kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Alzheimer: Eine tückische Krankheit

VON TANJA WALTER - zuletzt aktualisiert: 31.01.2012 - 14:25

Tübingen/Düsseldorf (RPO). Die Meldung hat nicht nur die Fußball-Welt schockiert: Rudi Assauer, der ehemalige Manager des Fußball-Bundesligisten Schalke 04, ist an Alzheimer erkrankt. Die tükische Krankheit macht vielen Menschen Angst. Aber: Die Forschung macht nur langsam Fortschritte.

In den Fakten des Welt-Alzheimer-Berichts liegt eine Ironie: 36 Millionen Menschen weltweit leiden an Alzheimer und die meisten wissen nichts davon. Viele würden es noch verstehen, denn im Anfangsstadium äußert sich die Krankheit in kleinen Vergesslichkeiten, die auch Schusseligkeit sein könnten.

In Deutschland leiden etwa 1,2 Millionen Menschen an Demenz. Die neurodegenerative Erkrankung tritt am häufigsten in Form von Alzheimer auf. Zwei Drittel der Betroffenen sind es konkret, die unter Alzheimer leiden. Jährlich kommen nach Einschätzung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in unserem Land rund 300.000 Neuerkrankungen hinzu. Nach den Zahlen des Welt-Alzheimer-Berichts liegt allerdings die Dunkelziffer in den Industrieländern bei 50 bis 80 Prozent. Bei vielen Betroffenen ist die Krankheit also da, aber nicht diagnostiziert.

Info

Informationen und Beratung gibt die www.deutsche-alzheimer.de sowohl selbst Erkrankten, als auch ihren Angehörigen.

"Weg vom Geist" oder auch "ohne Geist" lautet die wörtliche Übersetzung des Begriffs aus dem Lateinischen. Es war der deutsche Psychiater und Neuropathologe Alois Alzheimer (1864-1915), der im Gehirn verstorbener Patienten massenhaft zugrunde gegangene Nervenzellen fand und auffällige Eiweißablagerungen – so genannte „Plaques“. Er vermutete, dass diese Ablagerungen mit der „Krankheit des Vergessens“ ursächlich im Zusammenhang stehen.

Heute weiß man über die Krankheit einiges mehr. Dennoch können sich Betroffene und deren Angehörige oft nur an Hoffnungen klammern, die manches Mal wie Seifenblasen zerplatzen. So ließ auch die Entwicklung einer Immuntherapie, umgangssprachlich Alzheimer-Impfung genannt, darauf hoffen, dass man das Fortschreiten der Krankheit zumindest aufhalten könne. Nun verunsichern neue Studienergebnisse die Alzheimerforschung: Man war der Annahme gefolgt, dass die Ablagerung bestimmter Proteine für die voranschreitende Demenz verantwortlich sei. Die Immuntherapie sollte diese Ablagerungen vermindern.

Stand der Forschung

Doch im vergangenen Jahr überraschte der englische Forscher James Nicolls mit seiner Untersuchung von Gewebeproben verstorbener Alzheimerpatienten die Fachwelt: In seiner Studie wurden einige Alzheimerpatienten mit diesen Medikamenten zum Abbau der Plaques im Gehirn behandelt, andere hingegen bekamen nur Placebomedikamente. Im Ergebnis konnten zwar zum Teil die typischen Plaquablagerungen vermindert werden, dennoch änderte das nichts an der fortschreitenden Demenz. Selbst bei Patienten, bei denen fast gar keine Ablagerungen mehr gefunden wurden, konnte das Fortschreiten der Krankheit nicht aufgehalten werden, informiert die Deutschen Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie (DGNN) an der Universität Tübingen anlässlich ihrer Jahrestagung zum Thema, die am Weltalzheimertag in Tübingen beginnt.

Welche Rückschlüsse sich daraus ziehen lassen, muss die Wissenschaft im nächsten Schritt beantworten. Vielleicht sind die Plaqueablagerungen gar nicht die Ursache der Erkrankung sind und die Medizin hat jahrelang das falsche Ziel bekämpft. Vielleicht aber setzte die Behandlung in den Studienfällen einfach nur so spät ein, dass man den Patienten nicht mehr helfen konnte. Nach wie vor gehe nach Informationen der DGNN davon aus, dass die Eiweißablagerungen am Gehirn eine zentrale Rolle spielen, denn auch aus anderen Zusammenhängen weiß man, dass diese Ablagerungen für die Nervenzellen sehr schädlich sind. „Trotzdem weisen die Forschungsergebnisse in verschiedene Richtungen“, stellen die Tübinger Neuropathologen fest.

Wie sich die Krankheit zeigt

Alzheimer ist wie ein Radiergummi: Nach und nach radiert sie immer mehr weg. Telefonnummern, Namen, später komplexere Dinge wie Wege oder Zusammenhänge. Sie lässt Erinnerungen verschwinden und am Ende lebenswichtige Informationen. Die chronisch fortschreitende, degenerative Veränderung des Gehirns führt dazu, dass sich die Gedächtnisleistung verschlechtert, dann auch das Denkvermögen und die Urteilsfähigkeit. Alzheimerkranke können irgendwann nicht mehr selber Essen, nicht mal mehr Sprechen. Ihre Persönlichkeit ist verändert. Die Krankheit ist ein unaufhaltsamer Abschied auf Raten. Sie kann derzeit nicht geheilt werden. Es gibt jedoch therapeutische Möglichkeiten, die fortschreitenden Symptome der Demenz hinauszuzögern.

