Zauberwort der 80er Jahre, das bei der Kleidung einherging mit Fledermausärmeln, Schulterpolstern und Ballonröcken mehr Schein als Sein lautete die modische Maxime an Kopf und Körper. Wegen Nesslers Erfindung machen immer noch mehrere Generationen die Welle, sollen sie Jugendbilder oder ihren Führerschein vorzeigen. Und: Es kann kein Zufall sein, dass mit der Dauerwelle auch der Pudel von den Gehwegen verschwunden ist.
Frauenträume befriedigt
Dabei erfüllte der experimentierfreudige Schwarzwälder mit der anfangs sechs Stunden dauernden Prozedur Frauenträume. Denn seit Jahrtausenden beherrscht der Wunsch nach Locken die Frisurenkunst. Schon vor mehr als 3000 Jahren drehten Ägypterinnen Haarsträhnen auf tönerne Wickler, die Römerinnen kannten schon wärmende Ummantelungen für einen besseren und anhaltenden Dreh.
Es folgten Brenneisen, mit denen besonders auf höfischen Häuptern Locken aufwendig-verführerisch gelegt wurden. Doch nichts war von langer Dauer, trotzte Regen und Sturm, bis Nessler sein Verfahren entwickelte, begleitet von den Schmerzensschreien seiner Frau.
Längst vergessen geglaubte Mode kehrt immer in Wellen zurück – auch die Dauerwelle. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks hat die Renaissance der chemischen Krause ausgerufen. Hollywoodstars wie Sarah Jessica Parker („Sex and the City”) tragen sie schon auf dem Kopf zur Schau. Doch viele werden es ihr nicht nachmachen, vermuten die Friseure – Minipli und andere Kringel des Grauens haben zu tiefe Spuren hinterlassen.
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Quelle: RP