Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner: "Gen-Leinsamen muss vom Markt"
zuletzt aktualisiert: 11.09.2009 - 17:19Frankfurt/Main (RPO). Gentechnisch veränderter Leinsamen muss nach Ansicht von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner sofort vom Markt verschwinden. Die CSU-Politikerin forderte die Kontrollbehörden der Bundesländer am Freitag auf, dies rasch und lückenlos umzusetzen. Andernfalls müsse die EU-Kommission per Eilverordnung ein Verbot für die Einfuhr von Leinsamen aus Kanada erlassen.
Bei Testkäufen fand auch die Umweltorganisation Greenpeace nach eigenen Angaben Gen-Leinsamen. Bereits am Donnerstag hatte die baden-württembergische Landesregierung auf entsprechende Funde hingewiesen und von einem europaweiten Problem gesprochen.
Greenpeace stieß bei den Stichproben den Angaben zufolge auf gentechnisch veränderten Leinsamen in Brötchen, Müsli und Backmischungen. "Der gefundene Gen-Lein ist in der EU weder zum Anbau noch als Lebensmittel zugelassen. Greenpeace hat die Hersteller und Supermärkte informiert", hieß es in der Erklärung der Organisation.
Die Umweltaktivisten forderten die getesteten Lebensmittel-Märkte auf, die Gen-Produkte aus den Regalen zu nehmen und mit Kontrollen sicherzustellen, dass die Verbraucher vor Verunreinigungen geschützt würden.
"Mit ungeprüften, illegalen Gen-Leinsamen in Brötchen und Müsli werden wir Verbraucher zu Versuchskaninchen gemacht", sagte Greenpeace-Sprecherin Stefanie Hundsdorfer. "Dieser Fund zeigt, dass unsere Lebensmittel nur dann frei von Gentechnik bleiben, wenn der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit verboten wird".
"Unverzüglich Ross und Reiter nennen"
Auch von anderer Seite werden Rufe nach lückenloser Aufklärung laut. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) forderte eine stärkere Kontrolle. NGG-Chef Franz-Josef Möllenberg erklärte, "solange die Risiken von gentechnisch veränderten Sorten nicht geklärt und ausgeschlossen sind, lehnen wir jedweden Anbau und Handel ab". Die Organisation Foodwatch verlangte von den Behörden, "unverzüglich Ross und Reiter zu nennen".
Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Foodwatch-Sprecherin Christiane Groß, der Bürger habe einen Anspruch darauf zu erfahren, in welchen Produkten der in der Europäischen Union nicht zugelassene gentechnisch veränderte Leinsamen enthalten sei. "Die Unternehmen müssen diese Produkte in einem solchen Fall dann auch zurücknehmen," forderte Groß.
"Klare rechtliche Regelungen"
Ministerin Aigner verwies auf "klare rechtliche Regelungen" und erklärte weiter: "Die gentechnisch veränderten Leinsamen und die Lebensmittel, die diese enthalten können, müssen umgehend vom Markt genommen werden."
Nach Worten von des baden-württembergischen Verbraucherschutzministers Peter Hauk (CDU) handelt es sich um ein europaweites Problem. Der vermutlich aus Kanada stammende Leinsamen ist in der EU nicht zugelassen. Eine Gesundheitsgefahr für Verbraucher besteht nach Angaben des Ministeriums aber nicht.
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