Pariser Herrenmode: Weisheit in Weiß
zuletzt aktualisiert: 30.06.2003 - 12:06Paris (dpa) - "Einfachheit ist für mich Weisheit." Das Credo von Hardy Krüger junior könnte der Pariser Männermode die nahe Zukunft weisen. Der deutsche Schauspieler trat am Wochenende bei den Kollektionsschauen der Herren für Frühjahr/Sommer 2004 als neuer Botschafter des Luxushauses Louis Vuitton in Aktion.
Im schlichten Poloshirt, Baumwoll-Chinos und einer edlen, doch dezenten Vuitton-Uhr am Handgelenk hätte er statt im Publikum zu sitzen ohne weiteres auch über den Laufsteg schreiten können. Ähnlich klar kleidet Vuitton-Designer Marc Jacobs seine männlichen Models für den kommenden Sommer. In strahlend weißen Anzügen, Blousons in Grautönen, Trenchcoats und schmalen, doch lässigen Baumwollhosen erinnern sie ein wenig an James Dean, könnten aber auch ohne weiteres Ehrenmitglieder jedes Tennis- oder Golfclubs auf Long Island werden.
Weiße Slipper oder schwarze Edelschnürer lösen die seit einigen Saisons wieder aktuellen Sneakers ab. Bei zweireihigen Marineblazern mit Goldknöpfen und schneidermäßig perfekten Smokings mögen alte Hollywood-Filmen wie "Sabrina" Jacobs inspiriert haben. Glamour, vermischt mit Schlichtheit - das passt auch zu Hardy Krüger junior, der seinem berühmten Schauspieler-Vater wie aus dem Gesicht geschnitten scheint. Und auch Krüger senior war offenkundig schon Vuitton-Kunde. "Ich habe noch zwei alte Schauspielkoffer von Vuitton, die ihm gehörten, in meiner Wohnung stehen", erzählt der 34-Jährige der Deutschen-Presse-Agentur. Er selbst, meint er, sei kein besonders modebewusster Mensch. Allerdings habe die heutige Welt viel mit Äußerlichkeiten zu tun. Und: "Ich bin ein Purist und Genießer und mag schöne Dinge." Mode heißt für ihn eher Stil und "Schönheit im Detail". Damit passt er perfekt zu einem französischen Traditionshaus.
Weite Leinenanzüge, schmale Torerohosen
Auch der spanische Modemacher Antonio Miro setzt auf Tradition, vermischt mit verhaltener Eleganz. Mexikanische Fotografien des frühen 20. Jahrhunders inspirierten in zu seiner in Weiß, Schwarz und hellen Grautönen gehaltenen Kollektion, die er am Sonntag präsentierte. Weite Leinenanzüge, schmale Torerohosen mit Paspeln an der Seite, blusige Hemden und Gaucho-Stiefeletten offenbaren ihre folkloristischen Ursprünge erst auf den zweiten Blick. Am Abend wird es etwas farbiger mit roter Stickerei auf weißen Oberhemden. Schwarze Smokings erhalten durch große aufgenähte Schleifen etwas Extravaganz.
Yohji Yamamotos Entwürfe nehmen die Tendenz zur klaren Linie nur vereinzelt auf. Ein Teil der Kollektion huldigt gar einem schlabbrigen Workwear. Weite Knitterjeans, Karohemden, Latzhosen und Jacken werden übereinander getragen und gewickelt, dazu passt eine Schiebermütze. Auch hier scheint Hollywood Pate gestanden zu haben, in Form von Charlie Chaplins Vagabundenfilm "The Kid" (1920). Ansonsten gibt es lange schwarze Samuraigewänder mit weiten Röcken zu korrekt geschnittenen Anzugjacken oder lange Leinenkleider für Herren zu Tropenjacken. Ein Stilpurist ist der Yamamoto-Mann im kommenden Frühjahr nicht. Und auch das so strahlende wie simple Weiß, das am zweiten und dritten Tag der Schauenrunde so oft zu sehen war, scheint für den japanischen Designer nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein.
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