Opulenz in Form und Material bei Gallianos Modespektakel: Bei Dior ist die Brust nur knapp bedeckt
zuletzt aktualisiert: 07.07.2004 - 14:04Paris (rpo). Er selbst sieht oftmals aus wie ein Paradiesvogel: der britische Designer John Galliano. Die Mode, die er entwirft, ist - wie es sich für eine Haute-Couture-Modenschau gehört, ebenfalls sehr auffällig. Für die Herbst-Winter-Kollektion von Dior ließ der Stardesigner sich von Sissi inspierieren.
Opulent zieht John Galliano die Dior-Dame im kommenden Herbst und Winter an. Der Griff des Stardesigners in den Kleiderschrank der österreichischen Kaiserin Sissi brachte bei der Haute-Couture-Schau am Dienstag in Paris lange Abendroben und Ballkleider zum Vorschein, natürlich reich bestickt oder handbemalt. Eine Reise nach Wien und Istanbul inspirierte den begabten Briten zu der kurvenreichen Linie. Keine Sorge: Wem die Rundungen nicht von Natur gegeben sind, kann bei Dior auf Korsagen mit eingenähter Oberweite zurückgreifen. Ebenfalls üppig seine Modelle im Stil der 50er Jahre, in Anlehnung an die Schauspielerin Zsa Zsa Gabor mit riesigen Krinolinen ausgestattet.
Ein rosa und orange gehaltener, blumengeschmückter Laufsteg lieferte den romantischen Hintergrund für die kaiserlich inspirierten Kleider: Rot dominierte die bodenlangen, gold- und silberbestickten Roben, aber auch rosafarbene und lilagrüne Kleider, ebenfalls mit goldener und silberner Stickerei, unterstrichen das Thema einer opulenten, beladenen Kollektion. Das schlug sich auch im Kopfschmuck der Models nieder, die die Dior-Mode wieder in einem gigantischen Zelt im Pariser Bois de Boulogne vorführten: Kronen, Tiaren und Diademe zierten die Häupter der Damen. Seine an den Pin-up-Girls der 50-er orientierten Modelle taufte Galliano "Cadillac"-Look: betonte Hüften (die an Stoßstangen erinnern sollen) kombiniert mit superschmaler Wespentaille.
Der Clou des Spektakels war eine Premiere am Schluss des Defilees: Zum ersten Mal zeigte auch Galliano als krönenden Abschluss ein Brautkleid. Diors Version ist ein schulterfreies körperbetontes Kleid aus Metern und Metern weißen Satins, dicht mit Silber bestickt. In Wadenhöhe springt es zu dramatischer Weite auf, dazu trägt die Braut einen gigantischen Schleier und natürlich ein silbernes Diadem. Zu den Bewunderern im illustren Publikum zählten diesmal "Troja"-Star Diane Kruger und die Französin Juliette Binoche.
Krasser Gegensatz zum schrillen Auftritt des Dior-Stars war die Präsentation des als Gast geladenen Amerikaners Ralph Rucci am Montagabend: In einer Superluxus-Atmosphäre am Pool des Hotels Ritz zeigte der Amerikaner Couture im Geist der 50er und 60er Jahre, umgesetzt mit den modernen Techniken von heute. Klare Linien und möglichst wenig Firlefanz schien die Devise dieser Kollektion des Amerikaners, der schon in seiner fünften Saison als Gast bei den Haute-Couture-Schauen auftritt: besonders beeindruckend bei einem Nerzmantel, der so kurzgeschorenen und mit Lasertechnik durchbrochen war, dass er leicht wie ein Kaschmir-Teil wirkte.
Um etwas Zurückhaltung war auch der junge Designer Julien Fournié in seiner zweiten Kollektion für das Pariser Traditionshaus Torrente bemüht: Zwar setzte er bei seinem Defilee am Dienstagvormittag weiterhin auf Volumen-Effekte mit Ballon-Ärmeln oder einer mit 200 Kristalltropfen behängten Riesenhemdbrust, hat aber insgesamt eine feinere, schmalere Linie gefunden. Beispielhaft dafür war eine schokoladenfarbener, geschorener Nerzmantel im Greta-Garbo-Stil.
Die Couture-Defilees sollten am Dienstagabend mit der Kollektion von Valentino fortgesetzt werden, am Mittwoch ist Superstar Karl Lagerfeld mit Chanel an der Reihe, gefolgt von Christian Lacroix. Den Abschluss bilden Jean-Paul Gaultier und Scherrer am Donnerstag. Die Modewoche fällt diesmal kurz aus, da sich vier Traditionshäuser für diese Saison abmeldeten - meist wegen mehr oder weniger offen eingestandener Geldprobleme.
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