Therapie auch ohne Medikamente

Auch nicht-medikamentöse Behandlungen wie Physiotherapie, Logo- oder Ergotherapie können eine Verbesserung des Zustands bringen. Auf verschiedene Arten kann man, so empfiehlt die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft, selbst dazu beitragen, den Geist möglichst lange wach zu halten. Demnach gibt es Übungen, die stimmungsverbessernd sind, spezielle Fähigkeiten fördern und auch das Selbstbewusstsein stärken. Gezielt lasse sich so an der Merkfähigkeit, kognitiven Leistungen und dem Erhalt von Alltagsfähigkeiten arbeiten. Seit dem Jahr 1994 findet jährlich der Welt-Alzheimertag statt, um auf die Situation Betroffener und ihrer Angehöriger aufmerksam zu machen. Denn längst ist Alzheimer ein Problem geworden, das nicht mehr nur den einzelnen oder die Familie betrifft, sondern die Gesellschaft.

Die Krankheit unterscheidet nicht zwischen reich und arm, berühmt oder nicht. Fotograf, Playboy und Kunstsammler Gunter Sachs entschied sich im Mai wegen seiner Alzheimer-Erkrankung für den Freitod, Heidi Kabel hatte Alzheimer, der als Columbo berühmt gewordene US-Schauspieler Peter Falk, auch der frühere amerikanische Präsident, Ronald Reagan kämpfte vergeblich gegen die Krankheit. Jeder zweite Deutsche hat nach dem Ergebnis einer Studie der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) Angst vor der heimtückischen Krankheit. Nur Krebs fürchten die Deutschen mehr.

Da immer mehr Menschen ein höheres Alter erreichen, wird das Thema in der Zukunft die Gesellschaft noch nachhaltiger beschäftigen. Sollte der Medizin zukünftig kein Durchbruch bei Prävention und Behandlung gelingen, wird sich die Zahl der Demenzkranken in Deutschland nach Schätzungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft im Jahr 2050 auf 2,6 Millionen erhöhen.

Quelle: chk/csi/wat

 
weitere Artikel
 
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Fixierung von Patienten oft vermeidbar

Studie zu Pflegeheimen

Fixierung von Patienten oft vermeidbar

An das Bett gefesselt im Pflegeheim - für viele alte Menschen ist das keine Albtraumvorstellung sondern tägliche Realität. Eine Studie zeigt ... mehr 

Einmal im Jahr Blutdruck messen

Ab 50 Jahren

Einmal im Jahr Blutdruck messen

Bluthochdruck (Hypertonie) ist eine der häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Nach Schätzungen haben hierzulande zwischen 18 und 35 Millio ... mehr 

mehr Gesundheit
Aus der Region

Ministerin nimmt Restaurants ins Visier

Aigner kritisiert zu große Portionen

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Gefangen im Monster-Stau von Peking

In Chinas Hauptstadt gibt es nicht nur viele Menschen, sondern auch ziemlich viele Autos. Kein Wunder also, dass es dort immer wieder zu ... mehr 

Gesundheitsthemen
Bilderserien zu Gesundheit
Diese Medikamente gehören in die Reiseapotheke
Diese Medikamente gehören in die Reiseapotheke
Es kann jeden treffen. Man fährt in Urlaub .. mehr 
 
Diese Medikamente gehören in die Reiseapotheke
Diese Medikamente gehören in die Reiseapotheke
Es kann jeden treffen. Man fährt in Urlaub ..
mehr 
Wasserspender: Darauf sollte man vorher achten
Wasserspender: Darauf sollte man vorher achten
Ein Schluck Wasser kann es ganz schön in ..
mehr 
Das tut trockener und sensibler Haut gut
Das tut trockener und sensibler Haut gut
Trockene und sensible Haut ist ein weit verbreitetes Problem: Jeder Fü ..
mehr 
Was nicht in der Zutatenliste steht
Was nicht in der Zutatenliste steht
Für immer mehr Menschen wird es aus gesundheitlichen Gründen wichtig, ..
mehr 
 
Anzeige

Betreut.de

Unterstützung für jede Lebenslage

ECI Betreut.de Teaserbild

Egal ob Nachhilfe, Babysitter, Pflegedienst oder einfach jemand der sich bei Abwesenheit um die geliebten Vierbeiner kümmert. Mit Betreut.de finden Sie schnell und unkompliziert die richtige Betreuung für Ihre Liebsten. mehr 

MEHR
Die Nervenzellen hier in grün senden „Kabel“ (rot) aus, um sich untereinander zu verbinden. Diese Verbindung der Nervenzellen ist in der Regel gut ausgeprägt (l.), rechts ist sie durch die Forscher künstlich gehemmt worden.

Hoffnung auf neue Behandlung von Alzheimer

Neue Zellen fürs alternde Gehirn

Die Meldung kommt gerade recht: Die Alzheimer-Forschung kommt womöglich einen entscheidenden Schritt weiter. Biologen der Universität Bielefeld haben es geschafft, in erwachsenen Gehirnen neue Zellen wachsen zu lassen. mehr

 
Top-Services