Roter Teppich: In der Oscar-Nacht müssen die Stars auch modisch glänzen
zuletzt aktualisiert: 01.03.2006 - 15:54Los Angeles/München (rpo). Die Stars, die am Sonntagabend über den Roten Teppich laufen, stehen nicht nur wegen der Preisverleihung unter Druck. Für manche Schauspielerin ist die Wahl des Oscar-Kleides wichtiger als die ihres Brautkleides, schließlich gehen die Bilder vom Kodak-Theatre um die Welt. Wer sich einen modischen Fehlgriff erlaubt, hat einen gigantischen Image-Schaden zu befürchten.
Bei Julia Jentsch ist das Geheimnis fast gelüftet. Für ihren Auftritt bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles hat sich die Hauptdarstellerin des nominierten deutschen Films "Sophie Scholl - Die letzten Tage" für ein Abendkleid von Jil Sander entschieden. Am Dienstag fand die erste Anprobe in Hamburg statt. Das schulterfreie, nur durch einen Träger gehaltene Abendkleid wird speziell für Jentsch gefertigt - und zwar in drei verschiedenen Farben, wie eine Sprecherin des Modehauses am Mittwoch berichtete. "Frau Jentsch wird sich je nach Stimmung vor Ort für eines der Kleider entscheiden."
Spannend bleibt bis in die Nacht zum Montag auch, in welchen Roben Jentschs Hollywoodkolleginnen Reese Witherspoon, Hilary Swank, Keira Knightley, Uma Thurman oder Jennifer Aniston den roten Teppich vor dem Kodak Theatre betreten und im Blitzlichtgewitter für die Weltpresse posieren werden. "Das ist top secret", betont Oscar-Modechefin Patty Fox.
Seit Jahren ist sie die offizielle Ansprechpartnerin für alle modischen Belange rund um das TV-Spektakel, das etwa 150 Millionen Zuschauer weltweit verfolgen. "Für die Stars bedeutet der Oscar-Auftritt einen unglaublichen Druck, denn die Bilder vom roten Teppich können in die Geschichte eingehen", betont Fox im ddp-Gespräch. "Manche Schauspielerinnen sagen, die Wahl ihres Oscar-Kleides sei für sie wichtiger als die ihres Brautkleides." Modische Fehlgriffe sind nicht erlaubt, die US-Kritiker sind gnadenlos, der Imageschaden wäre zu groß.
Der wichtigste Laufsteg der Welt: Der Rote Teppich
Bevor sie die ideale Robe finden, haben die Hollywood-Diven die Qual der Wahl. 40 bis 50 Kreationen würden einigen Stars von den Modeschöpfern zugeschickt, berichtet Fox. Dann wird das gewünschte Kleid oft speziell für die Schauspielerin gefertigt. Top-Designer wie Versace, Christian Dior, Carolina Herrera, Valentino, Ralph Lauren, Armani, Oscar de la Renta oder Prada reißen sich darum, die Stars für die Nacht der Nächte einzukleiden.
Für sie ist es die perfekte Werbeplattform, der rote Teppich laut Fox der wichtigste Laufsteg der Welt. "Dort werden so viele Trends gesetzt. Viele Modemacher sehen sich das im Fernsehen mit ihren Design-Teams an, machen sich Skizzen." Auch die Juweliere stellen den Damen, die längst eigene Stylisten beschäftigen, bereitwillig millionenschwere Diamanten zur Verfügung.
Spannend bleibt es für die Designer oft bis zur letzten Sekunde. 1999 etwa, als Gwyneth Paltrow den Oscar gewann, hatte sie einen Tag vor der Verleihung noch einmal ihre Meinung geändert und sich für das roséfarbene Kleid von Ralph Lauren entschieden. Diesem Nervenkitzel wollen manche Modeschöpfer angeblich entgehen, indem sie den Diven sechsstellige Summen zahlen und sie so auf das Tragen ihres Kleides festlegen. Offiziell würde das natürlich niemand bestätigen.
Als Modetrends der 78. Oscar-Nacht erwartet Patty Fox, dass der Hollywood-Glamour der 50er wieder aufleben wird. Grundsätzlich empfiehlt sie den Stars, Mut zu Farbe, denn "die Kameras lieben Farbe". Dieses Jahr lägen vor allem Rot, Grün und matte Metalltöne ganz weit vorn. Und auch die Juwelen dürften diesmal besonders bunt an den Hälsen und Ohren der Stars funkeln, wie die Sprecherinnen von Harry Winston und H. Stern in Aussicht stellten.
Aus dem vergangenen Jahr sind Rieke Veltel, der Chefdesignerin des deutschen Modehauses Rena Lange, vor allem Cate Blanchett (in Hellgelb von Valentino) und Charlize Theron (in Hellblau mit Schleppe von Christian Dior) in Erinnerung geblieben. Auch Lange will einen Fuß auf den roten Oscar-Teppich bekommen. Zum zweiten Mal lädt das Münchner Label darum gemeinsam mit dem US-Magazin "W" Stars wie Hilary Swank oder Joaquin Phoenix am 3. und 4. März in eine Villa in Los Angeles ein, um dort seine Kreationen zu präsentieren. Allerdings benötige man in Hollywood einen langen Atem, räumt Rena-Lange-Chef Daniel Günthert ein: "Wir denken das eher langfristig an, man muss sich langsam vorarbeiten."
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