Mode für Schwangere: Bauch betonen statt verstecken
zuletzt aktualisiert: 27.04.2005 - 16:14Berlin/Düsseldorf (rpo). Wer schwanger ist, will verständlicherweise auf modische Kleidung nicht verzichten. Immer mehr werdende Mütter tragen stolz ihre Bäuche zur Schau - nicht nur im Privaten, sondern vor allem auch im Beruf und bei festlichen Anlässen. Diverse junge Label haben sich auf Schwangerschaftsmode spezialisiert und sorgen dafür, dass eine Schwangere nicht in Latzhose in die Oper oder zu einer Besprechung gehen muss.
Der puren Verzweiflung verdankt die ehemalige Modedesign-Studentin Mareike Spiering ihre Geschäftsidee - und viele Schwangere verdanken ihr trendige Mode. "Noch während des Studiums wurde ich schwanger und fand einfach keine modischen Klamotten. Alles kam so altbacken daher", erinnert sich die Berlinerin. Also entwarf Spiering einfach ihre eigene Kollektion: Erst für sich, seit April 2002 unter dem Label Mia Nana auch für Kundinnen. Mittlerweile hat Spiering zusammen mit ihrer ehemaligen Kommilitonin Christiane Bär den zweiten Laden in der Bundeshauptstadt eröffnet.
Die eigene leidvolle Erfahrung während der Schwangerschaft brachte auch Dana Schweiger, Ehefrau von Til Schweiger, Schauspielerin Ursula Karven und zwei ihrer Freundinnen auf die Idee, selbst etwas für künftige Muttis zu tun. 1997 gründeten sie das Unternehmen bellybutton. Zunächst brachten sie Pflegeprodukte auf den Markt, seit 2001 auch eine eigene Modelinie.
"Wir verbinden Qualität und Lifestyle", erläutert Unternehmenssprecherin Vera Müller die Firmenphilosophie. Dazu passen weder kitschige Muster noch zeltartige Kleidungsstücke - die bellybutton-Modelle sollen aussehen wie Mode, die Frauen auch sonst tragen würden. Trendige Jeans – mal mit Ober-, mal mit Unterbauchbündchen - gehören daher ebenso in die aktuelle Kollektion wie Seidentunikas in den Trendfarben Grün und Pink, Wickelkleider und -Jacken sowie Jeansröcke.
"Keine Schwangere will sich heute noch in Sack und Asche kleiden", ist Modedesignerin Spiering überzeugt. Stattdessen tragen immer mehr Frauen stolz ihre Bäuche zur Schau – nicht nur im Privaten, sondern vor allem auch im Beruf und bei festlichen Anlässen. "Fast jede zweite Frau, die zu uns kommt, will vor der Geburt noch heiraten und sucht dafür das passende Outfit", erzählt Spiering. Deswegen hat Mia Nana auch Brautkleider aus Taft, elegante Outfits für die standesamtliche Trauung und für den Büroalltag im Sortiment.
"Wir bieten Mode für schwangere Frauen, die nicht in Latzhosen in die Oper oder zu einer Besprechung gehen wollen", erläutert Charlotte Westendorf das Konzept von Formes Paris in Düsseldorf. Vor vier Jahren expandierte das französische Unternehmen nach Deutschland. Mittlerweile bietet Formes in sechs deutschen Großstädten Mode für alle Lebenssituationen. Dabei soll jede Frau ihren eigenen Stil beibehalten können.
Passendes vom ersten bis zum neunten Monat
"Unser Anspruch ist, dass alles vom ersten bis zum neunten Monat passt", sagt Westendorf, auch wenn sie weiß, dass bei den meisten Frauen Hose und Rock erst ab dem dritten oder vierten Monat zwicken. Formes setzt daher auf verschiedene Bündchensysteme: Hosen und Röcke mit seitlich verstellbaren Schnallen und Reißverschlüsse wachsen ebenso mit wie ein breiter Dehnbund aus Rippenstretch sowie verstellbare Gummizüge und integrierte Stretcheinsätze.
"Die Schwangeren müssen sich vor allem wohl fühlen", sagt Vera Müller von bellybutton. Dabei soll die Mode die in den meisten Fällen rundlich werdende Figur umschmeicheln oder gar betonen. Ein leichtes Plissée-Jäckchen, das kurz unter der Brust gebunden wird und so dem wachsenden Bauch ausreichend Platz und Geltung verschafft, ist bei Mia Nana einer der Verkaufsschlager. Geschickter Faltenwurf und kleine Details heben bei der Umstandsmode von Hennes & Mauritz den Bauch hervor.
"Auf viele kleine Details kommt es an", erklärt Formes-Sprecherin Westendorf. So setzen die Franzosen auch auf gut geschnittene Dekolletés und diskrete Brustabnäher. Deswegen rät sie modebewussten Frauen auch davon ab, während der Schwangerschaft einfach zu einer Konfektionsgröße höher zu greifen: "Das sitzt dann oft an den Schulter, an der Brust oder an den Hüften nicht."
Mia Nana-Designerin Spiering hingegen hält das "Eine-Nummer-größer-Prinzip" für eine sinnvolle Übergangslösung. "Viele Frauen haben ja auch nach der Entbindung noch mit ein paar Kilos zu viel zu kämpfen, da passen die größeren Sachen dann wieder."
Egal, wie verschieden sich die schwangeren Körper verändern, ein paar spezielle Basisteile sollte jede werdende Mutter im Schrank haben. "Zwei gut sitzende Hosen oder im Sommer Röcke sind schon ein Muss", empfiehlt Spiering. Doch obwohl sich Schwangere immer stärker in Szene setzen – nach Hollywood-Größen und Pop-Stars nun auch Politikerinnen wie zuletzt die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin - ist es noch immer gar nicht so leicht an die trendige Mode heranzukommen.
Die meisten Firmen bieten deshalb mittlerweile auch einen Bestellservice per Katalog oder Internet. Auf den Websites finden Schwangere Hinweise darauf, welche Händler in ihrer Nähe die jeweilige Kollektion führen. Noch einfacher haben es Kundinnen bei den Modeketten Hennes & Mauritz und C&A, die es längst nicht mehr nur in Großstädten gibt.
Unter der Marke "9M, 9 Months by C&A" umfasst die C&A-Kollektion unter anderem Blusen, Pullover und Kleider bis hin zu Unterwäsche, Strümpfen und Bademode. Ein ähnliches Sortiment hat auch H&M im Angebot. Bei der aktuellen Mode setzt das Modehaus vor allem auf den Ethno-Look etwa mit Tunikas. "Passform und Funktionalität sind dabei stets dem wachsenden Umfang angepasst", erläutert Tanja Hussenether von H&M in Hamburg.
Bei C&A stehen bei der sportlichen Linie Denim-Qualitäten in "Used"-Optiken im Vordergrund; Leinen herrscht bei den eleganteren Kombinationen vor. Und Lagenlook und Wickeltechnik greift die Umstandsmode ebenso auf wie die aktuellen Trendfarben Orange, Rot, Rosé und Hellblau. "Die Umstandsmode steht den aktuellen Modetrends also in nichts nach", erklärt C&A-Sprecher Markus Schoppmann in Düsseldorf.
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