Stiletto-Run in Berlin: Sprint auf Stöckelschuhen
zuletzt aktualisiert: 18.08.2007 - 17:40Berlin (RPO). Kurioses Wettrennen in Berlin: 100 Frauen haben nicht ihre Sportschuhe, sondern ihre höchsten Stilettos aus dem Schrank gekramt, um so schnell wie möglich einen 100-Meter-Sprint zu absolvieren. Der Hintergrund, na klar: Für die Schnellste gibt es einen hoch dotierten Einkaufsgutschein zu gewinnen. Ein Hingucker war das Rennen allemal.
"Es soll endlich anfangen!", jammert Janina Axmann und trippelt von einem fast zehn Zentimeter hohen silbernen Absatz auf den anderen. Umringt von 99 anderen Teilnehmerinnen aus ganz Deutschland wartet die 24-Jährige am Samstagmittag auf den Start des 2. Berliner Stiletto-Runs. In wenigen Minuten soll es losgehen, die Aufregung merkt man allen Sprinterinnen an.
Wo jedoch bei anderen Wettläufen die Turnschuhe ein letztes Mal geschnürt und das Schweißband zurecht gerückt werden, zupfen die jungen Frauen bei diesem ungewöhnlichen Sportereignis an Frisur und schickem Outfit, rücken die Sonnenbrille im Haar nochmal zurecht oder ziehen den Lippenstift nach. Denn beim Stiletto-Run der Zeitschrift "Glamour" soll die Sprintstrecke am Wittenbergplatz über 100 Meter nicht in Sportschuhen zurückgelegt werden, sondern eben auf Stilettos. Die Absätze müssen mindestens 7 Zentimeter hoch und dürfen nicht breiter als 1,5 Zentimeter breit sein.
Kein Problem, denn die meisten Teilnehmerinnen sind auch sonst begeisterte High-Heels-Trägerinnen. Privat trage sie meistens noch höhere Absätze, erzählt die 24-jährige Evgenia. Als Preis für den nicht ganz ungefährlichen Sprint winkt der Schnellsten ein Einkaufsgutschein über 10 000 Euro für das Nobelkaufhaus KaDeWe. Prämiert werden außerdem das beste Outfit und der schickste Stiletto mit Gutscheinen in Höhe von 2000 und 1000 Euro.
Daher heißt es für die Mädchen zuerst: Rauf auf den Laufsteg! Dort präsentieren sie sich vor dem Sprint dem Publikum und einer Jury aus "Glamour"-Chefredakteur Nikolaus Albrecht, der Beauty-Direktorin Stefanie Neureuter und Bruce Darnell, bekannt bereits aus der Jury von "Germany's next Topmodel". Auf dem Catwalk bekommt man alles zu sehen - vom schicken Abendkleid bis zu doch eher sportlichen Shorts. Auch die Schuhe könnten ausgefallener nicht sein: Riemchen-Sandalen, Peep-Toes oder Pumps in Rot, Gold, Silber oder Schwarz, mit Strass-Steinen besetzt oder mit Schleifen - ein Traum für jeden Schuh-Fetischisten, wie es TV-Moderatorin Sonya Kraus ausdrückt.
Wer der Jury am besten gefallen hat, wird aber erst nach dem 100-Meter-Sprint bekanntgegeben. Die Zuschauer am Rand der Strecke sind mit Fähnchen ausgerüstet und jubeln, als der Startschuss fällt. Und schon sprinten die Kontrahentinnen los, die Haare fliegen, 100 Paar Absätze klackern über das Straßenpflaster. Je näher die Ziellinie rückt, desto schmerzerfüllter werden die Gesichter. Ein paar Mädchen verlieren ihre Schuhe, einige stürzen. Ernsthaft verletzt wird aber niemand.
Siegerin wird Denise Hanitzsch aus Berlin. Die 24-Jährige läuft mit 14,7 Sekunden allen Konkurrentinnen davon. Freudestrahlend nimmt sie auf der Bühne den Einkaufsgutschein entgegen. Was sie sich kaufen wird, weiß sie noch nicht, sagt die Kauffrau für Bürokommunikation. Avishan Noorbakhsh aus Köln erhält den Preis für das beste Outfit, Jona-Lena Kwasoff aus Weissach bei München freut sich über den Preis für die schönsten High Heels, die sie selbst mit Federn und Svarovski-Steinen dekoriert hat.
Denise Hanitzsch hatte heimlich auf den Sieg gehofft, obwohl sie überhaupt nicht dafür trainiert habe und in ihrer Freizeit auch nie joggen gehe, gesteht die blonde Berlinerin. Stilettos sind jedoch ihre Leidenschaft - ungefähr 30 Paar stehen in ihrem Kleiderschrank.
Damit wäre sie dann auch für den nächsten Stiletto-Run gut gerüstet. Denn wie Elfi Unkrig, Marketing-Leiterin bei "Glamour", andeutete, gibt es ja vielleicht im nächsten Jahr wieder einen Sprint auf Stöckelschuhen.
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