Wintertrends 2005: Parfüms: Ein Hauch von Orient
zuletzt aktualisiert: 04.10.2005 - 10:41Recklinghausen (rpo). Die Zeit der fruchtig-frischen Parfüms des Sommers ist vorbei, mit dem Herbst werden die Düfte schwerer. Frauen verführen mit einem Hauch von Sinnlichkeit und Erotik und bringen ihre feminine Seite ins Spiel. Exotik ist auch bei den Männern entscheidend: Orientalisch angehauchte Mixturen aus süßlichen Früchten und aromatischen Holznoten sind angesagt.
"Dabei ist es längst nicht mehr so, dass jeder nur einen Duft benutzt", beschreibt Werner Hariegel vom Bundesverband der Parfümerien in Recklinghausen die Trendwende. "Heute verwendet man mehrere, zum Teil sogar sich widersprechende Parfüms - je nach Anlass." Während im Büro meist ein klarer Duft bevorzugt wird, greifen viele nach dem Sport gern zu frischen Noten. "Und abends beim Ausgehen darf es dann auch mal ganz emotional und blumig werden."
Schwere florale oder orientalische Düfte, die noch vor kurzem eher verpönt waren, werden von den Designern neu entdeckt. "In diesem Herbst geht es bei den Damen sehr sinnlich, feminin und verführerisch zu", fasst Antje Brüne vom Verband der Vertriebsfirmen kosmetischer Erzeugnisse (VKE) in Wiesbaden den Trend zusammen. "In den Kopfnoten dominieren Früchte wie Mandarine, Johannisbeere oder Litschi, in den Herznoten Blumen wie Jasmin, Iris oder Rose, und die Basisnoten setzen vor allem auf Vanille, aber auch Holz oder Moschus."
Das Ganze stehe insgesamt für "üppig opulenten Luxus", betont Ursula Hartlieb von der Nobilis Fragrances GmbH in Wiesbaden, die unter anderem den Duft "Celine Fever" vom Modelabel LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton in Paris vertritt. Mandarine und Blutorangen mischen sich hier mit der sinnlichen Note von Frangipani-Blüten und Jasmin. Sandelholz, Amber und Vanille runden "Celine Fever" ab.
Ganz anders dagegen das Eau de Toilette "Matin Câlin" aus dem Hause Comptoir Sud Pacifique: Aromen von karamellisierter Milch und kandiertem Zucker verbunden mit Vanille und Sandelholz umgeben ihre Trägerin mit einem Duft, den der, der es gern süßlich mag, regelrecht "zum Anbeißen" finden dürfte.
Vanille spielt auch bei Chanel eine große Rolle. Doch das Eau de Parfum "Chance" kombiniert diese Basis mit weißem Moschus, Iris, Rosa Pfeffer, Jasmin, Vetiver, Patchouli und Hyazinthe. Selbst das Traditionshaus Creed will auf betörende Vanille in diesem Jahr nicht verzichten. Neben Tonkabohne, Ingwer, Lavendel, Orange und Rosmarin geben Zimt, Koriander, Wacholderbeere und ein spezielles Sandelholz der Kreation "Original Santal" eine mystisch-exotische Note.
Flakons sind auch entscheidend
Der Duft allein entscheidet aber noch nicht über den Erfolg einer neuen Kreation. Auch die Optik des Flakons spielt eine große Rolle. So hat Schmuckdesignerin Jette Joop nicht nur ihr erstes eigenes Parfüm "Jette" für Lancaster entworfen, sondern auch ein kunstvoll geschliffenes violettes Herz dazu geliefert.
Ebenfalls lila funkelnd präsentiert sich der Duft "Alien" des französischen Modedesigners Thierry Mugler. Auch der Franzose Christian Lacroix setzt auf Sinnesschmaus: Sein neues Parfüm "Tumulte" will nicht nur für die Nase, sondern mit seinem roten, mit goldenen Ornamenten bedruckten Flakon auch die Augen verführen.
Trotzdem sollten Parfümfläschchen nicht nur hübsch, sondern auch praktisch sein. Das französische Duftunternehmen Azzaro bietet seine Herrendüfte "Azzaro pour homme", "Chrome" und "Visit" deshalb im "Travel trio" an: Die drei leichten Sprays à 20 Milliliter lassen sich in jedem Kulturbeutel verstauen.
Weniger handlich, dafür umso markant-männlicher zeigt sich der Duft des amerikanischen Designers John Varvatos: In dem mit schwarzem Leder ummantelten Flakon findet sich sein Parfüm, das orientalische Holz- und Gewürznoten mit einer subtilen Süße verbindet. Damit liegt "John Varvatos" voll im Trend: "Aromatisch und holzig" seien die Männerdüfte in diesem Herbst, beobachtet Antje Brüne, "oft mit einem leichten Frischekick durch Früchte oder grüne Akkorde wie Salbei."
Coutourier Emanuel Ungaro setzt bei "apparation homme" auf Anis, Rhabarber und Mandarine, gekoppelt mit Aromen von grünem Tee und schwarzem Pfeffer auf der Basis von holziger Lakritze und Vetiver. Dagegen erreicht "Dior Homme" seinen Frischekick durch Lavendel und Salbei, die der Kopfnote aus Iris und der Basisnote aus Vetiver und Leder erst das endgültige Aroma verleihen.
Auf diese strikte Trennung in Herz, Kopf und Basis hat Jean Paul Gaultier in diesem Jahr ganz verzichtet und damit ein völlig neues Konzept entworfen: Er vereint die drei klassischen Noten Amber, Moschus und Vanille gleichberechtigt miteinander. Heraus kommt "Gaultier 2", ein Parfüm, das von Männern und Frauen gleichermaßen verwendet werden kann, weil es auf ihrer Haut unterschiedlich duftet.
Geteilt werden darf auch "Mandragore" von Annick Goutal aus Paris. Auf der Basis der Pflanze Mandragora wird das Feminine und Maskuline in einem Duft eingefangen: Pfeffer, grüne Minze und Sternanis verbinden sich mit Ingwer, Salbei, Iris und Labdanum.
Bei aller Begeisterung für neue, sinnliche Düfte sollte man trotzdem sparsam damit umgehen, warnt Werner Hariegel. "Der Mensch hat einen Intimbereich, der etwa dem Umkreis entspricht, den man mit dem ausgestreckten Arm erreichen kann. Erst wenn jemand diesen Bereich betritt, sollte er ein Parfüm riechen können - nicht bereits aus zehn Metern Entfernung." Mit der Zeit setze eine Duftblindheit ein, weil sich die Nase daran gewöhnt. "Deshalb sollte man sich immer die anfängliche Dosierung merken - oder den Duft öfters wechseln."
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