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Greenpeace warnt vor Pestiziden: Deutsche Johannisbeeren stark belastet

zuletzt aktualisiert: 26.07.2010 - 16:04

Düsseldorf (RPO). In Deutschland angebaute Johannisbeeren können nach Greenpeace-Angaben stark mit Pestiziden belastet sein. Laboranalysen von Beeren aus vier großen deutschen Handelsketten belegten Kombinationen von bis zu neun verschiedenen Spritzmitteln, teilte die Umweltschutzorganisation am Montag in Hamburg mit. Die Umweltschützer warnten, die nachgewiesenen Pflanzenschutzmittel seien als gesundheitsgefährdend eingestuft.

Greenpeace warnt vor Pestiziden in Johannisbeeren.  Foto: RPO
Greenpeace warnt vor Pestiziden in Johannisbeeren. Foto: RPO

Getestet wurden 31 Proben von in Deutschland angebauten Johannisbeeren und Himbeeren, die Anfang Juli gekauft wurden. Himbeeren schnitten dabei deutlich besser ab als beim letzten Test. 29 Prozent der untersuchten Himbeeren waren pestizidfrei. 2009 waren es erst 20 Prozent. Getestete Bio-Produkte bestanden den Test.

"In jeder untersuchten Johannisbeere stecken im Schnitt sechs Pestizide", sagte Greenpeace-Chemieexperte Manfred Santen. "Beim letzten Beeren-Test 2006 wurden im Vergleich nur drei Pestizide pro Probe festgestellt." Einige der nachgewiesenen Spritzmittel könnten als Nervengift wirken, krebserregend sein oder den Hormonhaushalt und die Fortpflanzung beeinträchtigen.

Greenpeace fordert daher Grenzwerte für Mehrfach-Rückstände von Pestiziden. Die Organisation stelle bereits seit mehreren Jahren den Trend zu Pestizid-Mischungen in Obst und Gemüse fest, heißt es in der Mitteilung. Mit solchen Cocktails würden Produzenten die gesetzlichen Grenzwerte für einzelne Schädlingsbekämpfungsmittel umgehen.

Insbesondere die Supermarkketten Tengelmann und Edeka wurden für die Verwendung in Deutschland nicht zugelassener Spritzmittel kritisiert. Edeka gehe den Vorwürfen derzeit nach. "Bei den von Greenpeace geprüften Beeren, sind wir überall erheblich unter den gesetzlichen Grenzwerten", sagte Edeka-Sprecherin Michaela Fischer-Zernin auf DAPD-Anfrage. "Zusätzlich wurde eine Probe mit einem Stoff gefunden, wobei es sich um einen Einzelfall handelt."

Derzeit werde geprüft, ob es für den Lieferanten eine Ausnahmegenehmigung gegeben hat, diesen Stoff zu verwenden. Difenoconazol sei in Deutschland nicht für Johannesbeeren, aber für Kernobst zugelassen.

"Reißerische Behauptungen"

Indes kritisierte der Industrieverband Agrar (IVA) die "reißerischen Behauptungen" von Greenpeace. Die Umweltschutzorganisation habe sich damit "als ernstzunehmender Partner in der Debatte disqualifiziert", kritisierte der Verband. Denn in einem ausführlicheren Bericht schreibe Greenpeace selbst, dass alle nachgewiesenen Stoffe laut EU-Richtlinie zugelassen sind oder eine Aufbrauchfrist haben und im Einzelfall mit Ausnahmegenehmigungen verwendet werden dürfen.

Das baden-württembergische Verbraucherministerium erklärte: "Bislang sind die Lebensmittelchemiker des Untersuchungsamtes in Stuttgart auf keine Johannisbeeren aus Baden-Württemberg gestoßen, die als gesundheitlich bedenklich einzustufen gewesen wären." Weil die Ernte noch nicht abgeschlossen sei, laufe derzeit die Überprüfung noch.

Quelle: apn/felt

 
 
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