Schuh-Wahnsinn bei H & M: Da wird ein Choo draus
VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 14.11.2009 - 09:59Düsseldorf (RP). An der Königsallee 76 in Düsseldorf gibt es ab Samstag Schuhe von Jimmy Choo für 99 Euro – und einen garantierten Massenauflauf. Der Mode-Discounter H&M bietet erneut eine Designer-Marke an, nach der Frauen sich buchstäblich die Hacken ablaufen.
Prinzessin Diana ließ sich welche von ihm anfertigen, Sarah Jessica Parker hat sie in "Sex and the City" berühmt gemacht, Victoria Beckham liebt sie: Selbst die einfacheren Pumps von "Jimmy Choo" gibt es in der Regel nicht unter 600 Euro, wenn sie denn überhaupt zu bekommen sind.
In elf deutschen Filialen (im Rheinland nur an der Kö in Düsseldorf und der Schildergasse in Köln) bietet H&M sie ab heute in begrenzter Zahl für 99 Euro an. Begrenzt heißt: Der Discounter rechnet damit, dass das meiste um 12 Uhr längst weg ist – und die Kundinnen schon vor der Ladenöffnung um 10 Uhr Schlange stehen werden.
Die einzige Empfehlung, die H&M für seine Kundinnen hat, lautet: "Wenn es eine Warteschlange gibt, stellen Sie sich bitte an." Die ersten 160 sollen dann ein Armband mit einer genauen Zeitangabe erhalten, wann sie für 15 Minuten im ansonsten abgesperrten "Jimmy Choo"-Bereich Damenschuhe und eine Clutch (früher hießen die henkel- und trägerlosen Behältnisse mal "Unterarmtasche") für 99 Euro sowie Accessoires kaufen können. Mit der Einschränkung: Jeder Artikel nur einmal pro Kundin.
Gehöre man nicht zu den ersten 160 Kunden, so H&M in seiner Kaufanleitung, könne man später Artikel "aus der verbliebenen Kollektion erwerben"; nach etwa zwei Stunden werde man den Bereich für alle öffnen. Für die Herrenkollektion oder eigens für H&M erfunden Damengarderobe von Jimmy Choo braucht man kein Bändchen. Nicht einmal, dass der malayische Schuhdesigner Jimmy Choo aus seiner eigenen Firma schon vor Jahren ausgestiegen ist, hat dem Run auf die meist mit zehn Zentimeter hohen Absätzen ausgestatteten Pumps irgendeinen Abbruch tun können.
Die High Society liebt Jimmy Choo
Popstars widmen ihnen Lieder, kein roter Teppich in Hollywood ohne High-Heels von Jimmy Choo. Vor sechs Jahren verlieh ihm die Queen für seine modischen Verdienste gar einen Orden. Eines der Geheimnisse seiner Stöckelschuhe: Nach Auskunft ihrer Trägerinnen sind Choos fast so etwas wie bequem.
Wie Manolo Blahnik verdankt auch Jimmy Choo seine atemberaubende Karriere der weltumspannenden Mode-Diktatur der Zeitschrift "Vogue". Blahnik wurde von Diana Vreeland, der früheren Chefredakteurin der US-Ausgabe, kräftig gefördert, Jimmy Choo von Tamara Mellon, der Accessoires-Chefin der britischen Vogue-Ausgabe.
Als sich in den 80-er Jahren Pumps als Standard-Schuhwerk der weiblichen Geschäfts-Garderobe durchsetzten, lieferten Designer wie Blahnik und Choo die Geheimtipp-Modelle, die ihre Trägerinnen aus dem uniformen Einerlei deutlich hervorhoben. Mit Preisen von 600 Euro und mehr liegen die "Choos" in der Liga von Chanel, Vuitton oder Spitzen-Modellen von Ferragamo, der Klassiker-Marke für Pumps schlechthin. Salvatore Ferragamo (1898-1960) lagen selbst Greta Garbo, Marlene Dietrich und Audrey Hepburn für ein Paar Schuhe zu Füßen.
Seine berühmtesten Schuhe waren die Elf-Zentimeter-Pumps in scharlachrotem Satin, die Marilyn Monroe in "Blondinen bevorzugt" trug; mehr als 40 verschiedene Modelle stellte er allein für sie her. Die teils abenteuerlichen Höhen, die die Schuhe von Jimmy Choo erreichen, wären ohne eine Erfindung Ferragamos gar nicht möglich: Damit er auch offene Schuhe mit hohen Absätzen herstellen konnte, ersann Ferragamo eine Stahlfeder zur Unterstützung des Bogens zwischen Sohle und Absatz.
Der Exklusivität der Marke "Jimmy Choo" tut die Sonderaktion bei H&M zu einem Fünftel der üblichen Preise durch die klare Begrenzung keinen Abbruch. Auch Karl Lagerfelds Geschäfte gingen nach einer H&M-Aktion nicht schlechter. Die künstliche Verknappung des Luxus-Angebots macht eher den schwedischen Textil-Discounter ein klein wenig exklusiver.
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