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1,2 Millionen Menschen in Deutschland haben Alzheimer. Eiweißklumpen in ihrem Gehirn zerstören ihr Gedächtnis, ihren Orientierungssinn, verändern ihr Wesen. Wir geben Antworten auf zwölf wichtige Fragen, zum Teil beantwortet von Professor Dr. Rolf D. Hirsch, dem Chefarzt der Gerontopsychiatrischen Abteilung der Rheinischen Landeskliniken Bonn.
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Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?
Demenz ist ein Überbegriff für alle organischen Erkrankungen im Gehirn, und ein Teilgebiet dessen ist die Alzheimer-Erkrankung. Rund die Hälfte der Demenzkranken sind Alzheimer-Patienten.
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Wodurch wird Alzheimer ausgelöst?
Die Erkrankung wird durch Ablagerungen verklumpter Eiweiße im Gehirn ausgelöst. Die Ablagerungen werden Amyloid-Plaques genannt und behindern die Reizübertragung zwischen den Hirnzellen, die dadurch zunehmend an Funktionstüchtigkeit verlieren und schließlich absterben: Es kommt zur berüchtigten Hirnatrophie. Hinzu kommt, dass durch die Plaque-Bildung die Balance der Hirnbotenstoffe verschoben wird. In der Folge treten Funktionsstörungen auf. Ab einer Plaque-Dichte von 200 pro Kubikmillimeter Frontalhirnmasse kommt es in der Regel zur Demenz.
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Weiß man mehr über die Hintergründe der Krankheit?
Warum die Menschen erkranken, ist nicht eindeutig zu beantworten. Es gibt viele Theorien, doch keine überzeugt. Schätzungen ergeben, dass die Hälfte aller 90-Jährigen an Alzheimer erkrankt ist.
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Welche weiteren Risikofaktoren gibt es?
Auch genetische Faktoren beeinflussen das Plaque-Geschehen im Hirn. Down-Patienten leiden oft schon vor dem 40. Lebensjahr an Alzheimer. Und wer viele Demenzkranke in der Familiengeschichte hat, dessen Hirn ist ebenfalls anfälliger für Amyloid-Ablagerungen. Ein weiterer Risikofaktor sind Durchblutungsstörungen.
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Ist die Krankheit heilbar?
Alzheimer gilt als unheilbar. Wenn die Plaques im Hirn erst einmal da sind, verschwinden sie nicht mehr. Das Fortschreiten der Erkrankung lässt sich allenfalls im Anfangsstadium verlangsamen. Wer bei den ersten Anzeichen einer beginnenden Erkrankung sofort zum Arzt geht, hat gute Chancen, lange aktiv am Leben teilzunehmen. Medikamente, Hilfsangebote und der offensive Umgang wirken jedoch positiv.
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Was sind erste Anzeichen, die auf eine Demenz hinweisen?
- Rückzug von gewohnten Aktivitäten und Antriebsverlust
- Erinnerungsprobleme
- Schwierigkeiten bei der Bewältigung von Routineaufgaben
- Veränderung der Sprache
- Orientierungsprobleme (Zeit, Ort, Situation)
- Probleme in der Beurteilung von Situationen und Risiken
- Probleme beim abstrakten rationalen Denken
- Auffällige Zerstreutheit
- Stimmungs- und Verhaltensschwankungen
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Inwieweit steigt das Risiko, mit zunehmendem Alter an Alzheimer zu erkranken?
Das Alter ist der einzige nachgewiesene Risikofaktor. Während im Alter von 60 Jahren nur etwa jeder Zehnte die Ablagerungen in seinem Hirn hat, liegt die Quote bei den 80-Jährigen schon bei 60 Prozent.
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Was lässt sich gegen Alzheimer unternehmen?
Je gebildeter ein Mensch ist und je vielfältiger er sein Gehirn im Laufe des Lebens genutzt hat, desto geringer ist - statistisch gesehen - sein Risiko. Ein weiterer Punkt ist eine positive, optimistische, freundliche Einstellung zum Leben: Wer nicht zwanghaft zu 150 Prozent stressbetont ist und wer sich nicht ständig überfordert, der erkrankt deutlich seltener als die starren, sturen, erfolgsorientierten Menschen. Für den Kopf, für die Seele und für den Körper etwas zu tun - das ist das Entscheidende.
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Befördert ein Altenheim die Entwicklung zur Demenz?
Die meisten Heime sind in der Tat der beste Weg, um möglichst schnell dement zu werden. Dies den Heimen allein anzulasten, wäre allerdings unfair. Es geht um die Strukturen und Zwänge, die den Senioren aufgebürdet werden. Eine Institution schränkt die Freiheit ein und reglementiert. Die Jungen bestimmen, was die Alten denken, fühlen, tun und essen.
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Was müsste sich ändern?
Man müsste einen offenen Schwerpunkt mit Kindergarten, kulturellen Veranstaltungen und Begegnungsstätten gestalten, wo Alt und Jung zusammentreffen. Kinder kennen im Umgang mit Demenzkranken keine Scheu. Auch Wohngruppen zeigen positive Ergebnisse. Dort braucht es weniger Medikamente und keine Zwangsmittel. Diese Modelle müssen nicht teurer sein. Gerade im Altenbereich sind die Phantasien spärlich. Ständig wird nur nach Geld gesehen und nicht nach der Menschlichkeit.
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Worauf sollte man in der Behandlung den Fokus legen?
Primär auf die Beziehung. Zudem sollte man an vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen ansetzen und nicht an Defiziten. Dies wird derzeit leider noch kaum praktiziert. Medikamente allein nützen wenig! Auch wenn viele Patienten ihre Sprachkompetenz verlieren, heißt das nicht, dass sie nichts mehr verstehen. Die Kommunikation hängt auch von Gestik und Mimik ab. Und auf diesem Gebiet müssten wir therapeutisch aktiver sein, als nur Gedächtnistraining zu machen.
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Leiden Alzheimer-Patienten?
Der Erkrankte erlebt in der ersten Zeit massivste Kränkungen. Er merkt, da ist etwas in seinem Kopf, etwas stimmt nicht, und er fühlt sich dem hilflos ausgeliefert. Je mehr er dagegen ankämpft, desto schwieriger wird es. Er zieht sich dann zurück, meidet Gesellschaft. Ein Teufelskreis entsteht. Aber ist die Schranke einmal überschritten und ein Patient schwer dement, dann leidet er weniger. Es leiden alle anderen. Daher ist es notwendig, die Angehörigen zu stützen.