Usprünglich von Soldaten getragen: Seit 90 Jahren der beste Freund im April
zuletzt aktualisiert: 26.04.2005 - 15:46Paris (rpo). Er ist trotz leichter Wandlungen immer leicht zu erkennen: Er zweireihig geknöpft, hat Manschettenriemen, Schulterklappen und Bindegürtel - der Trenchcoat ist bereits seit 90 Jahren aus der Modewelt nicht mehr wegzudenken und gerade im April ein beliebter Regenmantel. Auch wenn er seine Ursprünge in den schlammigen Schützengräben des Ersten Weltkrieges hat.
Im Ersten Weltkrieg schützte er britische Offiziere vor schlechtem Wetter, heute ist er zwar immer noch ein wichtiger Wetterschutz in der Übergangszeit, vor allem aber ein modisch stetig neu dekliniertes Stilmittel. "Der Trenchcoat gehört zu den faszinierenden Teilen der Modegeschichte, ähnlich wie die Jeans", sagt Lydia Kamitsis, die ein internationales Nachschlagewerk zur Mode herausgibt. "Sie hatten beide einen praktischen Ursprung, der Mantel beim Militär und die Jeans als Arbeitskleidung." Der Trenchcoat geht auf die Erfindung eines wasserdichten Stoffes durch den Briten Thomas Burberry und die ebenfalls britische Firma Aquascutum im 19. Jahrhundert zurück. Aus diesem Stoff wurden im Ersten Weltkrieg Mäntel für Offiziere angefertigt, die in feuchten schlammigen Schützengräben Dienst taten. Daher stammt auch der Name des guten Stücks: Grabenmantel (trench - Graben, coat - Mantel).
Der schneidige Eindruck, den die Offiziere in diesen Mänteln machten, habe nach dem Kriegsende zum großen Erfolg des Kleidungsstückes bei Zivilisten beigetragen, sagt Alain Camilleri, Kurator einer Mode-Ausstellung in Limoges, die auch das Phänomen Trenchcoat umfasst. Camilleri versucht den Übergang von einem funktionalen Kleidungsstück zu einem Modeobjekt zu definieren: "wenn die ursprüngliche Funktion bestehen bleibt, das Kleidungsstück aber nicht mehr ausschließlich getragen wird, weil es den Träger schützt". Das war spätestens der Fall, als sich Hollywood-Größen wie Humphrey Bogart, Robert Mitchum, Greta Garbo und Marlene Dietrich in Trenchcoats hüllten.
Doch die Laufbahn des praktischen Mantels war damit nicht beendet: Vom Kultobjekt wurde der Trench mit dem Aufkommen des Prêt-à-porter in den 60er Jahren zum Experimentierfeld. Frankreichs Modestar Jean-Paul Gaultier präsentiert in jeder seiner Kollektionen eine Variation des Trenchcoats, den er für das typischste Kleidungsstück der Pariserin hält. Stoff, Schnitt, Länge und Details können dabei variieren, ohne das der ursprüngliche Charakter des Mantels verloren geht. "Das Geheimnis liegt darin, dass der Trenchcoat nicht als Modeobjekt, sondern als praktisches Kleidungsstück erfunden wurde", sagt Christopher Bailey, Designer der Firma Burberry, die immer noch als Inbegriff dieses besonderen Regenmantels gilt. "Deshalb kann er der Zeit standhalten."
Als "Chamäleon, das leicht uminterpretiert werden kann", stuft auch Kamitsis den Trenchcoat ein. Und Beispiele gibt es reichlich: Der deutsche Karl Lagerfeld entwarf für Chanel einen Trenchcoat, bei dem der eigentliche Mantel im klassischen Beige gehalten ist, alle Einzelheiten wie Schulterklappen oder Gürtel dagegen aus schwarz-weißem Chanel-Tweed sind. Die Marke Burberry, die Ende der 90er Jahre ihr Image entstaubte und dabei auch den Trench aufmöbelte, brachte sogar eine Bolero-kurze Version heraus. Und die französische Firma Gérard Darel macht mit der Schauspielerin Charlotte Gainsbourg Werbung, die einen blumenbestickten Trench trägt.
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